DOMRADIO.DE: Welche bahnbrechenden Veränderungen gibt es denn in den letzten 100 Jahren für Frauen im geistlichen Amt?
Dorothee Schaper (evangelische Pfarrerin, Frauenbeauftragte des evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region sowie Studienleiterin der Melanchthon Akademie Köln): Vor 100 Jahren gab es die ersten vier Kölner Vikarinnen, auf die wir uns beziehen und auf deren Schultern wir jetzt stehen. Sie haben angefangen, für die Ordination von Frauen zu kämpfen und zu streiten und sich gleichzeitig auch deutlich gegen Rechts einzusetzen.
Insofern sind wir ganz stolz auf diese vier Vikarinnen. Es hat aber immer noch eine ganze Weile und weitere Schritte gebraucht, bis es wirklich zu einem gleichberechtigten Pfarramt für Frauen kam. Das wollen wir gerne am Donnerstag noch einmal besprechen.
DOMRADIO.DE: Sie haben ein Archiv erstellt über die ersten Frauen in geistlichen Ämtern. Das stellen Sie am Donnerstag bei einer Veranstaltung vor und wollen dabei auf alle Frauen weltweit anstoßen, die mit Freude ihre Ämter bekleiden oder dafür streiten. Wird denn in Ihrem Archiv nur die evangelische Pfarrerin behandelt?
Schaper: Nein, wir haben den Blick weiter gezogen, denn nicht nur wir als evangelische Pfarrerinnen haben für die Ordination von Frauen gekämpft. Das tun auch muslimische Frauen, das tun auch jüdische Frauen, und wir sind auch in guter Nachbarschaft und Verbundenheit mit Maria 2.0 - der katholischen Initiative, die sich ganz großartig engagiert für diesen Schritt in die Gleichberechtigung, auch wenn es ganz hartes Brot ist.
DOMRADIO.DE: Was braucht es denn in Ihren Augen, um wirkliche Gleichberechtigung in der Kirche zu erreichen?
Schaper: Auf der einen Seite braucht es Strukturen und strukturelle Veränderungen. Aber der andere Schritt ist der, dass sich in all unseren Köpfen Denkräume eröffnen, sowohl für die Gleichberechtigung von Frauen, aber jetzt sind wir auch an dem Thema der queeren Seelsorge dran.
Die Schritte in Richtung Gleichberechtigung gehen immer noch weiter und sind noch lange nicht zu Ende. Deswegen gucken wir auch in die Zukunft. Wir befragen auch unsere junge Generation von Vikarinnen, die jetzt in den Dienst gehen und miteinander träumen, wie die Kirche der Zukunft aussehen soll.
DOMRADIO.DE: Was könnten gegebenenfalls Katholiken in Sachen Frauen in geistlichen Ämtern von Protestanten lernen?
Schaper: Ich wünsche mir eigentlich einfach, dass wir alle nicht aufgeben und immer den nächsten Schritt tun. Bei uns hat es ganz lange gebraucht. Martin Luther hat eigentlich schon die Spuren gelegt, aber es hat dann über 500 Jahre gebraucht, bis wir so weit waren, es wirklich gleichberechtigt zu machen.
Von daher weiß ich, dass die Wege lang sind und ich wünsche meinen katholischen Schwestern, dass das Brett dünner wird, das gebohrt werden muss.
Das Interview führte Uta Vorbrodt.
Die Veranstaltung "Wegbereiterinnen II: Immer noch und schon ist alles möglich. Frauen im geistlichen Amt – Her*story am Rhein" findet statt am Donnerstag, den 08.01.2026 von 18.00-19.30 Uhr in der Kartäusergasse 9-11, Köln. Um Anmeldung wird gebeten.