Hinweise auf Verfehlungen sollen an Bischofsgräber

"Die Wahrheit muss ans Licht"

Das Bistum Münster will in unmittelbarer Nähe der Gräber von ehemaligen Bischöfen an deren Verfehlungen im Zusammenhang mit Missbrauch erinnern. Bis eine Form dafür gefunden ist, bleibt die Bischofsgruft im Münsteraner Dom geschlossen.

 Als Reaktion auf die Veröffentlichung einer Missbrauchsstudie hat das Bistum Münster die Bischofsgruft im Dom geschlossen / © Guido Kirchner (dpa)
Als Reaktion auf die Veröffentlichung einer Missbrauchsstudie hat das Bistum Münster die Bischofsgruft im Dom geschlossen / © Guido Kirchner ( dpa )

Die dort beigesetzten drei Bischöfe "ließen sich von einer Haltung leiten, die den Schutz der Institution im Blick hatte, nicht aber die Betroffenen", sagte Bistumssprecher Stephan Kronenburg der Katholischen Nachrichten-Agentur am Donnerstag. "Die Toten sollen ruhen, die Wahrheit aber muss ans Licht."

Aufarbeitungsstudie als Auslöser

Die Bischofsgruft unterhalb des Südturms im Dom ist seit Montag gesperrt. An diesem Tag präsentierten Forschende der Universität Münster eine Aufarbeitungsstudie für das Bistum. Sie werfen den in der Gruft beigesetzten Bischöfen Michael Keller (Amtszeit: 1947-1961), Heinrich Tenhumberg (1969-1979) und Reinhard Lettmann vor, Fehler im Umgang mit Missbrauchsfällen gemacht zu haben.

Beschuldigte und teils verurteilte Geistliche seien immer wieder versetzt und damit weitere Taten ermöglicht worden.

Statement von Bischof Felix Genn erwartet

Dem aktuellen Bischof Felix Genn bescheinigen die Studienautoren, in seinen ersten Jahren in Münster reuigen Tätern kirchenrechtlich nicht immer mit der gebotenen Strenge begegnet zu sein und erst später den Umgang mit Missbrauchsfällen verändert zu haben. Genn will am Freitag erklären, welche Konsequenzen er und das Bistum aus der Untersuchung ziehen.

Die Studie zählt nach Auswertungen von Akten und Betroffenen-Interviews 196 Beschuldigte zwischen 1945 und 2020. Die Zahl der Betroffenen liegt bei 610. Die Dunkelziffer sei aber acht- bis zehnmal so hoch, so die Forschenden.

Studie: Flächendeckender Missbrauch im Bistum Münster

Die Zahl der beschuldigten Priester und Missbrauchsopfer im Bistum Münster ist nach einer Studie der Universität Münster deutlich höher als bekannt. Laut der über zwei Jahre dauernden Forschungsarbeit eines fünfköpfigen Teams gab es von 1945 bis 2020 fast 200 Kleriker und bekannte 610 minderjährige Opfer von sexuellem Missbrauch. Damit sind 4,17 Prozent der Priester betroffen. Die Dunkelziffer ist erheblich höher. Die Forscher gehen von 5000 bis 6000 Opfern aus.

Studienergebnisse zum Missbrauch im Bistum Münster / © Guido Kirchner (dpa)

Quelle:
KNA