Georg Bätzing tritt als Vorsitzender der Bischofskonferenz ab

Reformwilliger Vermittler in krisengeprägten Zeiten

Bischof Georg Bätzing selbst spricht von sechs intensiven Jahren. Durch kirchliche Reformdebatten und äußere krisenhafte Ereignisse war seine Amtszeit an der Spitze der Bischofskonferenz unruhig, spannungsgeladen und herausfordernd.

Autor/in:
Norbert Demuth 
Bischof Georg Bätzing, scheidender Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) / © Marijan Murat (dpa)
Bischof Georg Bätzing, scheidender Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) / © Marijan Murat ( dpa )

Sechs Jahre stand der Limburger Bischof Georg Bätzing (64) an der Spitze der katholischen Deutschen Bischofskonferenz - jetzt tritt er ab. Es war nicht nur eine Amtszeit, die von äußeren Krisen herausgefordert wurde: Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg, Erstarken rechtsextremer und antisemitischer Tendenzen in der Gesellschaft.

Auch innerkirchlich war es eine unruhige Zeit, nicht nur wegen der konstant hohen Zahl der Austritte. Der 2019 im Zuge der Missbrauchsaufarbeitung eingeleitete Reformdialog Synodaler Weg ist bis heute von Spannungen in der Bischofskonferenz, aber auch mit Rom geprägt.

"Führe zusammen" und Frust

Für Bätzing, der als Bischof den Wahlspruch "Congrega in unum - Führe zusammen" gewählt hatte, bedeutete das viel Vermittlungsarbeit. Und nicht selten auch Frustrationen. Er selbst spricht von "sechs intensiven Jahren" in "wahrlich anspruchsvollen Zeiten". Nach Beratung und reiflicher Überlegung habe er sich dazu entschieden, für eine erneute Wahl nicht zur Verfügung zu stehen, betonte er Mitte Januar.

Inhaltliche Gründe für seine Entscheidung nannte er zwar nicht. Aber im Dezember hatte Bätzing dem Deutschlandfunk gesagt, es laste auf ihm, dass die deutschen Bischöfe "nicht mit einer Stimme in jeder Frage reden". Immer wieder hatten die Bischöfe Stefan Oster (Passau), Rudolf Voderholzer (Regensburg), Kardinal Rainer Maria Woelki (Köln) und der frühere Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke der reformwilligen Mehrheit in der Bischofskonferenz einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Römische Stopp-Schilder

Nun wird bei der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Würzburg ein Nachfolger Bätzings für die nächsten sechs Jahre gewählt. Nach Ansicht des Würzburger Bischofs Franz Jung muss der künftige Vorsitzende vor allem für Einheit innerhalb der Bischofskonferenz sorgen. Es sei nicht verborgen geblieben, dass es in der Vergangenheit Spaltungen zwischen den Bischöfen gegeben habe, so Jung.

 © Karl-Josef Hildenbrand (dpa)
© Karl-Josef Hildenbrand ( dpa )

Einen Balanceakt musste Bätzing auch gegenüber dem Vatikan absolvieren. Mehrfach stellte Rom Stopp-Schilder auf. Und zwischendurch hatte es den Anschein, als ob Bätzing Schwierigkeiten habe, im Zentrum der katholischen Kirche Gehör zu finden - und das nicht nur, weil er nicht fließend Italienisch spricht. Es knirschte mitunter.

Der scheidende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz sagte jetzt der "Zeit": "Es gab Bischöfe aus Deutschland und Kardinäle in der Kurie, die versuchten dem Papst weiszumachen, wir würden ein Schisma wollen. Das war und ist Unsinn."

Für Frauen-Diakonat eingesetzt

Bischof Bätzing habe sich konsequent für Reformen in der Kirche eingesetzt, bilanzierte die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands kfd: "Sein eindeutiges Bekenntnis zur Gleichberechtigung von Frauen in der Kirche, zur Zulassung von Frauen zu allen Diensten und Ämtern sowie zur konsequenten Aufarbeitung sexualisierter Gewalt haben wir stets begrüßt." Besonders erwähnenswert sei sein Engagement für einen möglichen Diakonat der Frau. Der allerdings lässt weiter auf sich warten. Die Signale von Papst Leo XIV. dazu sind nicht eindeutig.

Beate Gilles (l.), Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), und Bischof Georg Bätzing, Vorsitzender der DBK, bei der Pressekonferenz zum Abschluss der Herbstvollversammlung der DBK am 25. September 2025 in Fulda / © Harald Oppitz (KNA)
Beate Gilles (l.), Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), und Bischof Georg Bätzing, Vorsitzender der DBK, bei der Pressekonferenz zum Abschluss der Herbstvollversammlung der DBK am 25. September 2025 in Fulda / © Harald Oppitz ( KNA )

Einen kleinen Fortschritt, um Frauen auch in hervorgehobenen Positionen sichtbarer zu machen, schaffte Bätzing auch ohne Rom: Es war 2021 die Wahl einer Frau zur Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz. Er kannte Beate Gilles schon seit Jahren, sie war in seinem Bistum für das Thema Familie zuständig. Dass die Deutsche Bischofskonferenz als erste größere Bischofskonferenz der Welt eine Frau in dieses wichtige Amt wählte, ist Bätzings Verdienst.

Gegen die AfD positioniert

Anerkennung erfuhr Bätzing auch für seinen nachdrücklichen Einsatz für die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt. Beim Umgang mit sexuelle Missbrauch warb er für einen innerkirchlichen "Kulturwandel". Nur durch Transparenz könne man neues Vertrauen gewinnen. Doch auch nach zahlreichen Missbrauchsstudien in den Bistümern bleibt die Frage, ob systemische Faktoren, die Missbrauch durch Priester begünstigt haben, wirklich in ihrer Tiefe erkannt und flächendeckend beseitigt wurden.

Von Bätzings Ägide wird in jedem Fall ein politisches Ausrufezeichen bleiben: Im Februar 2024 veröffentlichte die Deutsche Bischofskonferenz ihre einstimmig verabschiedete und weithin beachtete Erklärung mit dem Titel "Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar". Darin hatten die deutschen katholischen Bischöfe ausdrücklich die AfD genannt und somit erstmals eine im Bundestag vertretene Partei gebrandmarkt - als nicht wählbar für Christen.

Im "Zeit"-Interview bekräftigte der scheidende Bischofskonferenz-Vorsitzende jetzt diese Position. Das Parteiprogramm für Sachsen-Anhalt zeige, was die Partei vorhabe. "Die AfD steht für völkischen Nationalismus, und der ist mit dem christlichen Menschenbild unvereinbar", sagte Bätzing und betonte: "So etwas wollen wir nicht an der Regierung."

Deutsche Bischofskonferenz

Die Deutsche Bischofskonferenz ist der Zusammenschluss der katholischen Bischöfe in Deutschland. Sie leiten als Ortsbischöfe eines der 27 Bistümer oder unterstützen als Weihbischöfe. Insgesamt gehören ihr derzeit (Oktober 2025) 61 Mitglieder an.

Ebenfalls zur Konferenz gehören - auch wenn sie nicht Bischöfe sind - Diözesanadministratoren, die ein Bistum nach Rücktritt oder Tod eines Ortsbischofs übergangsweise verwalten.

Logo der Deutschen Bischofskonferenz auf einem Schild neben dem Eingang zum Sekretariat der DBK / © Julia Steinbrecht (KNA)
Logo der Deutschen Bischofskonferenz auf einem Schild neben dem Eingang zum Sekretariat der DBK / © Julia Steinbrecht ( KNA )
Quelle:
KNA