"Führe zusammen" (Lateinisch: "Congrega in unum") - lautet der Wahlspruch des Limburger Bischofs Georg Bätzing. Der
64-Jährige, geschätzt für seine unprätentiöse und vermittelnde Art, wurde 2020 zum Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz gewählt. Was ihm in seinem Bistum seit 2016 gut gelingt, ist ihm zuletzt als Vorsitzender der Bischofskonferenz nicht mehr geglückt: die unterschiedlichen Positionen in der Bischofskonferenz zu vereinen.
Bätzing kündigte im Januar an, nicht für eine zweite Amtszeit zu kandidieren. Am Dienstag wählen 56 Bischöfe auf der Frühjahrsvollversammlung der Bischofskonferenz in Würzburg turnusgemäß einen Nachfolger. Der Vorsitzende vertritt die Bischöfe als Sprecher nach außen.
Starker Mitgliederverlust
Der jüngste Richtungsstreit in der Bischofskonferenz entzündete sich an der Haltung zu Reformen infolge des Missbrauchsskandals. Durch die große katholische Aufarbeitungsstudie 2018 kamen die kritischen Punkte auf den Tisch: klerikale Abschottung, Machtkonzentration im Bischofsamt und eine rigide Sexuallehre. Mehr Mitbestimmung durch die Kirchenbasis, weniger Geschlechterdiskriminierung oder Verurteilung gleichgeschlechtlicher Liebe - dafür traten die Reformer unter den Bischöfen beim Reformprozess Synodaler Weg ein.
Erzkonservative Bischöfe bekundeten hingegen ihre Ablehnung und diskreditierten beim Heiligen Stuhl in Rom den ganzen Prozess. In der Folge stand Rom dem Vorhaben skeptisch gegenüber. Doch auch der Graben zwischen dem Kirchenvolk und seinen Hirten wurde sichtbar. Seit 2020 haben 1,8 Millionen Deutsche der katholischen Kirche den Rücken gekehrt. Insgesamt gab es nach der aktuellen Statistik im Jahr 2024 mit 19,8 Millionen Katholiken etwa 2,4 Millionen Katholiken weniger als 2020.
Die Abbruchkante verläuft an der Generationengrenze. Denn während alte Kirchenmitglieder sterben, wird viel weniger getauft als vor 25 Jahren. Laut der Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung von 2023 befürwortet eine Mehrheit der Gläubigen Reformen. 96 Prozent der katholischen Befragten stimmten der Aussage zu, dass sich ihre Kirche grundlegend ändern müsse, wenn sie eine Zukunft haben will.
Bätzing auf der Seite der Reformer
Bätzing steht auf der Seite der Reformer. Er setzte sich für eine vorsichtige Loslösung vom strengen Zölibat ein, für Weiheämter für Frauen und für Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare - alles aus der Überzeugung, in der Tradition des Evangeliums zu stehen. In seinem Limburger Bistum, das er vom Skandalbischof Franz-Peter Tebartz-van Elst übernahm, gibt es zudem eine lange Tradition der Synodalität, also der Mitbestimmung von Laien. Synodalität stärke den Bischof und schwäche ihn nicht, lautet seine Überzeugung. Durch seine Moderation des Reformprozesses erwarb er sich zwar Respekt und Sympathie an der Kirchenbasis, doch in Rom kam es zu Kommunikationsschwierigkeiten.
Die Frage, wer ihm als Vorsitzender nachfolgt, wird auch zu einer Richtungsentscheidung, wie beherzt Reformen in den kommenden Jahren weitergeführt werden. Unter Beobachtern gilt der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz als aussichtsreich. Er ist recht frisch im Amt und Schüler des langjährigen Mainzer Kardinals Karl Lehmann. Auch geeignet wäre der aktuelle Stellvertreter Bätzings, der Fuldaer Bischof Michael Gerber. Allerdings ist er erst seit Kurzem von einer Krebserkrankung genesen.
Satzung für Synodalkonferenz
Die Wahl ist nicht der einzige wichtige Tagesordnungspunkt der Vollversammlung. Die Bischöfe müssen auch einer Satzung für ein
nationales synodales Gremium zustimmen, das in den vergangenen Jahren Zankapfel mit dem Heiligen Stuhl war. Die Synodalkonferenz, in der Bischöfe und Laien ab November erstmals gemeinsam beraten und Beschlüsse fassen sollen, ist ein wichtiges Erbe des Synodalen Wegs. Rom muss der Satzung auch noch zustimmen.
Auch wenn Bätzing künftig nicht mehr für die Bischofskonferenz spricht, bleibt er: "Ich verschwinde ja nicht", sagte er Ende Januar in Stuttgart. Und als Bischof von Limburg bleibt er Hüter des "Petrusstabes" - des Hirtenstabs des Apostels Petrus. Ein Teil des Stabs befindet sich heute im Limburger Domschatz. Die Übergabe bei der Bischofsweihe steht symbolisch für die Treue des Limburger Bischofs zu den Nachfolgern des Apostels Petrus, den Päpsten in Rom.