Für Papst Franziskus ist Heiligkeit nicht Verzicht

Keine "geistliche Gymnastik"

Für den Papst ist mit dem Begriff der Heiligkeit nicht in erster Linie Anstrengung oder Verzicht verbunden. Franziskus betonte hingegen den Wert von Offenheit, Freude und Sinn für Humor. Dabei verweist der Papst auf ein Gebet.

Papst Franziskus lacht / © Paul Haring/CNS photo (KNA)
Papst Franziskus lacht / © Paul Haring/CNS photo ( KNA )

Heiligkeit sei "keine 'geistliche Gymnastik', nein, es ist etwas anderes; es ist vor allem die Erfahrung, von Gott geliebt zu werden, seine Liebe, sein Erbarmen frei zu empfangen", sagte der 85-Jährige am Donnerstag vor Teilnehmern einer Konferenz unter dem Motto "Heiligkeit heute". Man werde nicht mit "einem langen Gesicht" ein Heiliger. Vielmehr brauche es ein Herz, das freudig und offen für Hoffnung sei. Als Beispiel nannte Franziskus den seligen Johannes Paul I., der den Beinamen "lächelnder Papst" erhielt.

Der Papst nannte die Heiligen "kostbare Perlen". Sie seien immer lebendig und aktuell und verlören nie ihren Wert. "Ihr Leben ist wie ein Katechismus in Bildern, eine Veranschaulichung der Frohen Botschaft, die Jesus den Menschen gebracht hat", so Franziskus. Heute könne ein angemessener Zugang zu den Medien das Wissen um Selig- oder Heiligsprechungskandidaten fördern. Bei der Nutzung digitaler Medien, insbesondere sozialer Netzwerke, bestehe jedoch die Gefahr, dass sie von weniger edlen Interessen "diktiert und verschleiert" würden. Hier sei Vorsicht geboten.

Papst betet täglich wie Thomas Morus um gute Verdauung

Papst Franziskus betet seit mehr als 40 Jahren jeden Tag ein Gebet des heiligen Thomas Morus (1478-1535). Es sei etwas merkwürdig, denn Morus bitte um etwas Heiliges, aber beginne dabei mit den Worten: "Herr, gib mir eine gute Verdauung und auch etwas zum Verdauen", sagte Franziskus am Donnerstag vor Teilnehmern des Kongresses "Heiligkeit heute". Morus werde direkt konkret, aber dort beginne der Humor erst richtig, so Franziskus. Es gehe darum, zu wissen, wie man das Leben mit Sinn für Humor genießen könne, "denn der Teil des Lebens, der einen zum Lachen bringt, erhellt die Seele", so der Papst.

Heiligenverehrung in der Kirche

Nach katholischem Verständnis sind die Heiligen Fürsprecher vor Gott, die von den Gläubigen angerufen werden können. Die evangelische Kirche kennt keine Heiligenverehrung in diesem Sinne. Für sie sind die Heiligen Vorbilder im Glauben.

Der Gedenktag jeder und jedes Heiligen ist der Todestag, nicht etwa der Geburtstag. Man "feiert" das Ende eines irdischen Lebens und den Übergang in das ewige Leben. Zusätzlich gedenkt die katholische Kirche all ihrer Heiligen am Fest Allerheiligen, am 1. November. (DR)

Eine Frau im Gebet / © Jantanee Runpranomkorn (shutterstock)
Eine Frau im Gebet / © Jantanee Runpranomkorn ( shutterstock )

Quelle:
KNA
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