Ein Fund in den Niederlanden hat kürzlich Aufmerksamkeit erregt. In der St.-Peter-und-Paul-Kirche in Maastricht wurde ein Skelett entdeckt, bei dem Archäologen vermuten, es könne sich um Charles de Batz de Castelmore d'Artagnan handeln. Eine Genanalyse soll nun Klarheit bringen.
Der Name d'Artagnan klingt nicht nur vertraut, weil es ihn wirklich gab – er stand als Offizier im Dienst von Ludwig XIV. – sondern auch, weil Alexandre Dumas ihn literarisch unsterblich gemacht hat. Zwischen historischer Figur und Romanheld bewegt er sich bis heute. Doch für unseren Blick auf den Kölner Dom ist er vor allem ein Anlass, über Begräbnisorte und ihre Bedeutung nachzudenken.
Denn schnell stellt sich die Frage, wer eigentlich unter dem Fußboden des Kölner Doms liegt? Die Antwort führt im wörtlichen Sinne tief in die Geschichte des Doms.
Zunächst sind da die Erzbischöfe. In den 1950er Jahren wurde unter dem Binnenchor eine Gruft eingerichtet, in die man die Erzbischöfe des 19. und frühen 20. Jahrhunderts umbettete. Auch ihre Nachfolger fanden dort ihre letzte Ruhestätte. Josef Frings, Joseph Höffner und Joachim Meisner. Ihre Namen stehen für eine jüngere Epoche der Domgeschichte, und doch liegen sie in einer Tradition, die weit zurückreicht.
Vergangenheit wird eingeordnet
Eine zweite bedeutende Gruppe sind die Wittelsbacher Erzbischöfe. Als man bei Ausgrabungen auf ihre Särge stieß, wurde unter der Achskapelle eigens eine Gruft eingerichtet, die im August 2000 eingeweiht wurde. Hier zeigt sich, wie sehr archäologische Arbeit und kirchliche Erinnerungskultur ineinandergreifen. Die Vergangenheit wird nicht nur freigelegt, sondern neu eingeordnet.
Doch die spektakulären Namen sind nur ein Teil der Geschichte. Seit 1946 wird unter dem Dom archäologisch geforscht – und dabei wurden immer wieder menschliche Gebeine gefunden. Sie stammen von Menschen, die über Jahrhunderte hinweg im Bereich des Doms bestattet worden sind.
Für die meisten Kölner war dies allerdings keine Option. Eine Bestattung im Dom war ein Privileg. Und doch gab es offenbar Ausnahmen. Eine neuzeitliche, vermauerte Gruft im östlichen Bereich des Mittelschiffs deutet darauf hin, dass einzelne Persönlichkeiten, aus welchen Gründen auch immer, hier ihre letzte Ruhestätte fanden.
Wohin mit den zahlreichen Gebeinen?
Mit der Öffnung der archäologischen Zone unter dem Dom, die heute bei Führungen zugänglich ist, stellte sich schließlich eine praktische Frage: Wohin mit den zahlreichen Gebeinen, die nicht an Ort und Stelle verbleiben konnten?
Man entschied sich für eine Lösung, die respektvoll und funktional zugleich ist. Unterhalb des Nordturms, in einem nicht vollständig ausgegrabenen Bereich, wurde eine Gruft eingerichtet. Hierhin wurden die gefundenen Knochen überführt und gemeinsam beigesetzt.
Über dieser Gruft, in der Nordturmhalle, erinnert seit dem Jahr 2000 eine Steinplatte an die Verstorbenen. Ihre Inschrift richtet den Blick weniger auf individuelle Namen als auf eine gemeinsame Hoffnung: die Nähe zu den Altären, die Erwartung einer begnadeten Auferstehung.
Es ist ein stiller Ort des Gedenkens und einer der eindrucksvollsten im ganzen Dom. Hier wird spürbar, dass Geschichte nicht nur aus großen Namen besteht, sondern auch aus den vielen, deren Identität zurückgetreten ist.
So verbindet sich unter dem Dom vieles: kirchliche Tradition, archäologische Forschung und menschliche Sehnsucht. Und auch wenn wir die meisten der dort Bestatteten nicht mehr kennen, vergessen sind sie nicht.