Franziskus äußert sich zum US-Urteil

Papst vergleicht Abtreibung mit Auftragsmord

Papst Franziskus hat nach der Abtreibungsentscheidung des Obersten Gerichtshofs in den USA Schwangerschaftsabbrüche erneut verurteilt: "Ist es legitim, ist es richtig, ein menschliches Leben zu beseitigen, um ein Problem zu lösen?".

Papst Franziskus im Rollstuhl / © Alessandra Tarantino (dpa)
Papst Franziskus im Rollstuhl / © Alessandra Tarantino ( dpa )

Der 85 Jahre alte Argentinier verglich Abtreibung mit "dem Anheuern eines Auftragsmörders". Das sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche in einem am Montag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Er respektiere die Entscheidung des US-Gerichts, könne aber nicht von einem juristischen Blickpunkt aus darüber sprechen.

"Wer abtreibt, tötet"

Papst Franziskus hatte Abtreibung in der Vergangenheit schon als "Mord" bezeichnet. "Wer abtreibt, tötet", sagte er etwa im September 2021 auf dem Rückflug aus der Slowakei. Franziskus erklärte damals, ein Fötus sei wenige Wochen nach der Zeugung als menschliches Leben zu betrachten, und das müsse respektiert werden.

Symbolbild: Embyo in den Händen einer Frau / © vetre (shutterstock)
Symbolbild: Embyo in den Händen einer Frau / © vetre ( shutterstock )

Ende Juni kippte das mehrheitlich konservativ besetzte US-Gericht ein Urteil aus dem Jahr 1973, das als "Roe gegen Wade" bekannt ist und mit dem zuvor das Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch sichergestellt wurde. Damit machte es den Weg frei für strengere Abtreibungsgesetze. Die Entscheidung löste große Empörung aus.

Reaktionen auf US-Urteil

Aus dem Vatikan reagierte zunächst die Päpstliche Akademie für das Leben. "Nach 50 Jahren ist es wichtig, wieder eine ideologiefreie Debatte zu beginnen über den Stellenwert, den der Schutz des Lebens in der zivilen Gesellschaft hat, um uns zu fragen, welche Art von Zusammenleben und Gesellschaft wir aufbauen wollen." Die katholischen Bischöfe in den USA begrüßten die Gerichtsentscheidung.

Oberstes US-Gericht öffnet Weg für Abtreibungsverbote

Das oberste Gericht der USA ermöglicht den Bundesstaaten ein Verbot von Abtreibungen. Die Richter in Washington hoben das Grundsatzurteil "Roe vs. Wade" auf, das im Jahr 1973 Abtreibungen zur Privatsache erklärte. Bisher hatte das Gericht demnach Abbrüche bis zur 24. Schwangerschaftswoche für rechtmäßig erklärt.

Bei der jetzigen Entscheidung ging es um ein Gesetz im Bundesstaat Mississippi, das Abtreibungen nach der 15. Woche verbietet. Mit Blick auf das fast 50 Jahre gültige Grundsatzurteil hatten untere Instanzen die Inkraftsetzung zunächst verhindert.

Abtreibungsrecht USA - Oberster Gerichtshof / © Mariam Zuhaib/AP (dpa)
Abtreibungsrecht USA - Oberster Gerichtshof / © Mariam Zuhaib/AP ( dpa )

 

Quelle:
dpa
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