Hilfswerke fordern politische Lösung des Syrienkonflikts

Flammender Appell

Zum zehnten Jahrestag des Syrienkonfliktes haben Hilfsorganisationen vor einer weiteren Verschärfung der humanitären Krise gewarnt. Der Einsatz von Hilfswerken könne eine politische Lösung des Konflikts nicht ersetzen.

Ein Mann fährt mit seinem Fahrrad durch die zerstörte Stadt Duma / © Hummam Sheikh Ali (dpa)
Ein Mann fährt mit seinem Fahrrad durch die zerstörte Stadt Duma / © Hummam Sheikh Ali ( dpa )

Das betonte die Präsidentin der Diakonie-Katastrophenhilfe Dagmar Pruin. "Hier stehen auch die EU und die Bundesregierung in der Pflicht."

Dazu gehöre etwa die aktive Unterstützung des Verfassungskomitees, in dem seit 2019 Vertreter von Regierung und Opposition verhandeln. Hier müsse sichergestellt werden, dass bei einer Neuausrichtung des Landes auch die Interessen der syrischen Bevölkerung wahrgenommen würden, so Pruin.

Seit Beginn der Kampfhandlungen im März 2011 sind nach Schätzungen von Hilfsorganisationen rund 600.000 Menschen getötet worden. Zudem seien über zwölf Millionen Menschen vertrieben worden und nun inner- und außerhalb des Landes auf der Flucht, davon fast sechs Millionen Kinder.

Knapp 80 Prozent der syrischen Bevölkerung lebten derzeit in Armut. Die humanitäre Krise im Land habe sich zuletzt auch durch die Corona-Pandemie weiter verschärft und die Armut wie die Gefahr sexualisierter Gewalt erhöht.

Ausweitung der humanitären Hilfe

Gemeinsam mit neun anderen Organisationen, darunter die Hilfsorganisationen Care, Terre des Hommes und Save the Children, forderte die Diakonie eine Ausweitung der humanitären Hilfe in Syrien. Zugleich beklagten sie fehlende Bestrebungen für eine politische Lösung des Konflikts. Auf der nächsten von der EU ausgerichteten Syrien-Konferenz in Brüssel am 29. und 30. März müsse ein Zeichen gesetzt werden, dass die Welt das Land nicht vergessen habe.

Kritik richtete sich auch gegen die über das Land verhängten Sanktionen. So mache es die Blockade von Geldüberweisungen aus den USA und Europa nach Syrien praktisch unmöglich, die notwendigen Mittel zur Hilfe für die Bevölkerung zu senden, betonte das internationale katholische Hilfswerk Kirche in Not.

Diese finanzielle Unterstützung sei zentral, damit Lebensmittel, medizinische Güter und Kleidung vor Ort gekauft werden könnten, erklärte der geschäftsführende Präsident, Thomas Heine-Geldern. "Es ist unsere Pflicht, der leidenden Zivilbevölkerung in Syrien zu helfen. Besonders die christliche Minderheit droht zu verschwinden."

Mehr Druck auf die politischen Entscheidungsträger fordert auch das Bündnis Entwicklung Hilft. Solange keine politische Lösung gefunden sei, müsse aber zumindest die humanitäre Hilfe ungehindert möglich sein, sagte der Geschäftsführer der Organisation, Peter Mucke. Dafür müssten Deutschland und die EU Grenzöffnungen durchsetzen, die den humanitären Helfern Zugang zu den in Not geratenen Menschen ermöglichten.

Quelle:
KNA