Experten fordern mehr Schutz für Menschen mit Behinderung

Lücken beim Gewaltschutz

Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung und das Deutsche Institut für Menschenrechte haben einen besseren Schutz von Menschen mit Behinderungen in Einrichtungen gefordert. Die Dunkelziffer bei Gewalterfahrungen sei sehr hoch.

Mann mit einem Blindenstock / © Halfpoint (shutterstock)
Mann mit einem Blindenstock / © Halfpoint ( shutterstock )

Es gebe weiterhin große Lücken und Probleme beim Gewaltschutz, sagte Jürgen Dusel in Berlin anlässlich der Veröffentlichung von Handlungsempfehlungen an Politik und Praxis.

Jürgen Dusel / © Soeren Stache (dpa)
Jürgen Dusel / © Soeren Stache ( dpa )

Immer wieder erfahre die Öffentlichkeit von erschreckenden Gewaltvorkommnissen in Einrichtungen der Behindertenhilfe, heißt es darin. Das Dunkelfeld sei allerdings sehr groß, weil nur Wenige Rechtsschutz suchten.

Eine entsprechende Studie über Gewalterfahrungen behinderter Menschen soll 2023 abgeschlossen werden. Dusel erinnerte dabei an die Morde an vier Schwerstbehinderten im Potsdamer Oberlinhaus vom April vergangenen Jahres.

Gesetze sollen verschärft werden

Unter anderem forderte er eine Verschärfung der Gesetzeslage, um die erst seit Juni 2021 für Einrichtungsträger verpflichtenden Gewaltschutzkonzepte auch umzusetzen. Viele Konzepte existierten nur auf dem Papier. Bislang gebe es keine Sanktionsmöglichkeiten durch Behörden, die die Einrichtungen finanzieren, so Dusel.

In Deutschland leben den Angaben zufolge rund 200.000 erwachsene Menschen mit Behinderungen in Wohneinrichtungen der Behindertenhilfe. Rund 330.000 Menschen sind in Werkstätten beschäftigt.

Tag der Menschen mit Behinderungen

Weltweit kann jeder siebte Mensch wegen eines Handicaps sein Alltagsleben nur mit Einschränkungen bewältigen. Bis zu 190 Millionen von ihnen sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO wegen besonders schwerer körperlicher, geistiger oder seelischer Behinderungen dringend auf Hilfe von anderen angewiesen. Allerdings gehen laut UN nur wenige Staaten angemessen auf die Bedürfnisse von Behinderten ein. Der 1992 von den Vereinten Nationen ausgerufene Tag der Menschen mit Behinderung (am 3.

Mensch mit Sehbehinderung  / © Monika Skolimowska (dpa)
Quelle:
epd
Mehr zum Thema