Ex-Dombaumeisterin warnt vor Betrug durch Eintritt für Kölner Dom

"Die Leute sind ja dreist"

Die frühere Kölner Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner warnt, dass Besucher zukünftig den Ticketkauf am Kölner Dom umgehen könnten, indem sie falsche Angaben machen. Schon jetzt werde an der Tür bewusst gelogen, sagt sie.

Blick auf den Kölner Dom / © Guenter Albers (shutterstock)
Blick auf den Kölner Dom / © Guenter Albers ( shutterstock )

Die Kölner Ex-Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner sieht die Gefahr, dass die geplanten Eintrittsgelder für den Kölner Dom Besucher gezielt zur Täuschung verleiten könnten. "Das heißt, mehr Menschen werden betrügen", sagte Schock-Werner der Zeitung "Die Zeit".

Architektin Barbara Schock-Werner / © Julia Steinbrecht (KNA)
Architektin Barbara Schock-Werner / © Julia Steinbrecht ( KNA )
Barbara Schock-Werner

Schon jetzt werde am Eingang der Kölner Kathedrale vor Gottesdienstbeginn gefragt: "Nur zur Messe?" Viele nutzten dies aus, um noch schnell in den Dom zu kommen. "Und die Leute sind ja dreist. Also nicken sie, gehen rein, machen Fotos, kommen nach zehn Minuten wieder raus. Von wegen Messebesuch", sagte Schock-Werner. Mit einer Eintrittspflicht außerhalb von Gottesdiensten werde dieses Verhalten zunehmen, so die ehemalige Dombaumeisterin.

Zugleich kritisiert sie grundsätzlich die geplanten Gebühren. Kirchenräume wie der Dom müssten Orte bleiben, "die man nicht kaufen kann". Eintrittsgelder werteten den spirituellen Raum ab und machten ihn "ein bisschen" zum Museum. "Ich kenne kein Bauwerk auf der ganzen Welt, das sich so sehr im Herzen, in der Seele der Einwohner verankert hat." 

Die Kölner Kathedrale werde unabhängig von Herkunft oder Religion als "unser Dom" empfunden. Eintritt könne dieses Verhältnis stören und den Dom zum "Kommerzbau" machen.

Kein Vergleich mit anderen Kirchen

Vergleiche mit anderen Ländern hält Schock-Werner für unpassend. In England etwa gebe es keine Kirchensteuer, das dortige System sei "überhaupt nicht vergleichbar". Die Sagrada Família in Spanien sei eher eine "Luxusbaustelle" für Touristen. Am ehesten vergleichbar sei der Stephansdom in Wien. Dort gebe es jedoch teilweise freien Zugang.

Sagrada Familia in Barcelona / © Pajor Pawel (shutterstock)
Sagrada Familia in Barcelona / © Pajor Pawel ( shutterstock )

Die Verwaltung des Kölner Doms hatte zuletzt mitgeteilt, dass der Dom ab der zweiten Jahreshälfte eine Zugangsgebühr für Touristen erhebt. Wer zum Gottesdienstbesuch oder zum Gebet in die Kathedrale kommt, soll dies aber weiter kostenfrei tun können. Den Kölner Dom besuchen jedes Jahr mehr als sechs Millionen Menschen aus der ganzen Welt. Seit 2019 ist die Kathedrale immer wieder in die roten Zahlen gerutscht. Allein der Erhalt des Riesenbauwerks kostet 23.200 Euro pro Tag.

In Deutschland sind die meisten Kirchen frei zugänglich. Eine Ausnahme bildet zum Beispiel der evangelische Berliner Dom, der regulär 15 Euro Eintritt kostet. Im Ausland sind Zugangsgelder für Kirchen üblicher. So verlangt die Sagrada Família in Barcelona 26 Euro, der Stephansdom in Wien 29 Euro.

Stationen der Kölner Domgeschichte

1248 Grundsteinlegung für den gotischen Neubau unter Erzbischof Konrad von Hochstaden.

1322 Chorweihe; allmählich entstehen die unteren Teile von Mittelschiff, Querhäusern und Seitenschiffen sowie der Südturm bis zu einer Höhe von 59 Metern.

1560 Einstellung des Baubetriebs.

1794 Nach dem französischen Einmarsch dient der Torso des Doms als Futtermagazin und Gefangenenlager.

1815 Nach den napoleonischen Befreiungskriegen wird der Kölner Dom für die Romantiker zu einem Symbol der deutschen Nationalbewegung.

Blick auf den Kölner Dom / © Wondervisuals (shutterstock)
Blick auf den Kölner Dom / © Wondervisuals ( shutterstock )
Quelle:
KNA