Erzbischof Heße nimmt an Jubiläumsfeier in Bad Oldesloe teil

"Wir sind nicht nur Geist"

Endlich konnte die 40-jährige Jubiläumsfeier des "Haus Emmaus" in Bad Oldesloe im Erzbistum Hamburg nachgeholt werden. Eine große Gruppe von jung bis alt machte sich mit Erzbischof Stefan Heße auf den vier Kilometer langen Emmausgang.

Erzbischof Stefan Heße beim Emmausgang in Bad Oldesloe (Erzbistum Hamburg)

DOMRADIO.DE: Das Haus Emmaus liegt nicht weit weg vom Kloster Nütschau und wird seit vielen Jahren für Kommunion- und Firmvorbereitungen und von Chören und Gruppen genutzt. Wie war das gestern, als nach so langer Zeit endlich wieder Begegnungen und die Feier möglich waren?

Erzbischof Stefan Heße beim Gottesdienst zum 40-jährigen Jubiläum im Haus Emmaus (Erzbistum Hamburg)
Erzbischof Stefan Heße beim Gottesdienst zum 40-jährigen Jubiläum im Haus Emmaus / ( Erzbistum Hamburg )

Stefan Heße (Erzbischof von Hamburg): Das war wie Ostern überhaupt dieses Jahr: nach zwei Jahren Abstinenz endlich mal wieder halbwegs normal. Ich bin froh, dass die Gottesdienste sehr gut gefüllt waren, dass viele wirklich innerlich mitgegangen sind. Das war gestern Nachmittag in Haus Emmaus und in Kloster Nütschau natürlich auch der Fall. Viele waren dabei und es war ein sehr freudiger Osterspaziergang, den wir dort machen konnten.

Stefan Heße (Erzbischof von Hamburg)

"Insofern war das wirklich so wie auf dem Weg nach Emmaus, wo die beiden Jünger sich auch alles von der Seele reden konnten und Jesus erst mal nur zugehört hat."

DOMRADIO.DE: Sie haben die Feierlichkeiten mit einem Gottesdienst eröffnet und danach war ein 4 Kilometer-Marsch der Emmausgang. Welche Gespräche haben sich dabei ergeben? Was hat die Leute beschäftigt?

Mosaik: Jesus mit zwei Jüngern auf dem Weg nach Emmaus  / © Renata Sedmakova  (shutterstock)
Mosaik: Jesus mit zwei Jüngern auf dem Weg nach Emmaus / © Renata Sedmakova ( shutterstock )

Heße: Alles und nichts, hätte ich beinahe gesagt; also querbeet. Eine ganz große Gruppe ist da gekommen, und zwar von Kindern bis zu einem 93-jährigen Herrn, der zwischendurch mal ein bisschen wackelig auf den Beinen war, aber tapfer bis zum Schluss durchgehalten hat.

Damit sind die Lebensthemen natürlich auch verschieden. Wenn der Bischof dabei ist, dann will man natürlich über das reden, was man immer schon mal loswerden wollte. Dann kommt der eine mit diesem und der andere mit jenem Anliegen. Insofern war das wirklich so wie auf dem Weg nach Emmaus, wo die beiden Jünger sich auch alles von der Seele reden konnten und Jesus erst einmal nur zugehört hat. Das ist vielleicht auch meine Aufgabe gestern gewesen.

DOMRADIO.DE: Wie wichtig sind solche Tage und solche Veranstaltungen aktuell für uns jetzt nach zwei Jahren Corona-Pandemie und jetzt auch noch mit dem Ukraine-Krieg in den Nachrichten?

Heße: Die Menschen sind froh, wenn sie sich begegnen können, wenn sie sich erleben können, wenn sie sich austauschen können. Das merkt man schon, wenn so etwas zwei Jahre nur sehr eingeschränkt oder gar nicht stattgefunden hat. Deswegen bin ich dankbar, dass die Pfarrei das gestern gemacht hat.

Viele sind ja noch am Tasten und überlegen sich, was sie machen können, was sie sollen, wie die Menschen mitgehen. Aber der Mensch ist nun mal auf Begegnung ausgelegt und der Mensch ist ein leibliches Wesen und deswegen braucht er auch Kontakte, die ziemlich konkret sein müssen. Wir sind nicht nur Geist und deswegen leben wir von solchen ganz konkreten Begegnungen, Festen, Feiern wie jetzt Ostern oder wie gestern dieser Spaziergang.

DOMRADIO.DE: Wie jetzt das gesamte Osterfest wurde wahrscheinlich auch das Jubiläum gestern vom Krieg in der Ukraine überschattet, zumindest in den Nachrichten. Sie sind ja auch der Flüchtlings-Bischof. Mit welcher Haltung sollten wir jetzt durch diese Zeit gehen? Was ist da Ihre Botschaft?

Selenskyj spricht von 2500 bis 3000 getöteten ukrainischen Soldaten

Im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sind nach Angaben aus Kiew bislang 2500 bis 3000 ukrainische Soldaten getötet worden. Das sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj laut Übersetzung dem US-Fernsehsender CNN in einem Interview, das am Freitag in ersten Auszügen verbreitet wurde. Selenskyj berichtete zudem von etwa 10 000 verletzten Soldaten auf ukrainischer Seite. Es sei schwer zu sagen, wie viele davon überleben werden.

Ukrainische Soldaten tragen, während einer Trauerfeier in der Kirche der heiligen Apostel Peter und Paul in Lwiw, den Sarg eines ukrainischen Kameraden. / © Bryan Smith/ZUMA Press Wire (dpa)

Heße: Das Erste ist, dass dieser unselige Krieg in der Ukraine endlich aufhört und Frieden einkehrt, dass die Waffen schweigen. Das Zweite ist, dass wir uns um die Menschen kümmern, die jetzt die Hilfe brauchen. Das machen ja viele schon sehr beispielhaft in der Ukraine selbst. Hilfslieferungen, Medikamente, Leute, die dort hingehen, Ärzte zum Beispiel, die sich verpflichten, dort zu helfen und vieles andere mehr. Aber eben auch Sorge für die Flüchtlinge, die hier ankommen.

Ich hatte jetzt an Ostern nach dem Hochamt eine Begegnung mit einer Frau, die aus der Stadt Lwiw geflohen und jetzt zu ihren Kindern nach Hamburg gekommen ist. Das ist schon bewegend, wenn man denen begegnet. Ich bin dankbar, dass wir hier viele Gemeinden haben, die ihre Wohnungen öffnen, ihre Pfarrheime, bestimmte Häuser und Räume, wo Menschen einfach ein Obdach finden und aufgenommen werden.

Wir haben eine aktive ukrainisch-katholische Gemeinde in Hamburg, die wirklich beispielhaft hilft und für ihre Landsleute da ist. Das ist jetzt hier angesagt. Das sind – glaube ich – die beiden wichtigsten Stoßrichtungen, die wir jetzt verfolgen sollten, um diesem entsetzlichen Kapitel ein gutes Ende zu bereiten.

Das Interview führte Florian Helbig.

Quelle:
DR
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