Warum brauchen wir einen Ostermontag?

"Dem Tod ins Gesicht lachen"

Ostermontag ist der zweite Feiertag des höchsten christlichsten Fests. Aber warum gibt es ihn eigentlich? Und was bedeuten Begriffe wie Emmausgang und Osterlachen? Der Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti klärt auf.

Ostereiersuche / © Jörg Loeffke (KNA)
Ostereiersuche / © Jörg Loeffke ( KNA )

DOMRADIO.DE:  Was bedeutet der zweite Feiertag, der Ostermontag?

Prof. Manfred Becker-Huberti (Theologe und Brauchtumsexperte): Ostern wurde ganz früher sogar eine ganze Woche gefeiert, um den höchsten Festtag der Christen zu würdigen. Im 8. Jahrhundert hat man die Feiertage noch einmal neu festgelegt. Danach waren es immer noch mindestens drei Tage für jedes hohe Fest. Also für Ostern, Weihnachten und Pfingsten. Erst in der Zeit der Säkularisation um 1800 hat man diese Feiertage auf zwei verkürzt, was weltweit gesehen aber die Ausnahme ist. In den meisten Gegenden wird Ostern nur an einem Tag gefeiert. 

DOMRADIO.DE: Welche regionalen Bräuche gibt es zum Ostermontag?

Becker-Huberti: Zu Ostermontag gehört ein Brauch, der bei uns völlig unbekannt ist, aber in der Alpenregion, also in Österreich, wieder lebendig wird: das sogenannte Osterlachen. Der schöne lateinische Name heißt Rhisus Paschalis. Dazu gehörte, dass der Priester auf die Kanzel stieg und in seiner Predigt einen Witz einbaute, damit die ganze Gemeinde schallend lacht. Das ist bestimmten Leuten natürlich etwas auf den Keks gegangen. Deshalb hat die Reformation und zum Teil auch die kirchliche Aufsicht diesen Brauch zu verdrängen versucht.

Aber der Hintergrund ist ein österlicher, nämlich den Tod auszulachen. Der Tod, der sein Spiel dadurch verloren hat, dass Jesus Christus auferstanden ist. Dem Tod ins Gesicht zu lachen heißt nicht, ihn nicht mehr zu erleben. Aber es ist gut zu wissen, dass man den Tod überleben kann, um das Leben nach dem Tod zu finden. Das ist der Gedanke des Rhisus Pauschalis. Und deshalb glaube ich, ist er es wert, ihn vielleicht auch an der ein oder anderen Stelle wieder zu praktizieren.

Ein weiterer Brauch an Ostermontag, der auch in Goethes "Faust II" vorkommt, ist der Osterspaziergang. Der imitiert im weltlichen Bereich das, was im religiösen Bereich der Emmausgang ist. In Erinnerung an die beiden Jünger, die frustriert von Jerusalem nach Hause ziehen, nach Emmaus. Und dann von einem Mitwanderer erfahren, was eigentlich wirklich in Jerusalem passiert ist. Jesus gesellt sich eben zu ihnen. Und das vollziehen die Menschen nach. Dazu gehört mehreres. Erstens: Es ist keine Prozession, sondern man geht locker nebeneinander. Man meditiert vor sich hin. Das Ziel ist in der Regel eine Kapelle oder auch ein Kreuz. Irgendetwas, was mit einer gewissen Frömmigkeit verbunden ist. Allerdings sollte auch ein Café nicht allzu weit entfernt sein. Denn anschließend muss man ja nicht nur der Seele etwas Gutes tun, sondern seinem Leib auch. Denn als anständiger Katholik weiß man: Leib und Seele müssen zusammengehalten werden.

Und es gehört noch etwas hinzu. Man ist an diesem Tag völlig neu eingekleidet. Das heißt, man hat einen neuen Anzug an oder einen neuen Rock. Entsprechend der Ansage im Neuen Testament, wonach man eine neue Rüstung anlegen soll. Das heißt, man ist neu gewappnet. Der auferstandene Christus gibt einem Kraft, dieser Welt zu widerstehen. Und das zeigt man durch neue Kleider.

Das Gespräch führte Julia Reck.

 

Prof. Dr. Manfred Becker-Huberti / © privat (DR)
Prof. Dr. Manfred Becker-Huberti / © privat ( DR )
Quelle:
DR