Modi lädt Papst Franziskus ein

Erste Reaktionen in Indien

In Indien sind die ersten Reaktionen auf eine mögliche Papstvisite unterschiedlich ausgefallen. Premierminister Modi hatte am Samstag nach einer Audienz über Twitter mitgeteilt, er habe den Papst zu einem Besuch eingeladen.

Papst Franziskus verlässt ein Flugzeug / © Paul Haring (KNA)
Papst Franziskus verlässt ein Flugzeug / © Paul Haring ( KNA )

Indiens Bischöfe hatten Franziskus bereits vor längerer Zeit gebeten, Gast auf dem Subkontinent zu sein. Laut Vatikanangaben traf Modi auch kurz mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und dem Außenbeauftragten Erzbischof Paul Gallagher zusammen.

Beobachtern zufolge dürfte es dabei auch um die Lage der Christen in Indien gegangen sein. Die hindu-nationalistische Politik von Modis "Indischer Volkspartei" (BJP) führt seit seinem Amtsantritt 2014 zu Diskriminierungen, Verfolgung und Gewalt für Indiens Muslime und Christen.

"Werden die Hindus den Papst in Indien dulden?

Während der indische TV-Sender WION das Treffen zwischen Modi und dem Oberhaupt der katholischen Kirche "historisch" nannte, meldeten die anderen großen indischen Medien die Einladung lediglich in nüchterner Nachrichtensprache. In den Sozialen Medien schwankten erste Kommentare von Christen zwischen Freude und Angst. "Vielen Dank Modi für den Besuch bei unserem Heiligen Vater", schrieb ein D'Silva Dominic auf Facebook.

In einem Kommentar des indischen Nachrichtenportals Telegraph äußerte ein Ashoo Kumar Chaku die Befürchtung, dass "jetzt Christen zum Ziel (von Hindunationalisten) werden". Ein Amrik Singh fragte auf der gleichen Webseite mit Blick auf die wachsende religiöse Intoleranz radikaler Hindus: "Werden die Hindus den Papst in Indien dulden? Muslime können nicht einmal mehr in der Öffentlichkeit beten."

Christen sind Minderheit in Indien

Eine Stellungnahme der Bischofskonferenz Indiens liegt bisher nicht vor. Der Generalsekretär der All India Catholic Union, John Dayal, stellte in seinem Facebook-Post die Plakette mit dem Vers aus dem Buch Jesaja in den Mittelpunkt, die der Papst seinem indischen Gast als Geschenk überreicht hatte. In dem alttestamentlichen Buch wird die Erwartung eines kommenden Friedensreiches formuliert, das von einem gerechten König regiert wird.

Kurz vor Modis Besuch im Vatikan hatten zwei katholische Erzbischöfe in Indien von den Bundes- und Landesregierungen Maßnahmen gegen die Gewalt der Hindunationalisten gefordert. Christen machen 2,3 Prozent der 1,3 Milliarden überwiegend hinduistischen Einwohner Indiens aus.

Laut einem vor zehn Tagen veröffentlichter Untersuchungsbericht sind Christen in 21 der 28 indischen Bundesstaaten der Verfolgung ausgesetzt. Verantwortlich seien vor allem Hindunationalisten, so die Bürgerrechtsorganisationen "Association for the Protection of Civil Rights" (APCR) und "United Against Hate and United Christian Forum" (UCF) als Autoren des Reports. Die meisten dieser Staaten würden von BJP regiert.


Narendra Modi, Premierminister von Indien, überreicht Papst Franziskus ein Buch zur Klimastrategie Indiens / © Vatican Media (dpa)
Narendra Modi, Premierminister von Indien, überreicht Papst Franziskus ein Buch zur Klimastrategie Indiens / © Vatican Media ( dpa )
Quelle:
KNA
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