Ergebnis der Volkszählung in Tschechien lässt Kirchen hoffen

"Religion ist den Menschen nicht mehr gleichgültig"

Nach der Slowakei hat jetzt auch Tschechien die Ergebnisse der Volkszählung des Jahres 2021 vorgestellt. Bei einer Gesamtbevölkerung von 10,5 Millionen Menschen bekannten sich 13,1 Prozent zu einer Kirche oder Religionsgemeinschaft.

Tschechien auf der Europakarte. / © andriano.cz (shutterstock)
Tschechien auf der Europakarte. / © andriano.cz ( shutterstock )

9,1 Prozent bezeichneten sich als gläubig, ohne sich einer Glaubensgemeinschaft zuzurechnen, wie die Wiener Presseagentur kathpress am Samstag berichtete. Die Volkszählung wurde erstmals elektronisch durchgeführt. 

Den Angaben zufolge gaben weitere 47,8 Prozent an, ungläubig zu sein; 30,1 Prozent machten keine Angaben. Zur katholischen Kirche bekannten sich 741.000 Menschen. Die Frage nach der Glaubenszugehörigkeit war wie schon bei der Volkszählung von 2011 freiwillig zu beantworten.

Katholische Kirche in Tschechien

Das Trauma der Tschechen mit der katholischen Kirche begann im Mittelalter mit der Verbrennung des "Ketzers" Johann Hus in Konstanz, weswegen sich dann eine eigene "Kirche", die tschechischen Hussiten, bildete. Seitdem hat die "tschechische Seele" ein spürbar angespanntes Verhältnis gegenüber der katholischen Kirche - im Gegensatz zu den großen Volkskirchen in der Slowakei und Polen.

Tschechien auf der Europakarte. / © andriano.cz (shutterstock)

Zahl gläubiger Menschen steigt wieder

Tomas Havlicek, Religionsgeograf an der Prager Karlsuniversität, deutete die Ergebnisse positiv. Der Trend zu einer wachsenden Säkularisierung in der tschechischen Gesellschaft sei zum Stillstand gekommen, und erstmals seit der Samtenen Revolution von 1989 habe sich in Dekaden betrachtet die Anzahl der Menschen, die sich als gläubig bezeichnen, nicht vermindert, sondern sei von 20 Prozent (2,16 Millionen) im Jahr 2011 auf 22 Prozent (2,33 Millionen) angestiegen.

Der Vorsitzende der Tschechischen Bischofskonferenz, der Olmützer Erzbischof Jan Graubner, erklärte, für die Kirche sei das Ergebnis "nicht nur ein Aufruf zu einer besseren Verkündigung des Evangeliums, sondern auch zum Aufbau tieferer Beziehungen, die eine menschliche Gemeinschaft bilden und zum religiösen Glauben befähigen". Michal Opatrny von der Südböhmischen Universität in Budweis (Ceske Budejovice) sprach von einer "positiven Nachricht, dass die Religion den Menschen nicht mehr gleichgültig ist".

Kritik an Durchführung und Ergebnissen der Volkszählung

Zwar nahm die Gesamtzahl der Tschechen, die sich zu einer Kirche oder religiösen Richtung bekannten, in der vergangenen Dekade um rund 90.000 ab. Die Anzahl jener, die sich als gläubig ohne Kirchenbindung bezeichneten, nahm jedoch um etwa 250.000 zu. Kritiker weisen allerdings darauf hin, dass die Zahlen mit Vorsicht zu genießen sind, was unter anderem an der Art der Befragung liege.

Wie unzuverlässig die Ergebnisse der jüngsten Volkszählung sind, erweist sich laut Beobachtern beispielsweise an den Zahlen der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder, der größten Kirche der Reformation in der Tschechischen Republik. Im Jahr 1991 erklärten sich 203.006 für zugehörig, 2011 noch 51.858, nunmehr aber nur 32.577. In ihrer eigenen Kartei führt die Kirche jedoch 64.010 Mitglieder aller Alterskategorien und 28.111 als solche mit Stimmrecht.

Noch dramatischer erscheint die Entwicklung der Tschechoslowakischen Hussitischen Kirche, der sich 1991 exakt 178.036 und 2011 noch 39.229 Tschechen zurechneten, jetzt nur mehr auf 23.610. Tschechien gehört zu den am stärksten säkularisierten Ländern in Europa.

Quelle:
KNA