Prager Bischof Maly kritisiert Regierung

"Tschechien vernachlässigt Menschenrechte"

Der Prager Weihbischof Vaclav Maly sieht die Menschenrechte in seinem Land stark vernachlässigt. "Tschechische Politiker haben vergessen, dieser Problematik ihre Aufmerksamkeit zu schenken", sagte er im Interview mit Radio Prag.

Katholische Kirche in Tschechien / © Michael Merten (KNA)
Katholische Kirche in Tschechien / © Michael Merten ( KNA )

"Das ist nicht gut", so der katholische Bischof und Weggefährte des tschechischen Bürgerrechtlers und Präsidenten Vaclav Havel (1936-2011). Das Vermächtnis des vor zehn Jahren gestorbenen Havel sei ja, "dass die Menschenrechtsfrage auch zur hohen Politik gehört", so der 71-Jährige, der für seinen Einsatz für Menschenrechte kürzlich die höchste französische Staatsauszeichnung, den Orden der Ehrenlegion, erhalten hatte.

Weiter prangerte Maly ein wachsendes Misstrauen der Tschechen gegenüber der Europäischen Union an. "Sie wird öffentlich kritisiert, dabei ist die einzige Chance für unsere Gesellschaft und unseren Staat, ein Teil der EU zu sein und die gegenseitigen Verbindungen innerhalb der Union zu vertiefen", so der frühere Regimegegner

Auch verliere die Gesellschaft die Fähigkeit zu diskutieren. "Leider herrscht die schlechte Überzeugung vor, dass derjenige automatisch ein Feind ist, der anders denkt. Die Diskussion fehlt", sagte der Bischof. "Ich finde, dass unsere Gesellschaft derzeit krank ist", so Maly. "Ich möchte dabei betonen, dass dies keine Tragödie ist. Aber trotzdem muss es geändert werden."

Nicht nur Wirtschaft, auch Werte

An die Politiker appellierte er, nicht nur "über die wirtschaftliche Lage, sondern auch über die Werte und über die Lage in der Welt" zu sprechen. Hier seien auch die Medien gefordert: "Wir brauchen gute Kommentare und gut zusammengestellte Nachrichten - damit nicht nur nach Schlagzeilen darüber geurteilt wird, was gut und was schlecht ist."

Stattdessen finde eine "Boulevardisierung" in Teilen der Medien statt. "Häufig wird nach Sensationen gesucht. So werden beispielsweise die Aufgaben der EU und ihre Strukturen nicht ausreichend erklärt. In diesem Bereich muss vieles nachgeholt werden."

Er selbst mache bei seinen vielen Begegnungen meist gute Erfahrungen. "Man muss mit den Menschen sprechen, ihnen die Dinge erklären, aber dabei bescheiden bleiben", sagte Maly. "Man darf nicht moralisieren, sondern muss sie ermutigen. Dank meinen Erfahrungen bin ich in dieser Hinsicht kein Pessimist."

Maly, einer der bekanntesten tschechischen Dissidenten, bekam als Priester Berufsverbot, 1979 saß er im kommunistischen Gefängnis. Anfang der 80er Jahre war er Sprecher der Charta 77. Während der Samtenen Revolution im Herbst 1989 mit den großen Demonstrationen standen er und Vaclav Havel meist gemeinsam auf dem Podium.

Prager Weihbischof Vaclav Maly (KNA)
Prager Weihbischof Vaclav Maly / ( KNA )
Quelle:
KNA
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