Einweihung von ägyptischer Märtyrer-Kirche

"Ein gutes und wichtiges Symbol"

An diesem Donnerstag wird in Ägypten eine Kirche eingeweiht, die jenen Christen gewidmet ist, die 2015 von "IS"-Terroristen ermordet wurden. Monsignore Joachim Schroedel, Pfarrer in Ägypten, begrüßt diesen symbolischen Schritt.

Monsignore Joachim Schroedel (Bistum Mainz)

DOMRADIO.DE: Die Opfer wurden in Libyen ermordet. Die Kirche steht allerdings in Ägypten, genauer gesagt bei Samalut in der Provinz Minya. Wieso genau hier?

Monsignore Joachim Schroedel (Pfarrer in der deutschsprachigen Katholischen Gemeinde in Kairo): Die meisten kommen genau aus dieser Ecke, sogar aus dem Dorf. 13 von den 21 Ermordeten sind dort zu Hause gewesen und die restlichen eigentlich recht nahe im Umfeld. Man ist damals als Gruppe rausgegangen, um als Gastarbeiter in Libyen tätig zu sein. Als Gruppe hofft man eben auch, zusammen zu bleiben im anderen Leben. Die Kirche ist sehr wichtig für die Christenheit hier im Lande, weil es ein Signal setzt 'Wir sind bei Euch'. Der Staat versucht, damit zu signalisieren, 'Wir gehören zueinander'. Muslime und Christen sollen miteinander das Leben anpacken.

DOMRADIO.DE: Nach der Zeit der Muslimbrüderschaft sind die meisten Kopten froh über Staatspräsident Abdel Fattah al-Sisi. Er soll auch den Bau der Kirche finanziert haben. Welche Bedeutung hat damit der Bau dieser Kirche?

Schroedel: Beim ersten Teil Ihrer Aussage würde ich ein bisschen vorsichtiger sein. Man kann einfach nicht sagen, dass die Kopten froh über al-Sisi sind. Man kann darüber eigentlich überhaupt nicht froh sein, weil derzeit noch viele Dinge völlig unklar sind und es eigentlich schwieriger geworden ist. In den letzten 13 Monaten sind 24 Kirchen attackiert worden, davon redet keiner. Und es sind 3.700 Kirchen ohne Bauerlaubnis errichtet worden - also der Apparat hier ist sehr schwerfällig. Natürlich erinnern sie sich an die Einweihung der großen Kirche zum koptischen Weihnachten, das war schon ein Ereignis. Jetzt wieder diese Kirche - also der Staat tut alles dran, wie man bei uns sagen würde, um Imagepflege zu betreiben. Aber es fehlt noch sehr viel. Die armen Kopten, die kriegen davon natürlich gar nichts mit. Genauso wenig wie die armen Muslime, sie sehr unter der derzeitigen wirtschaftlichen und finanziellen Situation leiden.

DOMRADIO.DE: Sie selbst werden bei der Einweihung nicht dabei sein können, wissen aber, was geplant ist. Und es wird ordentlich Imagepflege betrieben werden, oder?

Schroedel: Ja durchaus. Ich weiß natürlich nicht, ob der Staatspräsident selbst dabei sein wird in Mittelägypten. Präsident al-Sisi hat in den letzten vier Jahren alles dran getan, um wirklich immer zu zeigen 'Wir wollen miteinander sein'. Das ist natürlich Imagepflege nach außen, in die Welt hinein. Viele Kopten sind auch glücklich darüber, dass er wenigstens diese Imagepflege betreibt und dass er sagt, wir wollen das. Aber es fehlt noch viel. Laut ägyptischer Medien ist noch geplant, dass just diese 13, deren Leichname in Libyen gefunden worden sind, überführt werden sollten in diese Kirche. Das wäre natürlich ein ganz großes und starkes Signal: Die Reliquien der Märtyrer, denn um solche handelt es sich jetzt erklärterweise durch den Papst - gleich wenige Wochen nach dem Tod hat er das verkündet - die Märtyrer finden ein Heim in einer Kirche. 13 ganz erhaltene Leichname von Zeugen, die ihr Leben für Christus gegeben haben.

DOMRADIO.DE: Nun werden ja oft Feiertage für Anschläge ausgesucht. Und diese Einweihung, die den Märtyrern und Opfern gewidmet ist, setzt ein deutliches Zeichen. Gibt es denn Sorge vor einem erneuten Anschlag?

Schroedel: Die Anschlagsbedrohung ist eigentlich stets da. Zu Weihnachten wurden in Ägypten an allen Kirchen etwa 230.000 Sicherheitsbeamte eingesetzt. Das stelle man sich mal vor. Da ist eine latente Bedrohung. Andererseits ist zu Weihnachten Gott sei Dank in keiner Kirche etwas Größeres passiert, sodass man sicherlich davon ausgehen kann, dass auch da nichts Dramatisches passieren wird. Wichtiger ist eben, dass die Christen selber sagen, unsere 21 Märtyrer haben jetzt ein eigenes Monument, eine eigene Kirche. Ich denke, es ist wirklich ein gutes und wichtiges Symbol. Aus dem Blut der Märtyrer entstehen auch wieder neue Christen. Die Christen, die bei uns leben, sind keine Drückeberger, sondern sie sagen, 'Wir sind die Kirche des Kreuzes'. Das Martyrium gehört dazu. Man kann sich davon eine Scheibe abschneiden, auch als Westchrist.

Das Interview führte Tobias Fricke.

Quelle:
DR
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