EKD-Ratsvorsitzender Bedford-Strohm reist nach Ägypten

Kopten zwischen al-Sisi und IS

Ägyptens Präsident al-Sisi fährt derzeit eine christenfreundliche Politik. Dennoch wird die christliche Minderheit der Kopten weiter diskriminiert und bedroht. Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm ist ab heute zu Besuch in dem Land.

Kirchenkreuz neben einer Moschee in Ägypten / © Friedrich Stark (epd)
Kirchenkreuz neben einer Moschee in Ägypten / © Friedrich Stark ( epd )

Ägyptens Staatsoberhaupt Abdel Fattah al-Sisi geht seit seiner Wahl zum Präsidenten 2014 auf die Kopten zu. Es ist die größte christliche Gemeinschaft im Nahen Osten. Wenn der koptische Papst Tawadros II. sich in freundschaftlicher Begegnung mit al-Sisi fotografieren lässt, ist dies ein Symbol für die verbesserten Beziehungen zwischen Kirche und Staatsoberhaupt. An den Grundproblemen der christlichen Minderheit hat sich nach Beobachtungen von Menschenrechtlern aber wenig geändert.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, reist an diesem Freitag zu einem Besuch in das Land am Nil. Dabei will er auch mit Papst Tawadros II. zusammentreffen. Anlass der Reise ist die Reformationsjubiläumsfeier der evangelischen Christen in Kairo.

"Christenfreund" al-Sisi

Der einstige General al-Sisi gilt als Christenfreund. Seit seinem Amtsantritt 2014 besucht er jedes Jahr den Weihnachtsgottesdienst der Kopten. Das hat vor ihm noch kein Präsident getan.

Al-Sisi hat sich auch für ein Gesetz stark gemacht, das den Bau von Kirchen nach klaren Kriterien regelt. Das Gesetz hat Schwächen - aber immerhin hängt der Kirchenbau nun nicht mehr allein von der Willkür der regionalen Machthaber ab. Sisi hat außerdem bestimmt, dass der Staat in jeder neuen Stadt, von denen angesichts der Bevölkerungsexplosion in naher Zukunft einige in die Wüste gebaut werden müssen, Bauplätze nicht nur für Moscheen, sondern auch für Kirchen zur Verfügung stellt.

Schweigen zu Menschenrechtsverletzungen

Schließlich verfügte al-Sisi, dass von islamistischen Gruppen zerstörte Kirchen auf Staatskosten wieder aufgebaut werden. So christenfreundlich war schon lange kein Herrscher mehr am Nil. Kein Wunder also, dass Tawadros immer wieder betont, dass Sisi derzeit der richtige Mann an der Spitze des Staates sei.

Doch dafür erhält das koptische Kirchenoberhaupt auch viel Kritik. Viele im In- und Ausland meinen, in der Staatstreue des koptischen Papstes einen vergleichbaren Schulterschluss zu erkennen wie bei den syrischen Christen mit Präsident Baschar al-Assad oder gar seinerzeit bei den irakischen Christen mit Saddam Hussein: Man schweigt zu Menschenrechtsverletzungen und wird dafür vom Machthaber in Ruhe gelassen.

Facebook-Post reicht oft aus

Auch in Ägypten erhofft sich die christliche Minderheit den Schutz des Machthabers gegenüber radikalen Kräften in der Gesellschaft. Al-Sisi ist aber dafür bekannt, dass er der politischen Opposition so gut wie alle Spielräume nimmt. Die Gefängnisse Ägyptens sind voll mit politischen Gefangenen. Ein kritischer Facebook-Post reicht heute schon, um sich beim Regime unbeliebt zu machen.

Hoffnungen, Papst Tawadros könnte die Rolle der politischen Opposition übernehmen, dem Präsidenten Paroli bieten und auf die Einhaltung der Menschenrechte pochen, werden sich wohl kaum erfüllen. Denn das koptische Kirchenoberhaupt versteht sich nicht als Parteivorsitzender. Er vertritt zudem eine Minderheit, deren Angehörige in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder die Erfahrung machen mussten, dass sie aufgrund ihres Glaubens in den Augen mancher radikaler Gruppen weniger wert sind als die muslimische Mehrheit.

Christen als Bürger zweiter Klasse

Seit den 80er Jahren haben die Übergriffe auf Christen in Ägypten zugenommen. Sie reichen von Mobbing christlicher Schüler bis zu Brandsätzen gegen christliche Wohnhäuser, Kirchen oder Klöster. In einigen Dörfern in Oberägypten wurde sogar das islamische System der Schutzsteuer wieder eingeführt. Christen mussten Geld dafür zahlen, dass man sie in Ruhe lässt oder vor Übergriffen schützt. Das machte die Christen de facto zu Bürgern zweiter Klasse.

Mittlerweile hat die Terrororganisation "Islamischer Staat" die ägyptischen Christen als Zielscheibe auserkoren. Im Februar 2015 enthaupteten IS-Schergen 21 koptische Gastarbeiter in Libyen. Im Dezember 2016 wurden bei einem Bombenattentat in einer Nebenkirche der Markuskathedrale in Kairo 25 Menschen getötet. Anfang 2017 enthauptete der IS in Städten auf dem Sinai Kopten in ihren Wohnungen und löste so eine Massenflucht der koptischen Bevölkerung in andere Landesteile aus. Am Palmsonntag explodierten zwei Sprengsätze in einer Kirche in Tanta und in der Markuskathedrale in Alexandria. 44 Menschen kamen dabei ums Leben.

Ende Mai schließlich entführten IS-Anhänger zwei koptische Pilgerbusse in Oberägypten und erschossen 26 Insassen. Vor diesem Hintergrund darf es nicht verwundern, dass die meisten koptischen Christen Präsident al-Sisi 2018 voraussichtlich wieder ihre Stimme geben werden, wenn er sich um eine zweite Amtszeit bewirbt.

Heinrich Bedford-Strohm / © Wolfgang Kumm (dpa)
Heinrich Bedford-Strohm / © Wolfgang Kumm ( dpa )
Autor/in:
Katja Dorothea Buck
Quelle:
epd
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