Vatikan beteiligt sich mit Video an Corona-Impfkampagne

"Ein Akt der Liebe"

Für ein gemeinnütziges Unternehmen in den USA hat der Papst einen Impf-Werbespot aufgenommen. Nun wird der Appell von Sendern in aller Welt ausgestrahlt. PR-Experten sind begeistert.

Philippinen: Ein Aufsteller aus Pappe von Papst Franziskus steht in einer Kirche, in der Menschen auf ihre Impfung gegen das Coronavirus warten / © Aaron Favila (dpa)
Philippinen: Ein Aufsteller aus Pappe von Papst Franziskus steht in einer Kirche, in der Menschen auf ihre Impfung gegen das Coronavirus warten / © Aaron Favila ( dpa )

Mit einer gehörigen Portion Pathos ruft Papst Franziskus Menschen in aller Welt auf, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen. Die Immunisierung mit den behördlich zugelassenen Präparaten sei "ein Akt der Liebe", sagt das katholische Kirchenoberhaupt in einem kürzlich veröffentlichten Werbeclip. "Für sich selbst, die Familie, Freunde sowie für alle Völker."

Impfstoffe sind "Gnade Gottes"

Nur wenn sich jeder Einzelne beteilige, gebe es Hoffnung auf ein Ende der Pandemie, betont der 84-Jährige. Die Vakzine gegen das Coronavirus seien eine "Gnade Gottes". Sie böten die Chance, auf denkbar einfache Weise zum Gemeinwohl beizutragen - und besonders die Schwächsten zu schützen. Darum müssten sie schnellstmöglich für alle Menschen zugänglich gemacht werden.

Außer Papst weitere Kardinale zu sehen

Die eindringlichen Worte sind Teil einer 60 Millionen Dollar teuren Kampagne der US-amerikanischen Werbeagentur Ad Council. Das Non-Profit-Unternehmen mit Sitz in New York lässt in dem Video neben dem Papst sechs Kardinäle und Erzbischöfe zu Wort kommen. Der Vorsitzende der US-Bischofskonferenz, Jose Gomez, zählt ebenso dazu wie der Präsident des Lateinamerikanischen Bischofsrates CELAM, Miguel Cabrejos. Auch die Kardinäle Oscar Maradiaga (Honduras), Claudio Hummes (Brasilien), Carlos Aguiar (Mexiko) und Gregorio Chavez (El Salvador) werben fürs Impfen.

Weltweite Austrahlung

Der Clip wird seit einer Woche - auf Spanisch, Englisch und Portugiesisch - von Sendern in aller Welt ausgestrahlt. Schwerpunkt ist der amerikanische Kontinent. In das Projekt involviert sind die reichweitenstarken Netzwerke Telemundo, NBC und WarnerMedia. Hinzu kommen die Internet-Giganten Google und Facebook mit all ihren Plattformen. Das Motto der Aktion lautet "It's up to you" (Es liegt an dir).

"Wir haben immer wieder gesagt, dass der Überbringer der Botschaft wichtiger sein kann als die Botschaft selbst", erläutert Ad-Council-Chefin Lisa Sherman ihre Werbestrategie. Mehr als 1.000 "vertrauenswürdige Influencer" habe man bereits für die Impfkampagne gewinnen können. Mitglieder der illustren Gruppe sind unter anderen die Ex-Präsidenten Barack Obama und George W. Bush, die Rockband Foreigner, Schauspielerin Eva Longoria - und nun auch der Nachfolger Petri.

Dienst an der Gesellschaft

Mögliche Risiken oder Nebenwirkungen lassen die "Impfluencer" bei ihren Appellen geflissentlich unerwähnt. Stattdessen wird in dem Papst-Spot eine "bessere Zukunft" in Aussicht gestellt, die dank der zuverlässig schützenden Impfstoffe in greifbare Nähe gerückt sei. Was fehle, sei eben nur noch diese eine kleine Geste "persönlicher Nächstenliebe", mit der man ganze Gesellschaften zum Positiven verändern könne.

Eine solche Liebe habe außerdem eine soziale und politische Dimension. "Sie ist universell", sagt Franziskus, der die Botschaft am Schreibtisch sitzend mit Brille auf der Nase in die Kamera spricht. Er bete zu Gott, dass jeder seinen eigenen Teil beitragen möge.

Hohe Wirksamkeit

PR-Expertin Sherman lobt den Auftritt und geht von einer hohen Wirksamkeit in der Zielgruppe aus. Der Einfluss des Papstes auf die weltweit mehr als eine Milliarde Katholiken sei "unvergleichlich", schwärmt sie. Zusammen mit den sekundierenden Erzbischöfen und Kardinälen werde man in diesem Milieu das Vertrauen in die Impfstoffe stärken.

"Hauch göttlicher Autorität"

Heidi A. Campbell, Kommunikationswissenschaftlerin an der Texas A&M University, ist von der Effektivität der Strategie ebenfalls überzeugt. Geistliche sprächen "mit einem Hauch göttlicher Autorität", sagte die Forscherin der "New York Times". Egal ob es sich um Wahlen, soziale Bewegungen oder Impfungen handele - "man ist eher geneigt, ihnen zuzuhören". Dies sei bei gewöhnlichen Experten oder Nachrichtenkommentatoren nicht der Fall.

Den beschriebenen Effekt wollen sich nicht zuletzt die Geldgeber der gemeinnützigen Ad-Council-Kampagne zunutze machen. Unter ihnen sind etwa die US-Großbanken JP Morgan Chase, Wells Fargo, Bank of America und die Citigroup, die allesamt auf eine weitere Öffnung der Wirtschaft setzen. Eine hohe Impfbereitschaft in der Bevölkerung ist dabei freilich von zentraler Bedeutung.

Autor/in:
Von Alexander Pitz
Quelle:
KNA
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