Der ehemalige Vorgesetzte von Papst Leo XIV., Bischof Daniel Turley (82), ist der Auffassung, dass dieser es schaffen werde, die verschiedenen Gruppen innerhalb der Kirche zu einer einzigen Mission zu versammeln. Das betonte der emeritierte Bischof von Chulucanas in Peru in einem Interview mit der katholischen Wochenzeitung "Die Tagespost" am Donnerstag. Grund dafür ist ihm zufolge die geistliche Ausgewogenheit des Papstes.
Turley erklärte, es sei wichtig, ein Gleichgewicht zu finden. Das gelinge dem neuen Papst gut: "Papst Leo liebt die Eucharistie und die Sakramente, er widmet sich der Kontemplation und dem Gebet, er hat eine große Verehrung für Maria, er liebt das Gemeinschaftsleben und die Lectio Divina, und er kümmert sich um die Armen und Schwachen."
Arme Menschen und Migranten seien ihm ein Herzensanliegen, so Turley weiter. Schon der junge Robert Prevost sei "sehr besorgt um die sozialen Aspekte der kirchlichen Lehre" gewesen. "Man merkt, dass ihm all das immer noch wichtig ist", sagte er. Dazu müsse man sich nur das päpstliche Dokument "Dilexi te" über die Liebe zu den Armen ansehen.
"Mit großer Liebe und Energie"
Prevosts vielseitiges Talent und Interesse habe sich bereits in den 1980er Jahren gezeigt. Damals habe der promovierte Kirchenrechtler junge Augustiner und Diözesanpriester in Kirchenrecht, Moraltheologie und Patristik unterrichtet, "da er über großes Wissen und eine große Liebe für die Kirchenväter verfügte".
Persönlich hat der Bischof den damals als "Pater Bob" bekannten Robert Prevost als umgänglich und zuverlässig erlebt. Mit ihm könne man sehr gut zusammenleben und zusammenarbeiten, so Turley. "Wenn man ihm etwas gab oder ihn um etwas bat, wusste man, dass es erledigt werden würde. Wenn er Ja sagte, wusste man, dass es gut gemacht werden würde, denn er ist seit seiner Jugend ein sehr verantwortungsbewusster Mensch."
Turley, der sich selbst in Peru lange als Umweltschützer und Vermittler während der Aufstände der einheimischen Bevölkerung gegen Bergbauprojekte engagierte hatte, berichtet, Prevost habe sich in Peru nach schweren Überschwemmungen "mit großer Liebe und Energie" für den Aufbau, die Unterstützung der notleidenden Menschen und die Überwindung der Krise eingesetzt.