Papst Leo bekennt sich zum Zweiten Vatikanischen Konzil

"Leitstern" für die katholische Kirche

Von 1962 bis 1965 tagte in Rom das Zweite Vatikanische Konzil. Mit ihm begann die Öffnung der katholischen Kirche zur modernen Welt. Papst Leo XIV. schätzt die Dokumente sehr und möchte an ihre Inhalte anknüpfen.

Papst Leo XIV. bei einer Sonderaudienz im Zuge der Heilig-Jahr-Feiern am 20. Dezember 2025 auf dem Petersplatz im Vatikan. / © Romano Siciliani (KNA)
Papst Leo XIV. bei einer Sonderaudienz im Zuge der Heilig-Jahr-Feiern am 20. Dezember 2025 auf dem Petersplatz im Vatikan. / © Romano Siciliani ( KNA )

Papst Leo XIV. hat sich vor Beginn einer großen Kardinalsversammlung in Rom zu den Beschlüssen des letzten katholischen Reformkonzils bekannt. Bei der Generalaudienz für Pilger aus aller Welt sagte er am Mittwochmorgen im Vatikan, die Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) seien weiterhin ein "Leitstern" für die katholische Kirche. 

Er kündigte an, die Texte in den kommenden Wochen und Monaten ins Zentrum seiner theologischen Auslegungen bei den Generalaudienzen zu stellen. Es gehe darum, die Bedeutung dieses wichtigen Ereignisses in der Kirchengeschichte neu zu entdecken.

Die Generation der teilnehmenden Bischöfe und Theologen sei heute nicht mehr am Leben, gab der Papst zu bedenken. Umso wichtiger sei es, die prophetische Dimension des Konzils nicht auszulöschen und neue Wege für seine Umsetzung zu suchen. Dabei sei es wichtig, das Konzil nicht nur vom Hörensagen oder durch die Sichtweise späterer Interpretationen zu kennen, sondern seine Texte erneut zu lesen und über ihren Inhalt nachzudenken.

Bekenntnis zur Liturgiereform

Ausdrücklich bekannte sich der Papst zu der von Traditionalisten bis heute abgelehnten Liturgiereform. Das Konzil habe eine "wichtige liturgische Reform angestoßen, die das Heilsgeheimnis und die aktive und bewusste Teilnahme des gesamten Gottesvolkes ins Zentrum rückte".

Papst Leo XIV. hält ein Apostolisches Schreiben in den Händen aus Anlass des 60-jährigen Jubiläums der Konzils-Eklärung "Gravissimum educationis" / © Romano Siciliani (VM)
Papst Leo XIV. hält ein Apostolisches Schreiben in den Händen aus Anlass des 60-jährigen Jubiläums der Konzils-Eklärung "Gravissimum educationis" / © Romano Siciliani ( VM )

Ferner habe das Konzil der Kirche geholfen, sich zur Welt zu öffnen und die Herausforderungen der Moderne "im Dialog und gemeinsamer Verantwortung" anzunehmen. Sie suche die Wahrheit auf dem Weg der Ökumene und im Dialog mit anderen Religionen und mit allen Menschen guten Willens. Dieser Geist müsse auch die seelsorgerischen Bemühungen der Kirche prägen.

"Wir müssen die Kirchenreform im Geist des Dienens noch mehr verwirklichen", so der Papst in seiner nachdrücklich vorgetragenen Ansprache, die er wenige Stunden vor Beginn eines Gipfeltreffens mit den Kardinälen der Weltkirche hielt. Bei diesem zweitägigen "außerordentlichen Konsistorium" soll es um den künftigen Kurs der katholischen Kirche gehen.

Zweites Vatikanisches Konzil

Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) war die bislang letzte beschlussfassende Versammlung aller Bischöfe der katholischen Weltkirche. Insgesamt rund 2.800 Konzilsväter debattierten im Petersdom darüber, wie die Kirche ihre Botschaft unter den Bedingungen der modernen Welt und von weltanschaulichem Pluralismus verkünden kann. Weitere Themen waren eine Reform von Liturgie und Priesterausbildung, die Einheit der Christen und die Aussöhnung von Kirche und Judentum.

II. Vatikanisches Konzil vom 11. Oktober 1962 bis zum 8. Dezember 1965 / © N.N. (KNA)
II. Vatikanisches Konzil vom 11. Oktober 1962 bis zum 8. Dezember 1965 / © N.N. ( KNA )
Quelle:
KNA