Zum Abschluss – blauer Himmel und Sonnenschein. Und der neue Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz Heiner Wilmer wirft mit Wattebäuschen um sich. Das stellt ein Journalist auf der Abschlusspressekonferenz fest. Wenig konkret sei er gewesen, wirft er ihm vor. Er sei doch erst am Anfang, antwortet Wilmer, da könne er keine Regierungserklärung vorlegen. "Ich möchte vermitteln, Brücken bauen, Gräben zuschütten“, sagt er. Und genau deswegen ist er auch gewählt worden. Unter Journalisten nennt man ihn jetzt die deutsche Ausgabe von Papst Leo. Wilmer bezeichnet sich als "dynamisch treu“ gegenüber dem Vatikan. Rom habe ein großes Interesse, den Glauben transalpin zu verkünden, sagt er.
Vier Tage Bischofstreffen gehen zu Ende. Zeit also, Bilanz zu ziehen. Klar, da steht der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer im Mittelpunkt, denn er wurde für die kommenden sechs Jahre zum neuen Vorsitzenden gewählt. Werfen wir also einen Blick auf diesen Mann, der mit einer schillernden Biografie und viel Lebenserfahrung daherkommt. "Den ersten Gang einlegen, langsam anfahren, den Hanomag behutsam steuern“, wie einen Traktor wolle Bischof Heiner Wilmer die Bischofskonferenz führen, sagt er.
Wilmer ist auf einem Bauernhof im Emsland aufgewachsen, er ist ein katholischer Bischof, der Traktor fahren kann. Traktor – das Wort kommt aus dem Lateinischen und heißt "ziehen". Wie wird der neue Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz Heiner Wilmer als Zugmaschine die katholische Kirche in die Zukunft führen?
Welterfahren und bodenständig
Nun – vom Temperament ist er norddeutsch, er überlegt bevor er spricht, rollt das "r", macht auch mal eine Pause und antwortet dann knapp und konzentriert. Norddeutsche gehen mit dem Gebrauch von Wörtern nicht verschwenderisch um. Frauen in katholischen Weiheämtern? Man bleibe im Gespräch und habe Respekt vor der langen katholischen Tradition. Richtungsstreit unter Bischöfen? Der Heilige Geist lebe nicht nur im Konsens, sondern auch im Widerspruch. Synodale Konferenz in Deutschland? Es werde keinen deutschen Sonderweg geben.
Mit beiden Beinen steht Bischof Wilmer auf dem festen Grund der biblischen Botschaft, lautet der Subtext seiner Antworten. So setzt er gleich zu Beginn eine erste eigene Duftmarke, indem er sich in seinem neuen Amt mit einem Bibelzitat aus dem Lukasevangelium vorstellt: "Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden den Menschen auf Erden seiner Gnade". So einen frommen Einstieg ins Amt hat es in der Geschichte der Deutschen Bischofskonferenz noch nicht gegeben. Das also vorweg: Bischof Wilmer ist ein frommer Bischof. Das sollen alle wissen – und dieser offensive Umgang mit der frohen Botschaft kann sehr nützlich sein, wenn es darum geht die zerstrittene deutsche Bischofskonferenz zu einen.
"Ich weiß mich in vielen Punkten mit Heiner Wilmer verbunden", sagte Bischof Stefan Oster in einer ersten Reaktion und auch Kardinal Woelki zeigte sich sehr zufrieden mit dieser Wahl. "Von mir hat er alle Unterstützung". Beide stehen der deutschen Reformbewegung synodaler Weg skeptisch gegenüber. Der Wahl Wilmers zum neuen Vorsitzenden ist es sicher auch zu verdanken, dass ein heftig diskutiertes Papier zur Verabschiedung einer Satzung für eine deutsche synodale Konferenz auf der Vollversammlung sehr zügig mit Zweidrittelmehrheit verabschiedet wurde. Wilmer muss dieses Papier bald nach Rom tragen, um es vom Vatikan absegnen zu lassen.
Bischof Wilmer, der Vatikanflüsterer?
Neben dem Bauernhof im Emsland, der Bronx in New York (wo der Ordensbruder Wilmer als Lehrer der Herz-Jesu-Priester gearbeitet hat) und Hildesheim ist Rom für den Weltenbummler Wilmer sicheres Terrain. Hier hat er studiert und als Glaubensoberer seines Ordens gewirkt. Vor drei Jahren wurde er sogar als neuer Chef der Glaubenskongregation gehandelt.
All diese Erfahrungen und sein Talent als norddeutsch geprägter gelassener Diplomat kann er nun klug einsetzen. Insider nennen ihn sogar den Vatikan Flüsterer.
Wird nun alles gut? Das wäre ja noch schöner, wenn unter den Bischöfen nicht mehr um den rechten Glauben gestritten würde. Dass der Streit aber etwas weniger konfrontativ, sondern mehr konstruktiv geführt wird, dafür könnte der diplomatische Mediator Wilmer stehen. Aber genug der allseits geäußerten Erwartungen und Prognosen. Recht hat der Münchner Kardinal Marx, der fordert: lassen wir ihn doch erst einmal machen. Stimmt und dazu passt, dass Wilmer feststellt, seinen Terminkalender müsse er jetzt neu justieren.
Und im nächsten Frühjahr, wenn die Bischöfe im Kloster Hegne am Bodensee wieder zur Vollversammlung nach dem Herbsttreffen in Fulda zusammenkommen, wird man mehr wissen darüber, wie der neue Vorsitzende die Geschicke der Bischofskonferenz geführt hat.