Zum Jahresbeginn hat Domkapitular Christoph Ohly im Kapitelsamt des Kölner Doms über die geistliche Bedeutung des Neujahrstags gepredigt. Er erinnerte daran, dass dieser Tag zugleich der Oktavtag von Weihnachten und das Hochfest der Gottesmutter Maria sei. Angesichts von Dankbarkeit, Freude, Unsicherheit und Furcht, die viele mit dem Jahreswechsel verbänden, lade das Wort Gottes dazu ein, mit Vertrauen und Orientierung ins neue Jahr zu gehen.
Ohly stellte dabei drei biblische Gestalten in den Mittelpunkt, die als Wegweiser für das neue Jahr dienen können. Den Anfang machten die Hirten. Denn sie seien Menschen der Hoffnung. Die Hirten, so Ohly, seien in der Weihnachtsgeschichte Menschen, die mit dem Eingreifen Gottes rechnen. Sie hätten an die Verheißungen geglaubt und das Wunder des neugeborenen Messias in der Krippe erlebt. Ihre Haltung könne auch heutigen Menschen helfen, mit einer wachen Seele und einer offenen Erwartung in das Jahr 2026 zu gehen. Ohly rief dazu auf, wie die Hirten das Wirken Gottes im Alltag zu suchen und sich der Eucharistie als Quelle der göttlichen Gegenwart zu nähern.
"Gedächtnis der Kirche"
Als zweite Gestalt hob Ohly Maria hervor. Von ihr heiße es im Evangelium, dass sie die Worte der Hirten bewahrte und in ihrem Herzen erwog. Die Kirchenväter hätten sie deshalb als das "Gedächtnis der Kirche" bezeichnet. Christen seien eingeladen, ebenso die Wohltaten Gottes in ihrem Herzen zu bewahren und im Alltag wirken zu lassen. Ohly ermutigte die Gläubigen, Maria als Fürsprecherin ernst zu nehmen und ihr ihre Bitten und Sorgen anzuvertrauen.
Schließlich verwies Ohly auf die Namensgebung Jesu. Der Name bedeute "Gott rettet". Damit sei über das neue Jahr der göttliche Heilswille gesetzt. Wer getauft sei, trage diesen Namen und sei aufgerufen, aus dieser Freundschaft mit Christus zu leben und sie im Alltag zu bezeugen. Das Jahr 2026 sei so ein "Jahr des Herrn" – mit der Gabe göttlicher Nähe und der Aufgabe, Gottes Liebe weiterzugeben. Zum Abschluss lud Ohly dazu ein, sich im neuen Jahr von der Haltung der Hirten, der Treue Mariens und der Gegenwart Jesu prägen zu lassen – und aus dem Vertrauen zu leben, dass Gott das neue Jahr mit jedem Einzelnen gehe.
DOMRADIO.DE hat am Neujahrsmorgen um 10 Uhr das Kapitelsamt zum Hochfest der Gottesmutter Maria im Kölner Dom mit Domkapitular Christoph Ohly übertragen. Den Kantorendienst übernahm Alexander Niehues. An der Orgel: Winfried Bönig. Im Gottesdienst erklangen Lieder und Wechselgesänge aus dem Gotteslob, darunter der Gloria-Hymnus nach dem Jesajaton und das Apostolische Glaubensbekenntnis in einer Vertonung von Jean-Paul Lécot und André Gouzes.
Erste Lesung zum Hochfest der Gottesmutter Maria: Numeri 6,22-27
Der HERR sprach zu Mose: Sag zu Aaron und seinen Söhnen: So sollt ihr die Israeliten segnen; sprecht zu ihnen: Der HERR segne dich und behüte dich. Der HERR lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der HERR wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Frieden. So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen und ich werde sie segnen.
Impuls zur Lesung
Worte haben Macht. "Du schaffst das nie!" – solch ein Satz nimmt den Mut. "Dir traue ich das zu!" hingegen gibt Kraft. Auch Zeichen wirken. Wer den Kopf über uns schüttelt, verunsichert uns. Begegnet uns jemand mit offenen Armen, so tut das der Seele wohl. Das lateinische Wort für Segen "benedicere" bedeutet "gut sprechen". Segen ist keine magische Versicherung gegen alle Probleme des Daseins. Der sogenannte aaronitische Segen aber stärkt uns am ersten Tag des neuen Jahres. Wir wissen nicht, was 2026 passieren wird, in unserem persönlichen Leben und in der Welt. Doch was auch immer geschieht: Gott verliert uns nicht aus dem Blick, wir bleiben mit ihm verbunden. Ganz gleich, was wir uns vornehmen, das alte Sprichwort zeugt von der Erfahrung des Glaubens: "An Gottes Segen ist alles gelegen!" Ob wir uns gegenseitig Segen wünschen oder den Segen am Ende der Heiligen Messe bzw. des Gottesdienstes zugesprochen bekommen, es ist stets – wie das Buch Numeri bezeugt – Gott selbst, der segnet.
Quelle: Magnificat - das Stundenbuch