Die Kirchen rüsten sich für eine Zukunft mit weniger Geld

Ringen um den "schnöden Mammon"

Obwohl die Kirchensteuereinnahmen punktuell leicht steigen, rüsten sich evangelische wie katholische Kirche für Zeiten mit deutlich weniger Finanzmitteln und Gläubigen. Auch die Konfessionen im Rheinland treffen dafür Vorsorge.

Symbolbild Kirche und Geld / © Julia Steinbrecht (KNA)
Symbolbild Kirche und Geld / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Es erscheint auf den ersten Blick paradox: Da sind seit Monaten die Schlagzeilen voll von Hiobsbotschaften aus der deutschen Wirtschaft, die mittlerweile seit rund zwei Jahren schwächelt, und die beiden großen Kirchen im Rheinland scheinen davon kaum betroffen. Stattdessen melden sie aktuell eher steigende Kirchensteuereinnahmen. Die hängen ja in der Regel direkt mit der wirtschaftlichen Gesamtlage ab, aber aktuell gilt das aufgrund von Sondereffekten nicht ganz. Bereits vergangene Woche legte das Erzbistum Köln den Wirtschaftsplan für das Jahr 2026 vor.

Erzbistum Köln mit etwas mehr Kirchensteuereinnahmen

Darin rechnet das Erzbistum mit einer stabileren wirtschaftlichen Situation als im Vorjahr. In der Folge erwartet es geringfügig höher ausfallende Kirchensteuereinnahmen von insgesamt 674 Mio. Euro netto. Dies sind 1,3 Prozent mehr als in der Prognose für 2025. 

Blick auf den Kölner Dom / © Tian Ye (shutterstock)

Ergänzt um Erträge aus Zuweisungen und Zuschüssen, Umsatzerlöse und sonstige Erträge ergibt sich ein Gesamtertrag von 925 Mio. Euro, denen prognostizierte Aufwendungen von 967 Mio. Euro gegenüberstehen. Unter Berücksichtigung eines positiven Finanzergebnisses von 39 Mio. Euro ergibt sich ein Jahresfehlbetrag von 2,8 Mio. Euro. Dieser wird aus der Ausgleichsrücklage bestritten.

Rekordeinnahmen dank Präsident Trump

Auch die Evangelische Kirche im Rheinland beschäftigt sich aktuell viel mit dem lieben Geld. Auch hier sind die aktuellen Zahlen hervorragend und doch stehen bei der rheinischen Landessynode in Bonn harte Sparmaßnahmen im Fokus. 

Und so will die Evangelische Kirche im Rheinland an diesem Montag ein ehrgeiziges Sparpaket beschließen, das den landeskirchlichen Haushalt dauerhaft um 31,8 Millionen Euro entlasten soll. Der Plan steht trotz erheblicher Mehreinnahmen: 2025 erhielt die zweitgrößte deutsche Landeskirche Nettokirchensteuereinnahmen von 802 Millionen Euro - 7,7 Prozent mehr als im Vorjahr und mit Abstand der größte Zuwachs aller 20 evangelischen Landeskirchen in Deutschland. Der Grund seien aber Sondereffekte, der Sparzwang bleibe bestehen, sagte Finanzchef Henning Boecker am Samstag vor der rheinischen Landessynode in Bonn.

Donald Trump / © Alex Brandon (dpa)
Donald Trump / © Alex Brandon ( dpa )

Als Reaktion auf angekündigte US-Zölle hätten sehr wohlhabende Menschen Vermögen umgeschichtet und in großem Stil Aktien verkauft und aus dem amerikanischen in den deutschen Markt geschoben, erläuterte Boecker. Dadurch fielen Kapitalertragssteuern an, allein von Februar bis April 2025 wurden rund 30 Millionen Euro mehr eingenommen als erwartet. Insgesamt wuchsen die Einnahmen aus diesem Bereich 2025 um fast 60 Prozent.

Umlage für Ruhestandskosten gestiegen

"Das werden wir so nicht wieder erleben", betonte Boecker vor dem rheinischen Kirchenparlament. Ein weiterer Sondereffekt seien Einnahmen von 10,2 Millionen Euro durch Clearing-Zahlungen. Bei diesem Verfahren werden Steuergelder gegenseitig ausgeglichen, die nach dem Wohnsitz-Prinzip anderen Landeskirchen zustehen. Die Einnahmen der rheinischen Kirche aus der Lohn- und Einkommensteuer als wichtigster Finanzquelle wuchsen 2025 wie prognostiziert lediglich um 1,8 Prozent. Für die nächsten fünf Jahre erwartet Boecker ein gleichbleibendes Kirchensteueraufkommen, danach werde es kontinuierlich sinken.

Präses Thorsten Latzel bei der Synode der Evangelischen Kirche in Rheinland im Januar 2026 (epd)
Präses Thorsten Latzel bei der Synode der Evangelischen Kirche in Rheinland im Januar 2026 / ( epd )

Dank der Mehreinnahmen muss im Doppelhaushalt für 2025 und 2026 weniger oder gar kein Geld aus Rücklagen entnommen werden - ursprünglich war mit einer Entnahme von insgesamt 26 Millionen Euro kalkuliert worden.

Bei der Ruhestandsversorgung für die pensionierten Pfarrer und Kirchenbeamten einschließlich der Beihilfe für Gesundheitskosten wird das Ziel einer Kapitaldeckung von 70 Prozent bis 2030 nach Boeckers Einschätzung erreicht. Die entsprechende Umlage stieg mit Jahresbeginn von 18 auf 23 Prozent - fast jeder vierte Kirchensteuer-Euro fließt somit in die Versorgungskasse für die Pensionäre. Das sei eine enorme Belastung für die Gemeinden und Kirchenkreise, hieß es.

Plädoyer für mehr Zusammenarbeit der Landeskirchen

Am Montag will das Kirchenparlament über mehr als 60 vorgeschlagene Sparmaßnahmen entscheiden, die spätestens 2030 wirksam werden sollen. Am Samstag präsentierte der Dinslakener Superintendent David Bongartz Ideen eines "Arbeitskreises Kirche der Zukunft" für die Kirche im Jahr 2040.

Die Präses der benachbarten Evangelischen Kirche von Westfalen, Adelheid Ruck-Schröder, warb in einem Grußwort für mehr Zusammenarbeit der drei evangelischen Landeskirchen in Rheinland, Westfalen und Lippe. "Wir können in Zukunft nicht mehr alle alles machen", sagte sie. Die wichtigste Aufgabe sei, Schwerpunkte zu setzen: "Für was wollen wir als Kirche stehen?"

Kritik an Asyldebatte

Die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) lobte die kirchlichen Beiträge in der Gesellschaft. Die Kirchen seien ein „verlässlicher Ansprechpartner für uns als Politik, kritischer Begleiter, Träger von Gemeinwesen“ und auch ein "moralischer Kompass in schwierigem Fahrwasser".

In ihrem zur Synode vorgelegten 16. Bericht zum Flüchtlingsschutz an den EU-Außengrenzen kritisierte die Landeskirche eine wachsende Polarisierung in der Debatte über Flüchtlinge und Asyl. Grundprinzipien der rechtsstaatlichen Arbeit und des demokratischen Miteinanders würden ebenso infrage gestellt wie Flüchtlingshilfe.

Evangelische Kirche im Rheinland

Die Evangelische Kirche im Rheinland ist mit rund 2,05 Millionen Protestanten die zweitgrößte evangelische Landeskirche in Deutschland. Sie erstreckt sich zwischen Niederrhein und Saar über das Gebiet der ehemaligen preußischen Kirchenprovinz Rheinland. Die 527 Gemeinden, die in 34 Kirchenkreisen zusammengeschlossen sind, liegen in den vier Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Hessen. Präses und damit oberster Repräsentant ist seit März 2021 der Theologe Thorsten Latzel. 

Symbolbild: Ein Holzkreuz / © enterlinedesign (shutterstock)
Symbolbild: Ein Holzkreuz / © enterlinedesign ( shutterstock )

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