EKD-Kirchen erwarten Kirchensteuer-Minus

Deutlich weniger in der Kasse

Die evangelischen Kirchen in Deutschland stellen sich wegen der Corona-Krise auf einen drastischen Rückgang der Kirchensteuereinnahmen in diesem Jahr ein. Man rechnet insgesamt mit einem Minus von zehn bis 15 Prozent.

Kirchensteuer / © Daniela Staerk (shutterstock)

"Wir sind von den Auswirkungen ebenso betroffen wie alle anderen gesellschaftlichen Bereiche und rechnen mit deutlichen Einbußen in diesem Jahr", sagte der rheinische Präses Manfred Rekowski dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Es gibt zwar noch keine seriösen Prognosen, aber wir rechnen EKD-weit derzeit mit einem Minus von 10 bis 15 Prozent."

Bei Kurzarbeit entfällt Kirchensteuer

"Das Kurzarbeitergeld ist steuerfrei, damit entfällt auch die Kirchensteuer", erläuterte Rekowski. In Nordrhein-Westfalen werde Unternehmen zudem die Möglichkeit eingeräumt, Steuerzahlungen aufzuschieben - auch das wirke sich zwangsläufig negativ auf den Fluss der Kirchensteuermittel aus. "Auch wenn wir als Evangelische Kirche im Rheinland weiter liquide und handlungsfähig sind, trifft das alle Ebenen unserer Kirche."

Auch in der diakonischen Arbeit gebe es an vielen Stellen massive Einbrüche, sagte der leitende Theologe der zweitgrößten Mitgliedskirche der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mit knapp 2,5 Millionen Mitgliedern.

Mit Prognosen für die kommenden Jahre seien die Kirchen noch zurückhaltend. "Wenn die Krise die Wirtschaft für einen längeren Zeitraum zum Stillstand bringt, werden wir das aber massiver spüren", fügte Rekowski hinzu. "Das heißt, dass wir das Tempo für nötige Veränderungen in unserer Kirche wie Reduzierung der Aufgaben erhöhen müssen."

Zwischenmenschliches bleibt auf der Strecke

Belastend ist der teilweise Shutdown nach den Worten des 62-jährigen Theologen auch für die kirchliche Arbeit. Zwar sei er überwältigt vom Ideenreichtum, mit dem die Kirchengemeinden unter erschwerten Bedingungen Alternativen zum Normalfall kirchlicher Arbeit entwickelten und mit digitalen Möglichkeiten manches kompensierten. "Aber viel Zwischenmenschliches bleibt dabei auf der Strecke", sagte Rekowski.

Vor allem die Begrenzung auf den engsten Familien- und Freundeskreis bei Beerdigungen belaste viele Menschen, unterstrich der Theologe: "Eine würdige Trauerfeier ist sehr wichtig für den Abschied von einem geliebten Menschen, dessen Leben zurück in Gottes Hand gelegt wird."

Auch dass Paare ihre Trauung absagen oder ohne Gäste heiraten müssten, sei für die Betroffenen eine schwierige Situation. "Hier müssen wir als Kirche flexibel terminliche Alternativen anbieten, wenn sich die Situation geändert hat", rät der rheinische Präses.

 

Autor/in:
Ingo Lehnick
Quelle:
epd