DOMRADIO.DE: Der moderne Turmhelm muss zurückgebaut werden und wird abgerissen. Warum ist dieser Schritt unausweichlich?
Dr. Stefan Holtmann (Hauptpastor von St. Jacobi, Hamburg): Der Hintergrund ist, dass der Turm von St. Jacobi letztlich schon seit Jahrhunderten ein Sorgenkind ist. Dort tauchen immer wieder Rissbildungen im Bereich des Turmschafts auf. Auch in den Bereichen, die saniert wurden, sind nach 20 Jahren wieder neue Haarrisse zu sehen.
Im Zuge laufender Untersuchungen wurde festgestellt, dass der Kern eine Überlastung des mittelalterlichen Mauerwerks ist. Deswegen muss der schwere Stahlbeton-Turmhelm, der über 2.000 Tonnen wiegt, zurückgebaut werden, um die mittelalterliche Bausubstanz, die in Hamburg ganz besonders kostbar ist, weil davon nur noch sehr wenig erhalten ist, für unsere Nachwelt zu erhalten.
DOMRADIO.DE: Dieser Rückbau beginnt erst in zwei Jahren, also im Jahr 2028. Ist denn bis dahin alles sicher?
Holtmann: Ja, es ist ja Teil eines längeren Prozesses. Wir befinden uns in einer Generalsanierung, in der wir so tief ins Mauerwerk gucken konnten wie wahrscheinlich keine Generation vor uns. Wir haben vor einem Jahr schon Stabilisierungsmaßnahmen im Turm gemacht.
Es geht jetzt vor allem darum, einen Zustand der Dauerhaftigkeit herzustellen. Das ist unser Ziel, dass wir nicht in zehn oder zwanzig Jahren nach menschlichem Ermessen wieder dastehen und die gleichen Probleme haben wie die Generation vor uns.
DOMRADIO.DE: Aber Hamburg verliert erst einmal einen Hingucker. Was bedeutet das für Ihre Gemeinde und auch die Menschen in der Hansestadt?
Holtmann: Das ist eine schmerzhafte Entscheidung für uns. Der Turm gehört zur Stadtsilhouette. Er hat seit Jahrhunderten, beziehungsweise in der aktuellen Gestalt seit den 60er Jahren, Menschen den Weg zu dem Ort gewiesen, wo sie Gottesdienst feiern und wo sie frohe und traurige Momente gemeinsam begangen haben. Das ist ein Einschnitt.
Andererseits hatte Jacobi in den ersten Jahrhunderten auch keinen Turmhelm. Zwischendurch gibt es in jeder Hamburger Hauptkirche Phasen, in denen Turmhelme nicht da waren. Das müssen wir jetzt aushalten.
Die Gemeinde Jesu Christi ist immer wieder für gewisse Zeiten eine Baustelle. Über die endgültige Gestalt, die der Turm haben wird, wird dann eben zu entscheiden sein, wenn wir diesen ersten Schritt geschafft haben.
Das Interview führte Carsten Döpp.