EKD-Ratsvorsitzende äußert sich zu Klima und Antisemitismus

"Der Glaube zieht klare rote Linien"

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Annette Kurschus, hat vor mehr Hass und Fremdenfeindlichkeit in Deutschland gewarnt. Kurschus hat zudem mehr Ehrlichkeit beim Kampf gegen den Klimawandel angemahnt.

Annette Kurschus (Archivbild) / © Harald Oppitz (KNA)
Annette Kurschus (Archivbild) / © Harald Oppitz ( KNA )

"Rechtsextremismus und Antisemitismus sind hochgefährlich", sagte Kurschus dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Montag). "Beide dürfen in Deutschland nicht erneut an Boden gewinnen, beide haben zu unsäglicher Zerstörung und Vernichtung geführt. Der christliche Glaube zieht hier klare rote Linien. Er hat seine Wurzeln im Judentum."

Christen stünden fest an der Seite jüdischer Menschen, wo rechtsextremistische oder antisemitische Töne laut würden, sagte die EKD-Ratschefin. "Denn vernichtende Worte werden schnell zu vernichtenden Taten. Soweit darf es nicht kommen."

Persönliche Änderungen für das Klima

"Der Weg zur Klimaneutralität ist zweifellos komplex und wird hart", sagte Kurschus dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Montag). "Da gibt's nichts schönzureden. Verzicht und Einschränkung haben ein großes, lohnenswertes Ziel: Wir machen uns jetzt auf den Weg, damit auch unsere Kinder und Kindeskinder gut und gern leben können."

Dazu wolle auch sie persönlich ihren Teil beitragen. "Wichtig ist mir: Nicht die Angst vor dem Untergang treibt mich an, sondern die Gewissheit, dass Gott Gutes vorhat mit seiner beschädigten Schöpfung."

In der Veränderung der Gewohnheiten, so Kurschus, gebe es durchaus positive Erfahrungen. "Ich benutze häufiger das Fahrrad statt des Autos und merke, es tut mir körperlich gut, außerdem treffe ich unterwegs Menschen, mit denen ich ins Gespräch komme. Plötzlich bemerke ich Kleinigkeiten am Wegesrand, die ich im Auto noch nie wahrgenommen habe."

Frage der Gerechtigkeit

Die EKD-Ratsvorsitzende mahnte, in die eigenen Überlegungen zum Klimaschutz auch die Umstände der auf der südlichen Halbkugel lebenden Menschen einzubeziehen. "Der Weg zur Klimaneutralität kostet nicht nur die Umstellung des Lebensstils, er kostet auch Geld. Wer nicht jeden Cent umdrehen muss, hat es leichter, sich zu engagieren oder hohe Maßstäbe an andere anzulegen."

Insofern, sagte Kurschus dem RND, hätte die Klimafrage sehr viel mit Gerechtigkeit zu tun. "Bereits jetzt sind es die Menschen in den ärmeren Ländern dieser Erde, die unter den Auswirkungen des Klimawandels immens zu leiden haben, obwohl sie am wenigsten dazu beitragen. Das ist ungerecht. Dieses Ungleichgewicht darf nicht so bleiben."


Männer mit Kippa / © Christopher Beschnitt (KNA)
Männer mit Kippa / © Christopher Beschnitt ( KNA )
Quelle:
KNA