Das Gebetsanliegen des Papstes für Januar

Das Schwere nicht allein tragen müssen

Im Januar betet der Papst, "dass das Gebet mit dem Wort Gottes Nahrung für unser Leben und Quelle der Hoffnung in unseren Gemeinschaften sei und uns hilft, eine geschwisterlichere und missionarische Kirche aufzubauen".

Autor/in:
Patrick Stauß
Papst Leo XIV. spricht beim Adventskonzert "Konzert mit den Armen", am 6. Dezember 2025 im Vatikan / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Leo XIV. spricht beim Adventskonzert "Konzert mit den Armen", am 6. Dezember 2025 im Vatikan / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Das Gebetsanliegen für den Januar ist das erste, das vom neuen Papst Leo formuliert worden ist - und es nimmt das Gebet selbst in den Blick. Viele Frauen und Männer, die in den verschiedenen Konfessionen als Menschen des Gebetes, der Hoffnung und der tätigen Nächstenliebe zu Vorbildern wurden, haben sich damit beschäftigt, was den Menschen mit Gott verbindet und wie man seine Gegenwart spüren kann. Im Gebet möchten wir uns nicht nur selbst mit Dank, Sorgen und Nöten und dem Blick auf die Welt an den Herrn wenden. Im besten Fall möchten wir auch spüren, dass Er da ist und uns hört - ja, uns vielleicht sogar in der Stille des Herzens antwortet.

Dazu bedarf es nicht vieler Worte. Jesus selbst ermutigt, darauf zu vertrauen, dass Gott uns zuinnerst kennt und weiß, was wir auf dem Herzen haben, noch bevor wir es aussprechen. Ein erfüllendes Gebet kann sogar ganz ohne Worte auskommen, wenn wir uns - wie etwa in der ignatianischen Spiritualität - Gottes Gegenwart öffnen und einfach mit ihm da sind. Doch auch die Sprache ist Ausdruck von Erfahrungen und Persönlichkeit, in einer gewissen Weise sogar des ganzen bisherigen Lebens.

Verstehen des Wortes

In Taizé kommt das etwa dann besonders stark zum Ausdruck, wenn Jugendliche und junge Erwachsene aus verschiedenen Ländern die kurzen, meditativen Gebetsverse in ihrer Muttersprache singen und so das Lob Gottes gemeinsam erklingen lassen. Den Konzilsvätern des Zweiten Vaticanums war es wichtig, dass den Menschen der Tisch des Wortes Gottes reicher gedeckt wird und sie durch die je eigene Sprache verstehen können, zu welcher Hoffnung sie berufen sind. Auch in der Mission der frühen Christinnen und Christen spielt das Verstehen des Wortes eine große Rolle - von der Pfingstpredigt der Apostel über die Begegnung des Philippus mit dem Äthiopier bis hin zum nächtlichen Gespräch Jesu mit Nikodemus.

Gesangsheft und Kreuzikone in der Versöhnungskirche in Taizé / ©  Katharina Gebauer (KNA)
Gesangsheft und Kreuzikone in der Versöhnungskirche in Taizé / © Katharina Gebauer ( KNA )

Paulus fasst es im ersten Korintherbrief in Bezug auf die Zungenrede so zusammen: "Ich will nicht nur im Geist beten, sondern auch mit dem Verstand. Ich will nicht nur im Geist Gott preisen, sondern auch mit dem Verstand. Wenn du nur im Geist den Lobpreis sprichst und ein Unkundiger anwesend ist, so kann er zu deinem Dankgebet das Amen nicht sagen; denn er versteht nicht, was du sagst. Dein Dankgebet mag noch so gut sein, der andere hat keinen Nutzen davon."

Intime Regung und Dienst für die Welt

Das Gebet ist einerseits eine ganz persönliche, fast intime Regung des Herzens, andererseits auch ein gemeinsamer Dienst von Christinnen und Christen füreinander und für die Welt. Wenn jemand niedergedrückt einen Gottesdienst besucht und selbst nicht zu beten vermag, beten die anderen auch für diese Person mit. Wenn ein kranker Mensch besucht wird und diese kleine Gemeinschaft miteinander betet, wird der oder dem Erkrankten vielleicht leichter ums Herz. Wenn wir die Freude und Hoffnung, Trauer und Angst dieser Tage gemeinsam vor Gott tragen, sind wir Gemeinde Jesu Christi.

Manchmal fehlen die rechten Worte dafür, sodass das Wort Gottes auch als Schatz des Gebets dienen kann. Evangelische Glaubensgeschwister haben häufig einen besonderen Bezug zu ihrem Konfirmationsspruch und beten die Tageslosungen. Ordensschwestern, Mönche und Kleriker beten das Stundengebet mit den Worten der Psalmen, des Gebetsbuches Israels. 

Nahrung und Quelle von Zuversicht

Wer miteinander und füreinander mit dem Wort Gottes betet, kann darin selbst Nahrung für das geistliche Leben finden. Es kann und soll aber auch die Gemeinschaft - sei es eine Gemeinde, eine Familie, einen Ordenskonvent oder eine Gruppe Gleichgesinnter - mit Zuversicht erfüllen. Zuletzt dürfen wir im Gebet die ganze Welt, die Sorgen, Nöte und Hoffnungen unserer Tage vor Gott bringen und so zu einer geschwisterlicheren und missionarischen Gemeinschaft der Glaubenden werden.

Wir müssen das Schwere nicht allein tragen und können auch die Freuden des Lebens miteinander und mit Gott teilen. Im Gebet dürfen wir erfahren, dass der Auferstandene alle Tage bis zum Ende der Welt bei uns und allen Geschöpfen bleibt.

Die Gebetsanliegen des Papstes 2026

Januar: Für das Gebet mit dem Wort Gottes

Wir beten, dass das Gebet mit dem Wort Gottes Nahrung für unser Leben und Quelle der Hoffnung in unseren Gemeinschaften sei und uns hilft, eine geschwisterlichere und missionarische Kirche aufzubauen. 

Februar: Für Kinder mit unheilbaren Krankheiten

Wir beten, dass die von unheilbaren Krankheiten betroffenen Kinder und ihre Familien die medizinische Betreuung und die notwendige Unterstützung erhalten, ohne je die Kraft und die Hoffnung zu verlieren. 

Eine Ordensschwester im Gebet (shutterstock)

 

Quelle:
KNA