Das Gebetsanliegen des Papstes für den August

Berufung zum Unternehmer

Der Papst betet im August "für kleine und mittlere Unternehmen, dass sie inmitten der ökonomischen und sozialen Krisen Wege finden, zu überleben, voranzuschreiten und weiter ihren Gemeinden zu dienen".

Skyline von Frankfurt am Main mit Bankenviertel, Paulskirche und Kaiserdom / © Mustafa Kurnaz (shutterstock)
Skyline von Frankfurt am Main mit Bankenviertel, Paulskirche und Kaiserdom / © Mustafa Kurnaz ( shutterstock )

Das Gebetsanliegen von Papst Franziskus für den August überrascht. Wie geht das Gebet zusammen mit seiner harschen Kapitalismuskritik, die in dem vielzitierten Satz gipfelte: "Diese Wirtschaft tötet"?

Wer die Äußerungen des Papstes zu Wirtschaft und Unternehmen genauer liest, bekommt eine differenziertere Sicht. Seine Kritik gilt in erster Linie den großen und transnationalen Unternehmen, die nur auf Gewinnmaximierung ausgerichtet sind, die Arbeiter als bloße Produktionsfaktoren behandeln und obendrein häufig kaum Steuern bezahlen. Ein anderes Thema, auf das er immer wieder zurückkommt, ist die ständig wachsende Ungleichverteilung des Reichtums, die für ihn die wichtigste Ursache aller sozialen Übel und Gewalt ist.

Kleine und mittlere Unternehmer im Dienst der Gesellschaft

In der Tradition der katholischen Soziallehre fordert der Papst eine Wirtschaft, die im Dienst der Menschenwürde und des Gemeinwohls steht. Er ruft zu einer Rückbesinnung auf den Wert der Arbeit auf, die dem Menschen Würde und Wohlergehen verschafft. In seinem Apostolischen Schreiben "Evangelii Gaudium" von 2014 betonte er: "Solange die Probleme der Armen nicht von der Wurzel her gelöst werden, indem man auf die absolute Autonomie der Märkte und der Finanzspekulation verzichtet und die strukturellen Ursachen der Ungleichverteilung der Einkünfte in Angriff nimmt, werden sich Probleme der Welt nicht lösen."

Papst Franziskus
 / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Papst Franziskus / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )

Alles drehe sich heute um Konkurrenzfähigkeit und das Gesetz des Stärkeren, kritisiert Franziskus. "Der Mensch an sich wird wie ein Konsumgut betrachtet, das man gebrauchen und dann wegwerfen kann."

Dagegen drückt er seine Bewunderung für jene Unternehmer aus, die nicht nur an Gewinne denken und ihren Beruf als Berufung im Dienst der Gesellschaft verstehen. Dies gilt in erster Linie für die kleinen und mittleren Unternehmer, die auch in Deutschland die große Mehrheit bilden.

Franziskus: Wenn ihr Angst habt, denkt an Kreativität

Die Umsetzung der Prinzipien der katholischen Soziallehre in die Welt der Wirtschaft hat sich die christliche Unternehmervereinigung UNIAPAC zum Ziel gesetzt. Sie wurde 1931 zum 40. Jahrestag der ersten Sozialenzyklika "Rerum novarum"gegründet. Inzwischen ist UNIAPAC mit nationalen Zusammenschlüssen in 40 Ländern in Europa, Afrika, Lateinamerika und Asien mit über 45.000 Unternehmern und Führungskräften vertreten. In Deutschland ist dies der Bund katholischer Unternehmer (BKU).

Präsident von UNIAPAC ist derzeit der portugiesische Unternehmer Bruno Bobone. Er war am 6. November 2021 zu einer Privataudienz bei Papst Franziskus. Schnell entstand eine vertrauensvolle, ja freundschaftliche Atmosphäre. Der Papst stellte klar, dass alle seine Äußerungen zu Fragen der Wirtschaft im Einklang mit der katholischen Soziallehre stehen. Gegen Ende der Audienz bat Bobone um eine Botschaft an die Mitglieder von UNIAPAC.

Doch wie sollte dies technisch geschehen? Bobone zückte sein Handy, und Franziskus formulierte aus dem Stegreif eine kurze Ansprache. Darin appellierte er an die Unternehmer, keine Angst zu haben und kreativ zu sein: "Und wenn ihr Angst habt, denkt an die Kreativität, die eure Eltern hatten. Diese Kreativität müsst ihr entwickeln. Ein Unternehmer, der keine Kreativität hat, ist kein guter Unternehmer, denn er wird nicht wissen, wie er sie gut nutzen kann, oder er steckt sie in seinen Kleiderschrank, so dass sie nicht wächst." Und er lud dazu ein, auf den Herrn zu schauen: "Gott hat uns Kreativität gelehrt."

Autor/in:
Martin Maier SJ
Quelle:
KNA