Aiman Mazyek zeigt sich von Papstaudienz bewegt

"Da war ich ein Stück weit verdattert"

Am Rande der Generalaudienz am vergangenen Mittwoch ist Papst Franziskus mit Vertretern des Zentralrats der Muslime in Deutschland zusammengetroffen. Aiman Mazyek zeigt sich angetan von der Begegnung, regelrecht "verdattert".

Aiman Mazyek / © Markus Nowak (KNA)
Aiman Mazyek / © Markus Nowak ( KNA )

DOMRADIO.DE: Wie war die Begegnung mit Papst Franziskus?

Aiman Mazyek (Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland): Wir hatten ein fast fünfminütiges Gespräch im Rahmen eines Besuches im Vatikan. Wir hatten den Leiter der Kommission für religiöse Beziehungen zu Muslimen des Päpstlichen Rates besucht. Wir waren einen ganzen Tag im Vatikan und hatten die Gelegenheit, dann im Rahmen der Generalaudienz den Papst auch direkt zu treffen.

Es war übrigens meine dritte Begegnung mit dem Papst. Ich hatte die Gelegenheit schon mal im Vatikan im Rahmen der Karlspreis-Verleihung, da gehörte ich zu einer Delegation. Das war das einzige Mal, wo der Karlspreis außerhalb Aachens verliehen wurde. Später dann im Rahmen einer inzwischen historischen Begegnung zwischen Ahmed Al-Tayyeb, dem Großimam der Al-Azhar Universität in Kairo und Papst Franziskus in Abu Dhabi 2019.

DOMRADIO.DE: Worüber haben Sie mit dem Papst gesprochen?

Mazyek: Wir haben gemeinsam die Geschwisterlichkeit von Christentum und Islam hervorgehoben. Wir haben auch in Bezug auf die Begegnungen, die der Papst hatte sowie der Sozialenzyklika, wo er das noch mal niedergeschrieben hat, deutlich gemacht, wie wichtig die Begegnung mit den verschiedenen Religionen ist. Das ist eine Inspirationsquelle nicht nur für Christen, sondern auch für Muslime. Gerade was den aktiven Dialog von Christinnen und Christen und Musliminnen und Muslimen angeht.

Insofern habe ich mich sehr gefreut, habe mich bedankt für die Gastfreundschaft im Vatikan und habe deutlich gemacht, dass wir auch mit unseren Glaubensgeschwistern für den Zusammenhalt in Europa, den wir in vielen Teilen auch bedroht sehen, eintreten. Da ist der Papst in verschiedenen Bereichen ein schönes Beispiel dafür, wie man das macht.

DOMRADIO.DE: Was macht das mit Ihnen persönlich, dem Oberhaupt der katholischen Kirche, so nah zu begegnen?

Mazyek: Er ist für mich eine Inspirationsquelle. Ich habe die Sozialenzyklika gelesen. Das war für mich schon eine spannende Begegnung mit ihm. Und wie gesagt, es ist nicht die erste, ich hatte schon mal die Gelegenheit, aber meistens kurz. Als er zum Abschied sagte "Bete für mich", hat mich das doch schon erwischt. Da war ich ein Stück weit verdattert, habe aber dann versucht, mich zu fassen.

Natürlich ist es schon ein bewegender und auch ein schöner Moment. Er ist ein sehr freundlicher Mensch. Wenn man denn aufgeregt sein sollte oder vielleicht nervös, nimmt er diese Nervosität schnell weg und man spürt wirklich einen Glaubensbruder.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

Papst Franziskus verlässt nach der wöchentlichen Generalaudienz die Halle Paul VI. / © Alessandra Tarantino/AP (dpa)
Papst Franziskus verlässt nach der wöchentlichen Generalaudienz die Halle Paul VI. / © Alessandra Tarantino/AP ( dpa )
Quelle:
DR