"Sinnfluencerin" will in den Rat der Evangelischen Kirche

"Da geht noch mehr"

Josephine Teske ist Pastorin und hat einen Instagram-Kanal, in dem sie Geistliches und Privates postet. Mit ihrem Auftritt ist sie in der Kirche sehr erfolgreich und würde ihre Energie gerne im Rat der EKD einbringen. Nun stellt sie sich der Wahl.

Pastorin Josephine Teske, Kandidatin für den Rat der EKD / © Marc Hunold (epd)
Pastorin Josephine Teske, Kandidatin für den Rat der EKD / © Marc Hunold ( epd )

DOMRADIO.DE: Sie sind bei Instagram sehr aktiv, haben 32.000 Follower, posten Geistliches und Privates. Ist das mehr Hobby oder mehr Berufung?

Josephine Teske (Evangelische Pastorin in Büdelsdorf, Schleswig-Holstein): Berufung würde ich tatsächlich sagen. Ich liebe es, meinen Glauben in die Welt zu tragen und mit anderen über ihre Sinn-, Lebens- und Glaubensfragen ins Gespräch zu kommen.

DOMRADIO.DE: Sie sind mit ihrem Instagram-Kanal so erfolgreich, dass sie täglich Anfragen bekommen, dass Menschen aus Norddeutschland ihre Kinder von ihnen taufen lassen möchten. Woran liegt das, dass das so wunderbar läuft? Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis? 

Teske: Ehrlichkeit und auch meine Art glaube ich, über den Glauben zu sprechen und auch Schwächen zuzugeben, also über all meine Höhen und Tiefen in meinem Leben und auch in meiner Beziehung mit Gott zu sprechen. Und ich glaube, da können sich Menschen wiederfinden oder abgrenzen und Inspiration finden.

DOMRADIO.DE: Haben Sie Beispiele, wie Sie da vorgehen? Was für Gespräche und Themen sind das ganz konkret?

Teske: Das sind wirklich alle Lebensthemen, die wir in uns tragen. Ganz konkret könnten es aber auch Brüche sein, die andere in der Kirche erlebt haben. Oder es könnte Schmerz sein, den wir in uns tragen. Das sind ganz konkrete Themen, wie auch Abtreibung, Homosexualität, der Tod, die Trauer.

DOMRADIO.DE: Sie haben sich natürlich auch mit der Corona-Pandemie auseinandergesetzt und haben gesagt, Corona habe die Kirche gezwungen, anders zu denken und neue Dinge auszuprobieren. Was meinen Sie und geht da vielleicht auch noch mehr?

Teske: Da geht auf jeden Fall mehr. Vor Corona wurde alles, was "digitale Kirche" ist, hauptsächlich belächelt oder nach dem Motto "Oh, das müssen wir jetzt auch noch tun" als Belastung empfunden. Mit "digitale Kirche" meine ich nicht nur die sozialen Netzwerke oder YouTube, sondern auch den WhatsApp-Kettenbrief oder Gemeindebrief, alles was digital von Kirche gemacht wird.

Durch die Pandemie mussten wir irgendwie alle reagieren, um mit unseren Gemeindemitgliedern in Kontakt zu bleiben. Nach den Lockdowns sind viele Gemeinden wieder zurück ins alte Schema gegangen. Digitale Innovationen wurden zum Teil wieder eingestampft. Da, denke ich, geht noch mehr. Auch wenn mir sehr bewusst ist, dass es viel, viel Arbeit macht.

DOMRADIO.DE: Mal angenommen, Sie würden in den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland gewählt, was würden Sie dann gerne konkret angehen?

Teske: Ich stehe natürlich für digitale Innovation, nicht nur in den sozialen Medien, sondern generell würde ich das gerne angehen. Ein Herzensthema für mich ist auch die mentale Gesundheit aller, die in der Kirche arbeiten. Das ist ein gesellschaftliches Thema und ich glaube, gerade wir als Kirche müssen da ganz sichergehen, dass das gewährleistet sein kann.

DOMRADIO.DE: Bei der Kirche ist vieles im Umbruch. Ein sehr deutliches Signal kam von der EKD im Frühjahr. Die 25-jährige Anna-Nicole Heinrich wurde zur Synoden-Präses gewählt. Was meinen Sie? Was wäre jetzt wichtiger für den neuen Ratsvorsitz, dass ein jüngerer Mensch gewählt wird oder mal wieder eine Ratsvorsitzende?

Teske: Für Frauen in Leitungspositionen bin ich immer. Aber tatsächlich geht es mir gar nicht ums Alter, sondern mir wäre wichtig, dass die Person, die gewählt wird, Mut für Innovation hat. Mir wäre wichtig, dass sie etwas wagt, auch wenn sie dabei scheitert. Vor allem aber bin ich dafür, dass die Person auch für schmerzhafte Themen gerade steht, dass sie sie in die Kirche hinein ausspricht und zuhört aber auch sieht, was in dieser Welt geschieht.

Das Interview führte Carsten Döpp.

Quelle:
DR
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