Nach sieben Jahren endet die EKD-Amtszeit Bedford-Strohms

Nicht nur politischer Prediger

Am Sonntag legt er seinen letzten Ratsbericht vor – dann endet seine Amtszeit als EKD-Ratsvorsitzender. Sieben Jahre prägte Professor Heinrich Bedford-Strohm die Evangelische Kirche in Deutschland.

Heinrich Bedford-Strohm / © Ole Spata (dpa)
Heinrich Bedford-Strohm / © Ole Spata ( dpa )

Sieben Jahre hat er die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) repräsentiert – in der Öffentlichkeit, den Medien und nicht zuletzt in den Sozialen Medien. Wer eine aktuelle Stellungnahme suchte, wurde nicht selten eher auf seiner "Facebook"-Seite fündig als bei den Pressestellen der EKD oder seiner bayerischen Landeskirche. Nun geht für den 61 Jahre alten Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm seine Amtszeit als Vorsitzender des Rates der EKD zu Ende; bereits vor einem Jahr hatte er angekündigt, nicht für eine weitere Periode zur Verfügung zu stehen.

Freundschaft mit Kardinal Marx

Als Bedford-Strohm 2014 nach dem Rücktritt von Nikolaus Schneider sein Amt erstmals übernahm – 2015 wurde er bestätigt – , stand zunächst vor allem das 500-Jahr-Gedenken der Reformation 2016/17 auf der Tagesordnung des Rates. Nicht zuletzt seinem Einsatz war es zu verdanken, dass diese Feiern mit sehr starken ökumenischen Akzenten versehen waren. Als Glücksfall für unkomplizierte und schnelle Absprachen erwies sich dabei seine Freundschaft mit dem ebenfalls in München residierenden damaligen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, mit dem er oft im "Doppelpack" auftrat.

Der zweite Teil seiner Amtszeit stand besonders im Zeichen der Seenotrettung im Mittelmeer. Nach dem der Evangelische Kirchentag 2019 in Dortmund ein deutliches Signal in diese Richtung gegeben hatte, machte Bedford-Strohm das Thema zu seiner persönlichen Sache.

Für manche machte ihn das zur "Hassfigur", sogar Morddrohungen erreichten ihn, auch innerhalb der evangelischen Kirche war dieser Fokus durchaus umstritten. "Als politisches Statement der EKD in dieser Einseitigkeit sehe ich das überaus kritisch", sagte etwa, um nur ein Beispiel zu nennen, die FDP-Politikerin Linda Teuteberg, die Mitglied der Synode der EKD ist. Bedford-Strohm verweist im Gegenzug darauf, dass er auch aus Kreisen Unterstützung erfahren habe, von denen er das kaum erwartet hätte.

Nicht zufrieden mit Aufarbeitung der sexualisierten Gewalt

Nicht zufrieden ist der bayerische Landesbischof selbst mit der bisherigen Aufarbeitung der sexualisierten Gewalt im Bereich der evangelischen Kirche – obwohl das Thema nach eigenem Bekunden "Chefsache" gewesen ist. Die EKD hatte im Frühjahr die Arbeit des von ihr eingerichteten Betroffenenbeirats nach Konflikten ausgesetzt und sieht sich mit Vorwürfen von Betroffenen konfrontiert, sie nicht ernst genug zu nehmen. Das Thema wird auch den nächsten Rat und die Synode noch ausführlich beschäftigen.

Als Theologe, der vor seiner Wahl zum Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern 2011 seit 2004 Professor für Systematische Theologie und Theologische Gegenwartsfragen in Bamberg war, vertritt Bedford-Strohm eine "öffentliche Theologie".

Darunter versteht er nicht nur aktuelle politische Stellungnahmen, sondern den Versuch, im Gespräch mit anderen Wissenschaften sowie mit Kirche und Gesellschaft in Grundfragen Orientierung zu geben. Eine Orientierung, die, wie er selbst einräumt, derzeit angesichts des aus dem Missbrauchsskandal resultierenden Vertrauensverlusts der Kirchen immer weniger gesucht wird.

Heinrich Bedford-Strohm

Der in Memmingen geborene Bedford-Strohm stammt aus einer Theologenfamilie. Sein Vater Albert Strohm war evangelischer Pfarrer, sein älterer Bruder Christoph ist Kirchenhistoriker in Heidelberg.

Heinrich studierte nach zwei Semestern Rechtswissenschaften, Geschichte und Politikwissenschaften ebenfalls Theologie in Erlangen, Heidelberg und Berkeley. Dort lernte er seine Frau, die Psychotherapeutin Deborah Bedford, kennen; sie heirateten 1985 und haben drei erwachsene Söhne.

Mit seinem Heidelberger Doktorvater und früheren Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber verbinden ihn nicht nur der theologisch-sozialethische Ansatz und eine persönliche Freundschaft, sondern auch die parteipolitische Präferenz: Beide waren bis zum Beginn ihrer Bischofslaufbahn SPD-Mitglied. Im Vergleich mit Huber ist Bedford-Strohm aber ein viel volksnäherer Bischof, der sich nicht verbiegen muss, wenn er etwa an der "Fastnacht in Franken" teilnimmt.

Überhaupt ist er in den Gemeinden keineswegs nur der politische Prediger, als der er in den Schlagzeilen vorkommt. Deshalb freut er sich auch auf seine beiden letzten Jahre als Landesbischof ohne die zusätzlichen Verpflichtungen des EKD-Ratsvorsitzes.

Kardinal Reinhard Marx und Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (r.) / © Friedrich Stark (epd)
Kardinal Reinhard Marx und Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (r.) / © Friedrich Stark ( epd )
Autor/in:
Norbert Zonker
Quelle:
KNA
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