DOMRADIO.DE: Sie haben in Maria Laach die sechste Fastenpredigt gehalten. Es war eigentlich ein Hinweis, dass nicht immer früher alles besser sein sollte. Sie kennen ja den Spruch "Früher war alles besser." Was spricht dagegen?
Bruder Paulus Terwitte (Kapuzinermönch): Ich wollte mit der Predigt den Menschen sagen, dass dann, wenn sich etwas wandelt, Gott näher ist, als wir uns denken. Weil die meisten sagen: "Gott ist nicht mehr da, wenn sich was ändert." Da fragen sich viele: "Wo ist er denn eigentlich?! Und ich sage: Mittendrin in deiner Veränderung.
DOMRADIO.DE: Es kommt natürlich dazu, dass Gott auch das Prachtexemplar für den Wandel schlechthin ist. Wie kann man heute Menschen vermitteln, dass dieser Wandel positiv besetzt ist?
Terwitte: Ich glaube, dass Menschen einem vertrauen, die ihre Hoffnung auf Gott setzen, weil sie dann sehr gelassen sind und einen fremden Menschen wie einen Freund betrachten, einen Verbrecher wie jemanden, bei dem noch mehr drin ist, als er selbst sich zu glauben traut. So tun wir das in der Kirche, in der Caritas und in der Seelsorge. Wir sagen den Menschen: "Bei dir in deinem Leben sind noch viel mehr Möglichkeiten, als du glaubst. Und ich glaube für dich schon mal vorweg."
DOMRADIO.DE: Sehen die Menschen viel zu schlecht auf Veränderungen?
Terwitte: Heute wie gestern. Es ist schon so: Wenn man natürlich dieses Vertrauen auf Gott nicht haben kann, dann ist man irgendwie doch sehr verbunden mit dem, was man so hat. Und das ist auch eine Kritik an der Kirche. Ich sehe manche sehr gläubige Menschen, die Angst haben vor den Veränderungen, als ziemlich Ungläubige. Und diesen Atheismus im Kloster und mitten im Katholizismus - damit müssen wir rechnen, dass es Leuten gar nicht um die Liebe Gottes geht, sondern nur noch um die Rettung dessen, was man retten muss.
DOMRADIO.DE: Was ist denn das Gute am Konservativen?
Terwitte: Das Gute am Konservativen ist, glaube ich, dass mittendrin in dem, was wir bewahren wollen, ein Herz schlägt, das sich hat verletzen lassen. Und das lehren uns die Wandlungen. Wenn wir da verletzt werden, dann fängt es erst an, seine volle Kraft zu entfalten.
DOMRADIO.DE: Worin erkenne ich denn genau jetzt Gott in der Fastenzeit? Im Wandel?
Terwitte: Man kann Gott gar nicht erkennen mit irdischen Augen, sondern da muss man die Augen des Herzens öffnen. Und dafür braucht es ganz das Gegenteil von dem, was der Bruder Paulus ist, nämlich viel Schweigen.
DOMRADIO.DE: Ich frage trotzdem nochmal: Wie kann man denn dann Gott erkennen?
Terwitte: Sagen wir es mal so: Man kann sich auf ein Vertrauen einlassen, das Menschen über Jahrhunderte gehabt haben. Und vielleicht ist diese Kraft des Vertrauens auch in mir selbst drin. Und wenn da Maria Laach auch so ein Infektionsherd der Hoffnung für Menschen ist, dann hat Maria, glaube ich, seinen Dienst erfüllt.
Das Interview führte Bernd Knopp.