Ex-Kanzlerin Angela Merkel hat die Politik an ihre Verantwortung in einer Welt im Umbruch erinnert und sich dabei auch selbstkritisch über die eigene Bilanz im Kampf gegen den Klimawandel geäußert. "Wahr ist: In meiner Amtszeit wurde national und international Vieles auf den Weg gebracht. Das war und bleibt", sagte die ehemalige CDU-Chefin vor rund 500 Menschen bei einer Fastenpredigt im Kloster Maria Laach in Rheinland-Pfalz.
"Aber, und das ist der zweite Teil der Wahrheit: Es war nicht genug, um die Welt tatsächlich vor katastrophalen Entwicklungen der Erderwärmung zu bewahren. All das wussten und wissen wir. Aber es führte weder bei uns noch in vielen anderen Ländern zu ausreichendem Handeln."
Für sie bleibe auch nach dem Ausscheiden aus dem Amt die Frage, "ob wir Menschen tatsächlich willens und in der Lage sind, im Sinne des Vorsorgeprinzips zu handeln", sagte Merkel. Dabei gelte es, Entscheidungen zu treffen, die über die eigene Zeit hinaus reichten.
Der Kampf gegen die Erderwärmung und das weltweite Artensterben gehöre ebenso zu den drängenden Aufgaben für die Politik wie die sich verschärfende Sicherheitslage. "Auf Europa und Deutschland kommen völlig neue Aufgaben zu. Wir müssen mehr in unsere innere und äußere Sicherheit investieren. Das bedeutet unter anderem, dass unsere finanziellen Ressourcen in der Gesellschaft neu verteilt werden müssen", sagte Merkel. Jeder stehe vor der Entscheidung, sich an der Debatte konstruktiv zu beteiligen oder sich jedweder Veränderung zu verweigern oder die Kosten den kommenden Generationen aufzubürden.
Soziale Medien und Künstliche Intelligenz riefen nach Regeln, damit sie dem Menschen dienten und ihn nicht überrollten, so die Ex-Politikerin. "Die Politik muss diese Regelungen durchsetzen." Die Gesellschaft müsse sich der Frage stellen, ob sie bereit sei, sich entschieden Hass, Lügen und Verleumdungen entgegenzustellen.
Bürger sollen sich einbringen
"Es ist die Aufgabe der Politik, die notwendigen Entscheidungen zu treffen: für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger, für die soziale Gerechtigkeit in unserem Gemeinwesen und für die Bewahrung unserer Lebensgrundlagen. Aber ein demokratisches Gemeinwesen kann nur funktionieren, wenn sich in ihm auch Bürgerinnen und Bürger einbringen."
Die frühere CDU-Chefin zählt zu einer Reihe prominenter Gastredner, die in der Zeit vor Ostern in der Benediktinerabtei in der Eifel auftreten. Bundespräsident Christian Wulff wird am 18. März erwartet.