Bistümer warten auf ihren neuen Bischof

Wann kommt der Neue?

Nicht nur Osnabrück, Paderborn und Bamberg warten auf einen neuen Bischof. Weltweit sind über 200 Bischofssitze vakant. Die Gläubigen fragen sich: Wer wird der neue Bischof und warum dauert die Nachbesetzung so lange?

Autor/in:
Ina Rottscheidt
Insignien eines Bischofs: Bischofsring, Pileolus, Mitra und Bischofsstab (KNA)
Insignien eines Bischofs: Bischofsring, Pileolus, Mitra und Bischofsstab / ( KNA )

Paderborn wartet seit Oktober 2022. Im Dezember legte in Bamberg Erzbischof Schick sein Amt nieder und im März dieses Jahres trat Osnabrücks Bischof Bode zurück.

Erzbischof em. Ludwig Schick (Erzbistum Bamberg)

Seitdem sind drei Diözesen in Deutschland ohne Bischof und es wird über die Nachfolge spekuliert: In Paderborn und Bamberg könnte es möglicherweise einer aus den Nachbarbistümern werden, der dann zum Erzbischof aufstiege.

Auch Weihbischöfe oder Vertreter der obersten Bistumsspitze sind immer potentielle Kandidaten; Ludwig Schick war selbst vor seiner Ernennung zum Erzbischof Generalvikar und Weihbischof in Fulda. Und der Name Georg Gänswein wird derzeit oft gehandelt: Der langjährige Privatsekretär des verstorbenen Papst Benedikt ist gerade erst nach Deutschland zurückgekehrt und sucht noch eine neue Aufgabe.

Prof. Dr. Georg Bier / © Conny Ehm (privat)
Prof. Dr. Georg Bier / © Conny Ehm ( privat )

Aber wer entscheidet das letztendlich und warum dauert das scheinbar so lange? Eigentlich seien 12 bis 18 Monate für die Nachbesetzung eines Bischofssitzes nicht unüblich, sagt Georg Bier, Professor für Kirchenrecht an der Universität Freiburg. "Das war in den letzten Jahrzehnten, die ich überblicke, eigentlich normal", sagt er, "ich kann mich an keine Bischofsbestellung im deutschen Raum erinnern, die wesentlich zügiger vonstatten ging." Das habe vor allem mit dem Prozedere zu tun, erklärt er.

Sonderregeln im deutschsprachigen Raum

Weltweit sind der Seite catholic-hierarchy.org zufolge derzeit über 200 Bischofssitze vakant, weil ein Bischof versetzt wurde, verstorben oder zurückgetreten ist. Nicht alle sind Bistümer, bei einigen handelt es sich um apostolische Vikariate oder Militärordinariate.

Der rote Buchdeckel des Codex Iuris Canonici (CIC) / © Julia Steinbrecht (KNA)
Der rote Buchdeckel des Codex Iuris Canonici (CIC) / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Für sie alle gilt aber das kanonische Recht, der "Codex Iuris Canonici": "Der Papst ernennt die Bischöfe frei oder bestätigt die rechtmäßig Gewählten" (c. 377 § 1 CIC). Auch da, wo der Papst zuvor schon einen Koadjutor bestellt hat, also einen Bischof mit Nachfolgerecht, ist die Sache schnell klar: So folgte beispielsweise 1969 in Köln auf Erzbischof Josef Kardinal Frings binnen weniger Wochen Joseph Höffner, der zuvor schon sein Koadjutor gewesen war, um den fast erblindeten Frings zu unterstützen.

Es sind die vielen Sonderregelungen für Bischofsbestellungen im deutschsprachigen Raum, die das Prozedere in die Länge ziehen können, sagt der Kirchenrechtler Bier.

Hintergrund sind Staatskirchenverträge, sogenannte Konkordate, in denen vom universalkirchlichen Recht abweichende Regelungen vereinbart wurden und die zum Beispiel dem jeweiligen Domkapitel ein Vorschlagsrecht für die Nachfolgekandidaten einräumen. "Die Mitglieder des Domkapitels treffen sich aber tatsächlich erst nach Eintritt der Sedisdvakanz, also wenn ein Bischof verstirbt oder aus dem Amt scheidet: Erst dann wird eine solche Liste erstellt und dem päpstlichen Gesandten übermittelt, der dann seinerseits die Vorschläge nochmals prüft und an ausgewählte Personen auch Fragebögen zu den vorgeschlagenen Personen versendet, bevor der Heilige Stuhl entscheidet. Das ist natürlich ein Verfahren, das eine gewisse Zeit braucht", so Bier. Es ist weltweit einzigartig, ähnlich wie in Deutschland läuft es nur noch in den (Erz-)Bistümern Salzburg, Chur, St. Gallen und Basel.

Keine Rechtsgrundlage für Laienbeteiligung?

In Diözesen des ehemaligen preußischen und badischen Rechtsbereiches haben die Domkapitel zudem das Recht, aus einer Liste mit drei Kandidaten ("Terna"), die der Vatikan zuvor bestimmt hat, ihren neuen Bischof zu wählen. Auch das kann gelegentlich dauern: 1988 brauchte das Kölner Domkapitel mehrere Monate, weil es sich auf keinen der aus Rom vorgeschlagenen Kandidaten einigen konnte.

Joachim Kardinal Meisner wird am 12. Februar 1989 in sein Amt als Erzbischof von Köln eingeführt / © N.N. (KNA)
Joachim Kardinal Meisner wird am 12. Februar 1989 in sein Amt als Erzbischof von Köln eingeführt / © N.N. ( KNA )

Es drohte ein Machtkampf zwischen Rom, Köln und dem Land NRW als Konkordatspartner, am Ende wurde es der Wunschkandidat des Papstes, Joachim Kardinal Meisner. Die rheinischen Katholiken waren empört.

Ein weiterer Faktor, der das Prozedere beeinflusst, ist neuerdings die Beteiligung von Laien: In Paderborn hatte einem Vorschlag des Synodalen Weges entsprechend ein 14köpfiges Gremium das Domkapitel bei der Kandidatensuche beraten. In Osnabrück waren es die Mitglieder des Katholikenrates. Die finale Wahl des Bischofs nach Rückmeldung aus Rom darf aber allein das Domkapitel treffen, das hat der Vatikan bereits klargestellt.

Aus Sicht von Prof. Georg Bier gibt es für diese Laienbeteiligung keine ausreichende Rechtgrundlage: "Nach den geltenden Konkordaten ist das ausschließlich Sache des Domkapitels." Ein "Mitentscheidungsrecht", wie es der Synodale Weg fordere, könne es rein rechtlich Dritten nicht einräumen und tatsächlich müsse sich der Papst am Ende ohnehin nicht an die Vorschlagsliste des Domkapitels halten. Daher habe die Laienbeteiligung aus seiner Sicht "eher die Funktion eines Placebos."

Papst Franziskus wollte auch nicht

Aber gibt es überhaupt noch genug Kandidaten? Zahlreiche Bischöfe werden in den nächsten Jahren die Altersgrenze erreichen und aus dem Amt scheiden. Zugleich ist die Zahl der Priesterweihen seit Jahren rückläufig: Wurden im Jahr 2000 noch 154 Männer in Deutschland geweiht, waren es 2021 gerade einmal 48. Neben der persönlichen Eignung und spezifischen Anforderungen für das jeweilige Bistum muss ein Bischofskandidat auch mindestens 35 Jahre alt, seit fünf Jahren Priester sein und einen Doktor in Theologie vorweisen. Zudem sollten die Kandidaten Managerqualitäten besitzen, um ein Bistum zu leiten und gleichzeitig nach dem Willen von Franziskus als guter Hirte "einen Geruch nach Schafen" haben, also ein guter Seelsorger sein: Ein Spagat, den nicht viele schaffen.

Papst Franziskus und Kardinal Marc Armand Ouellet am 17. Februar 2022 im Vatikan / © Paul Haring/CNS photo (KNA)
Papst Franziskus und Kardinal Marc Armand Ouellet am 17. Februar 2022 im Vatikan / © Paul Haring/CNS photo ( KNA )

Und nicht jeder, der soll, will auch: 30 Prozent der vom Papst ausgewählten Geistlichen lehnten die Ernennung ab, sagte 2019 der damalige Kurienkardinal Marc Ouellet, der jahrelang der Bischofskongregation vorstand. Erst im Juli schlug der argentinische Priester Fabian Belay das Angebot aus und Franziskus selbst lehnte es während seiner Zeit in Argentinien zwei Mal ab, Bischof zu werden, weil er als Jesuit das Gelübde abgelegt hatte, nicht nach kirchlichen Titeln und Ämtern zu streben.

Noch gibt es genug Kandidaten

Kirchenrechtler Georg Bier ist gleichwohl überzeugt: Genug Kandidaten wird es immer geben. Jeder Bischof sei verpflichtet, alle drei Jahre eine Liste mit Kandidaten einzureichen, die aus seiner Sicht geeignet sind, ein Bischofsamt zu übernehmen, erklärt er.  Da sammelten sich im Laufe der Zeit doch einige an und: "Alle drei Jahre drei Namen, das sollte machbar sein!", findet er.

So wird es auch für Bamberg, Paderborn und Osnabrück wieder einen neuen Oberhirten geben, aber es kann manchmal ein bisschen länger dauern: In der norwegischen Prälatur Trondheim wurden erst 2020 zehn Jahre Sedisvakanz beendet. Und das Bistum Kreta wartet seit 1935 auf seinen neuen Bischof.

 

Quelle:
DR