Bischof Bätzing mit kritischem Blick auf die Kirche

Zweifel an Papst und Woelki?

Gegenüber dem Deutschlandfunk hat sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, zu seinen Zweifeln an Papst Franziskus, der Reformfähigkeit der Kirche und zur Zukunft des Kölner Erzbischofs geäußert.

Bischofsweihe: Kardinal Woelki und Georg Bätzing (KNA)
Bischofsweihe: Kardinal Woelki und Georg Bätzing / ( KNA )

Für den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing sind im Fall des Kölner Erzbischofs Rainer Maria Kardinal Woelki noch einige Dinge unklar. Dem Deutschlandfunk sagte Bätzing am Samstag, Woelki habe "selber gemeldet, er habe den Rücktritt angeboten - ich bin mir nicht sicher, ob das in Rom auch so angekommen ist". Er wisse nicht, "auf welche Weise das kommuniziert worden ist." Er sei auch nicht über das Rücktrittsgesuch informiert worden, der DBK-Vorsitzende spiele "in dieser Frage überhaupt keine Rolle für Rom", so Bätzing weiter: "Ich muss Ihnen ehrlich sagen, ich habe das bis heute noch nicht wirklich verstanden." Bätzing war 2016 von Kardinal Woelki in Limburg zum Bischof geweiht worden.

Bischofsweihe: Kardinal Woelki und Georg Bätzing (KNA)
Bischofsweihe: Kardinal Woelki und Georg Bätzing / ( KNA )

Woelki war am Aschermittwoch aus einer seit Oktober andauernden geistlichen Auszeit nach Köln in sein Amt zurückgekehrt. In diese hatte er sich nach anhaltender Kritik an seiner Kommunikation und seinem Umgang mit dem Missbrauchsskandal im Erzbistum Köln begeben. Anfang März machte er bekannt, dass er Papst Franziskus seinen Amtsverzicht angeboten habe. Der Papst muss noch darüber entscheiden. Bischöfe können ihr Amt nicht aus eigener Entscheidung niederlegen. Ihr Rücktritt bedarf der Annahme des Papstes. Gemäß Kirchenrecht muss ein Amtsverzicht innerhalb von drei Monaten angenommen werden. Der Papst kann allerdings jederzeit von Regeln des kirchlichen Rechts abweichen. 

Glaube an Veränderungen in der katholischen Kirche

Bätzing äußerte sich auch über die Fähigkeit der katholischen Kirche, sich zu verändern. Aktuell sei bei der Gleichberechtigung von Frauen noch reichlich Luft nach oben, sagte der Limburger Bischof. Zugleich räumte er Enttäuschungen seinerseits ein, etwa in Bezug auf Papst Franziskus. Er sagte aber auch, dass er bei unterschiedlichen Gesprächspartnern in Rom keine "Abwehrhaltung" gegenüber der Situation der Kirche in Deutschland und dem Wunsch nach Reformen festgestellt habe.

Für Veränderungen in Deutschland verwies Bätzing unter anderem auf den Reformprozess Synodaler Weg. Man sei dabei, das Miteinander von Bischöfen und Laien so zu stärken, "dass die bischöfliche Gewalt eingehegt, verantwortet, begrenzt und kontrolliert wird". Dass die verpflichtende Ehelosigkeit von Priestern falle oder Frauen Priesterinnen werden könnten, werde es erst mal nicht geben: "Das wird in den nächsten fünf Jahren nicht kommen. Dazu brauchte es ja Konzilien."

Der Bischof betonte mit Blick auf die Lehre der Kirche, fehlende Akzeptanz bei Gläubigen und mögliche Veränderungen insgesamt: "Ich setze mich nicht in den Sessel und sage, das ist jetzt so; sondern dafür gebe ich wirklich einen Großteil meiner Kraft. Und ich glaube, dass es zu Veränderungen kommen wird."

Im Papst getäuscht?

Bätzing warb dafür, "alle Möglichkeiten der Gleichberechtigung zu schaffen, die wir jetzt schon schaffen können"; dafür gebe es "gehörigen Spielraum nach oben". 2013 habe die Bischofskonferenz "ja sozusagen ein Quorum für Leitungspositionen" aufgestellt. "Da sind wir nah dran. Aber da müssen wir noch ganz viel tun. Ich möchte Frauen in alle Leitungspositionen übernehmen, haben, hineinbringen, die sie in der Kirche ausüben können." Auch wandte sich Bätzing gegen eine Diskriminierung von Homosexuellen.

Papst Franziskus und Bischof Georg Bätzing / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Franziskus und Bischof Georg Bätzing / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Die Frage nach Frauen im Amt werde nicht geringer, nur weil der Papst eine andere Position vertrete, gab der Limburger Bischof zu bedenken. "Ich gebe zu, ja, der Papst enttäuscht mich auch, aber im Sinne einer Täuschung." Der Papst sei in der katholischen Kirche - selbst "mit allem Recht, was ihm zustünde", nicht derjenige, "der die Kirche vom Kopf auf die Füße stellen könnte"; auch wenn man sich das wünsche.

Der Papst tue, was er kann, so Bätzing: "Er bringt nämlich einen Prozess in Gang, wo all diese Fragen auf den Tisch kommen." Hierzulande zeige man, "wie man Glauben leben kann und organisieren kann, in einer pluralen, freiheitlichen Gesellschaft. Das muss erst mal jemand nachmachen", so der Bischofskonferenzvorsitzende. In Rom gebe es eine "bestimmte Optik" auf die Kirche in Deutschland, erläuterte Bätzing. "Die Reformation steckt Rom bis heute in den Knochen. Und wenn die 'Synodaler Weg' hören oder 'gemeinsam am Tisch des Herrn', dann sehen die Tendenzen: Oje, Reformation 2.0. Das engt den Blick ein von vielen, die in Rom sind." Dort gebe es in "verantwortlichen Positionen" nicht genügend Menschen, die die Lage in Deutschland gut genug kennten, "um dort vor Ort wirklich ein Bild zu transportieren, das der Wirklichkeit entspricht".

Namensnennung einer Betroffenen war "grober Fehler"

Bätzing äußerte sich auch zu Bischof Stephan Ackermann. Die Offenlegung des Klarnamens einer unter Pseudonym bekannten Betroffenen sexueller Übergriffe sei ein "grober Fehler" gewesen. Das habe der Trierer Bischof aber "ja gleich gesagt", betonte Bätzing und verwies darauf, dass Ackermann Mitte Mai ankündigte das Amt des Missbrauchsbeauftragten der Deutschen Bischofskonferenz, das er 2010 übernommen hatte, zur Herbstvollversammlung im September in Fulda abgeben zu werden. Es brauche "eine neue Aufstellung". Er, Bätzing, habe persönlich "sehr ausführlich" mit Ackermann darüber gesprochen; "auch, um wissen zu können, wie er agiert und wie er das einschätzt".

Ein solcher "grober Fehler" habe nicht vorkommen dürfen, sagte der Bischof von Limburg; und weiter: "Sind wir in der Lage sagen zu können, es gibt keine Fehler mehr? Auch mit solchen Konsequenzen? Auch, dass dann Betroffene wirklich noch mal tief traumatisiert und berührt sind? Ich kann Ihnen das nicht versprechen."

Es brauche möglichst bald eine breitere Verantwortungsstruktur, damit die Kirche in Deutschland der Vielschichtigkeit der Missbrauchsthematik künftig noch mehr gerecht werden könne, erklärte Ackermann damals. Bätzing hatte gesagt, ohne Ackermanns Wirken seien etwa die Interventions- und Präventionsordnung der Bischofskonferenz und andere Dokumente nicht denkbar, insbesondere die 2018 veröffentlichte MHG-Studie zu sexuellem Missbrauch an Minderjährigen.

Bischof Stefan Ackermann / © Harald Tittel (dpa)
Bischof Stefan Ackermann / © Harald Tittel ( dpa )

Ackermann war als Beauftragter federführend mit der Aufarbeitung von Missbrauch in der Kirche befasst. Gemeinsam mit dem damaligen Beauftragten der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, erarbeitete er für die Bischofskonferenz eine 2020 verabschiedete Kriterien zur strukturellen Aufarbeitung in allen deutschen Diözesen.

Zuletzt geriet Ackermann massiv unter Kritik, weil er den Klarnamen einer Betroffenen offengelegt hatte. Die Frau aus dem Bistum Trier, die selbst Angestellte des Bistums ist, hatte als "Karin Weißenfels" mehrfach von "geistlichem Missbrauch" und sexuellen Übergriffen durch einen Priester vom Ende der 1980er bis Anfang der 2000er Jahre berichtet.

Ackermann hatte ihren bürgerlichen Namen vor etwa 40 Mitarbeitenden des Bistums genannt. Er unterschrieb danach eine Unterlassungserklärung und bat die Frau um Entschuldigung. Betroffeneninitiativen und der Betroffenenbeirat der Bischofskonferenz kritisierten Ackermanns Verhalten und legten ihm den Rücktritt nahe.

Rücktritt von Speyerer Generalvikar war "großer Schock"

Den Rücktritt des Speyerer Generalvikars Andreas Sturm bezeichnete Bätzing als einen großen Schock. Der ehemalige Verwaltungschef des Bistums habe "kraftvoll" an Veränderungen in der Kirche gearbeitet, Sturms Wort habe "Gewicht, wenn jemand in dieser Position und mit dieser Kraft sagt, ich vertraue nicht darauf, dass es gut weitergehen kann, dann irritiert das sehr viele Menschen. Das spüre ich im Moment. Das ist überall Thema."

Der Limburger Bischof sagte, er bedauere sehr, dass es Gegnern von Veränderungen "Wasser auf die Mühle" gebe: "Ich bekomme Mails, in denen steht: 'Der hat es richtig gemacht. Die Kirche ist nicht zu verändern. Sie soll nicht verändert werden. Und bitte gehen Sie auch. Dann haben wir ein Problem weniger und Sie auch.' Das ist bitter für mich", betonte Bätzing.

Andreas Sturm (Bistum Speyer)

Auf die Frage, ob es auch für ihn eine Schmerzgrenze gebe, an dem er sage, wenn sich nichts ändere, dann wolle er nicht mehr Bischof sein, sagte Bätzing: "Ja, die gäbe es, wenn ich den Eindruck hätte, dass sich nichts ändert. Aber ich habe den Eindruck, es ändert sich im Moment gravierend viel."

Der 47-jährige Sturm war Mitte Mai zurückgetreten. Er wolle künftig als Priester in der alt-katholischen Kirche tätig sein, schrieb er in einer persönlichen Erklärung. "Ich habe im Lauf der Jahre Hoffnung und Zuversicht verloren, dass die römisch-katholische Kirche sich wirklich wandeln kann." Sein Nachfolger im Amt des Generalvikars ist der 57-jährige Markus Magin.

Die Voten des Synodalen Wegs im Überblick

Bei der dritten Vollversammlung des Synodalen Wegs in Frankfurt haben die Teilnehmenden erstmals konkrete Beschlüsse zu Reformen in der Kirche gefasst. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) fasst nachfolgend wesentliche Inhalte und Abstimmungsergebnisse zusammen:

Eine Hand hält ein Gerät für die digitale Abstimmung am 5. Februar 2022 in Frankfurt. / © Julia Steinbrecht (KNA)
Quelle:
DLF , DR , KNA