Ausstellung zur Gründung des Bistums Rottenburg

Zeitreise im Haus der Geschichte

Die Gründung des Bistums Rottenburg vor 200 Jahren ist Thema einer Ausstellung im Stuttgarter Haus der Geschichte. Präsentiert werden dabei Dokumente mit einer überraschenden Aktualität. Zur Eröffnung kommt auch Bischof Gebhard Fürst.

Dom Sankt Martin in Rottenburg / © SSKH-Pictures (shutterstock)
Dom Sankt Martin in Rottenburg / © SSKH-Pictures ( shutterstock )

Die Geschichte wirkt nach: Eine kleine Ausstellung im Stuttgarter Haus der Geschichte Baden-Württembergs erzählt die Geschichte der Gründung des Bistums Rottenburg-Stuttgart - und präsentiert dabei Dokumente, die bis heute nachwirken und erstaunlich aktuell sind.

Bistum vor 200 Jahren neu errichtet

Nach zäher Diplomatie hatte der Papst vor 200 Jahren die neuen Bistümer Freiburg und Rottenburg errichtet, das altehrwürdige Bistum Konstanz mit einem Federstrich ausradiert und die bis heute bestehende Oberrheinische Kirchenprovinz begründet.

Zu sehen ist in Stuttgart das Original des auf den 16. August 1821 datierten Dokuments "Provida solersque". Verfasst ist das rund 40-seitige Papier mit Bleisiegel und gelb-rotem Band von "PIUS PAPA VII" in der Schrift bollatica, die üblicherweise für solche Anordnungen verwendet wurde und einen großen Nachteil hat: Sie ist - außer für Experten - nicht lesbar.

Diözese Rottenburg-Stuttgart (dpa)
Diözese Rottenburg-Stuttgart / ( dpa )

Die Neuordnung im deutschen Südwesten liegt in den Umwälzungen der Französischen Revolution, der Säkularisierung - also der Aufhebung des Kirchenbesitzes - und der europäischen Neuordnung nach Napoleons Niederlage begründet. In der Folge war es das Interesse der württembergischen Könige, dass ihr Herrschaftsgebiet mit den kirchlichen Strukturen übereinstimmte. Man wollte sich - auch gerade kirchlich - nicht von außen hineinreden lassen und gerne alles vor Ort unter Kontrolle haben. Fünf Diözesen mussten Gebiete abtreten, damit das Bistum Rottenburg entstehen konnte.

Fundationsurkunde sichert Bistum finanziell ab

Im Gegenzug erließ das Königreich 1828 eine Fundationsurkunde, die das neue Bistum finanziell absicherte. Festgelegt sind in dem jetzt ebenfalls im Original gezeigten Schriftstück die Gründung einer Katholisch-Theologischen Fakultät in Tübingen und andere Zahlungen, die seit einiger Zeit unter dem Begriff "Staatsleistungen" an die Kirchen wieder verstärkt und heftig diskutiert werden. Zu den damaligen Gaben des Staates gehörten auch goldene liturgische Gefäße für die zum Dom aufgewertete Rottenburger Kirche Sankt Martin, die ebenso wie die Krümme des Bischofsstabes des ersten Oberhirten Johann Baptist von Keller (1774-1845) zu sehen sind.

Zwischen der formalen Errichtung der beiden Diözesen im Südwesten und dem Beginn der realen Arbeit vergingen Jahre. Dies mag ein Grund sein, warum die Bistümer so gut wie kein Aufheben um den runden Jahrestag gemacht haben und die 200-Jahr-Feiern der Diözesen lieber mit der Einsetzung der ersten Bischöfe 1827 und 1828 verbinden.

Bischof Gebhard Fürst / © Julia Steinbrecht (KNA)
Bischof Gebhard Fürst / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Eingebettet ist die coronabdingt im Vorjahr verschobene Sonderschau in die landesgeschichtliche Dauerausstellung des Hauses der Geschichte. Die sechs Vitrinen, die die Geschichte der badischen Erzdiözese weitestgehend ignorieren, stehen unmittelbar neben dem Bereich, der sich mit Glauben und Religion im Südwesten insgesamt befasst. Offiziell eröffnet wird die Schau am Samstag. Rund 100 Personen werden erwartet, darunter der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst.

Bistum Rottenburg-Stuttgart

Dom St. Martin in Rottenburg / © Uwe Renz (Bistum Rottenburg-Stuttgart)

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart umfasst mit ihren 1020 Kirchengemeinden und 1,8 Millionen Mitgliedern den württembergischen Landesteil Baden-Württembergs, und ist bundesweit die viertgrößte Diözese.

Autor/in:
Michael Jacquemain
Quelle:
KNA