Archäologen finden bislang ältestes Mithras-Heiligtum Bayerns

Sensationsfund bei Bauarbeiten

Bei einer Grabung in der Regensburger Innenstadt haben Archäologen das bisher älteste in Bayern bekannte Mithras-Heiligtum entdeckt. Es handelt sich um eine der wichtigsten Neuentdeckungen zum römischen Regensburg der letzten Jahre.

Arbeitsgeräte von Archäologen / © kray_obrazov (shutterstock)
Arbeitsgeräte von Archäologen / © kray_obrazov ( shutterstock )

Das Heiligtum stammt demnach aus der Zeit zwischen 80 und 171 nach Christus, wie Münzfunde gezeigt hätten. Das teilte die Stadt Regensburg mit. Damals gab es im heutigen Regensburg-Kumpfmühl schon eine römische Militäranlage, das sogenannte Kohortenkastell. Die ersten Spuren hat laut Mitteilung ein Team von Archäologen bei routinemäßigen Grabungen vor dem Bau neuer Wohnungen gefunden. Zunächst sei jedoch nicht klar gewesen, worum es sich handle, da die Baugrube eng gewesen sei und die Forscher nur in mehreren getrennten Etappen hätten graben können. 

Regensburg / © saiko3p (shutterstock)

Dass es sich um einen Tempel für den römischen Gott Mithras handeln muss, sei erst bei der Zusammenschau der Funde klar geworden. Neben den Münzen habe man einen Weihestein, Reste von Votivblechen und Beschläge eines Schreins gefunden. Zudem hätten Keramikscherben, Räucherkelche und Henkelkrüge auf den Mithras-Kult hingewiesen. Vom Tempel selbst, der aus Holz bestand, sei wenig erhalten. 

Ältestes von neun Heiligtümern in Bayern

Der Fund sei in doppelter Hinsicht einzigartig, sagte Maximilian Ontrup, Experte für provinzialrömische Archäologie bei den Museen der Stadt Regensburg: "Zum einen ist das Regensburger 'Mithräum' das erste Heiligtum aus römischer Zeit, das überhaupt in der Altstadt identifiziert wurde. Und überregional ist es das älteste von insgesamt neun, die in Bayern bisher entdeckt worden sind." Der Tempel und sein Inventar lieferten neue Erkenntnisse zu Kultpraxis und Kultgeschehen und damit zum Verständnis des immer noch geheimnisvollen Mithras-Kults insgesamt.

Die Stadt Regensburg und das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege wollen ein Projekt zur Auswertung der Funde nun verlängern. Die Objekte sollen an die Museen der Stadt Regensburg gehen. Der Mithraskult war eine im Römischen Reich verbreitete Mysterienreligion, die den Gott Mithras verehrte und nur eingeweihten Männern zugänglich war. Das zentrale Kultbild zeigte Mithras, der einen Stier tötet. Die Rituale fanden in unterirdischen Kulträumen statt. Seine Blütezeit begann ab dem Ende des 2. Jahrhunderts, bevor er im Laufe des 4. und frühen 5. Jahrhunderts wie andere Kulte vom Christentum verdrängt wurde.

Quelle:
KNA