Alt-katholischer Bischof warnt vor zu hohen Erwartungen

Nicht "die beste aller Kirchen"

Der alt-katholische Bischof von Deutschland, Matthias Ring, warnt vor zu hohen Erwartungen an seine Kirche. Gleichzeitig sieht er im Dialog mit der römisch-katholischen Kirche noch viel Luft nach oben.

Matthias Ring, Bischof des Katholischen Bistums der Alt-Katholiken in Deutschland / © Harald Oppitz (KNA)
Matthias Ring, Bischof des Katholischen Bistums der Alt-Katholiken in Deutschland / © Harald Oppitz ( KNA )

Menschen, die auf Grund von Enttäuschung von der römisch- zur alt-katholischen Kirche wechselten, neigten manchmal dazu, diese "als die beste aller Kirchen" zu idealisieren, sagte Ring am Donnerstag dem Portal katholisch.de. "Und dann erleben sie, dass es auch in dieser besten aller Kirchen Konflikte gibt, und dass nicht alles bestens ist."

Angst vor den Altkatholiken?

In der vergangenen Woche war der Speyerer Generalvikar Andreas Sturm von seinem Amt zurückgetreten und hatte gleichzeitig angekündigt, sich der alt-katholischen Kirche anschließen zu wollen. Er habe "im Lauf der Jahre Hoffnung und Zuversicht verloren, dass die römisch-katholische Kirche sich wirklich wandeln kann", schrieb Sturm in einer persönlichen Erklärung.

Bischof Ring äußerte sein Unverständnis darüber, dass die Alt-Katholiken auf Grund der Übertritte nun argwöhnisch betrachtet würden. "Es bewegt sich alles auf einem Niveau, das für die römisch-katholische Kirche nicht existenzgefährdend ist, und trotzdem habe ich manchmal den Eindruck, dass man große Angst vor uns hat", erklärte er.

Im vergangenen Jahr habe die Beitrittszahl in Deutschland zwar doppelt so hoch wie im Vorjahr gelegen, mit insgesamt 380 Menschen sei sie aber "mit Blick auf die Austrittszahlen der großen Kirchen geradezu lächerlich".

Auswirkungen der Krise der römisch-katholischen Kirche

Trotz einiger Berührungspunkte und etwa der Erlaubnis, in manchen Diözesen auch alt-katholische Priesterweihen in römisch-katholischen Kirchen durchführen zu dürfen, sieht Ring generell "noch viel Luft nach oben" im Dialog mit der "Schwesterkirche". "Das Verhältnis hat sich entspannt, aber von einer lebendigen Beziehung würde ich noch nicht sprechen."

Aus Sicht des Bischofs wirken sich die Krisen einer Kirche hingegen auch auf andere Glaubensgemeinschaften aus. "Wenn die römisch-katholische Kirche an Ansehen in der Gesellschaft verliert, dann verlieren alle Kirchen an Ansehen. Am Ende wird nicht ökumenisch-konfessionell differenziert", betonte Ring.

So spürten auch die Alt-Katholiken den Vertrauensverlust der römisch-katholischen Kirche durch die Missbrauchsfälle und deren teilweise nicht adäquate Aufarbeitung. "Ich nehme zum Beispiel wahr, je nach Region unterschiedlich, dass in der Politik, in den Kommunen, das Verständnis für kirchliche Anliegen unterschiedlich stark vorhanden ist und bisweilen zurückgeht."

Alt-katholische Kirchen

Die alt-katholischen Kirchen entstanden Ende des 19. Jahrhunderts durch Abspaltungen von der römisch-katholischen Kirche. Dieser Schritt geschah aus Protest gegen wesentliche Beschlüsse des Ersten Vatikanischen Konzils (1869/70). Dort wurde verbindlich die päpstliche Unfehlbarkeit in Fragen von Glauben und Sitte verkündet. Zudem schrieb das Konzil die oberste Leitungsgewalt des Papstes in der Kirche fest. Die Alt-katholiken wollten sich von dem neuen Dogma absetzen, das sie als Bruch mit alten Glaubensüberlieferungen sahen.

Ein altkatholischer Priester / © Harald Oppitz (KNA)
Ein altkatholischer Priester / © Harald Oppitz ( KNA )

Quelle:
KNA
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