Ex-Benediktiner Bilgri als Priester für Altkatholiken tätig

Demokratisch entschieden

Anselm Bilgri, früherer Prior des Benediktinerklosters Andechs und seit Dezember 2020 Altkatholik, darf wieder als Priester tätig sein. Die altkatholische Gemeinde Sankt Willibrord in München hatte ihn einstimmig dafür vorgeschlagen.

Altkatholischer Gottesdienst / © Cornelis Gollhardt (KNA)
Altkatholischer Gottesdienst / © Cornelis Gollhardt ( KNA )

Der Eingabe für die Zulassung zu den geistlichen Ämtern erfolgte bei einer Gemeindeversammlung, teilte das Pfarramt am Freitag mit. Der Bischof der altkatholischen Kirche in Deutschland, Matthias Ring, habe diese Zulassung am 13. April bestätigt. Mit Bilgri seien zwei weitere Priester und eine Priesterin in der Gemeinde ehrenamtlich tätig, heißt es.

Archivbild: Anselm Bilgri / © Lino Mirgeler (dpa)
Archivbild: Anselm Bilgri / © Lino Mirgeler ( dpa )

Seinen Wechsel zu den Altkatholiken hatte Bilgri unter anderem auch mit der Hoffnung begründet, künftig neben seiner Vortragstätigkeit wieder als Priester wirken zu können. Dies sei ihm zuletzt, nachdem er 2004 Kloster Andechs verlassen hatte, in der römisch-katholischen Kirche verwehrt geblieben.

Demokratisch organisiert

Seit 2008 ist Bilgri als Vortragender, Buchautor, Coach und Mediator selbstständig. Da die altkatholische Kirche demokratisch organisiert ist, brauchte er die Zustimmung der Gemeinde zur Ausübung seines geistlichen Dienstes.

Die altkatholische Kirche gründete sich eigenen Angaben zufolge vor 125 Jahren, weil viele Katholiken der deutschsprachigen Länder die Neuerungen des Ersten Vatikanischen Konzils nicht mitmachen wollten.

Altkatholischer Gottesdienst in Bonn / © Cornelis Gollhardt (KNA)
Altkatholischer Gottesdienst in Bonn / © Cornelis Gollhardt ( KNA )

Dort wurde die Unfehlbarkeit des Papstes zum Dogma erhoben. Seither habe diese Kirche eine eigenständige Praxis entwickelt: Das oberste Gremium ist die Synode, die mehrheitlich aus Laien besteht und den Bischof wählt. Sehr bald sei auch der Pflichtzölibat abgeschafft und die Liturgie in der Landessprache gefeiert worden. In den 1990er Jahren habe die erste Frau bei den Alt-Katholiken die Priesterweihe empfangen.

Altkatholische Kirchen

Die altkatholischen Kirchen entstanden Ende des 19. Jahrhunderts durch Abspaltungen von der römisch-katholischen Kirche. Dieser Schritt geschah aus Protest gegen wesentliche Beschlüsse des Ersten Vatikanischen Konzils (1869/70). Dort wurde verbindlich die päpstliche Unfehlbarkeit in Fragen von Glauben und Sitte verkündet. Zudem schrieb das Konzil die oberste Leitungsgewalt des Papstes in der Kirche fest. Die Altkatholiken wollten sich von dem neuen Dogma absetzen, das sie als Bruch mit alten Glaubensüberlieferungen sahen.

Ein altkatholischer Priester / © Harald Oppitz (KNA)
Quelle:
KNA