Altkatholische Generalvikarin will keine Einheit mit Katholiken

"Im Dialog bleiben"

Die erste Generalvikarin der altkatholischen Kirche in Deutschland, Anja Goller, hält eine "Wiedervereinigung" mit der katholischen Kirche nicht für erstrebenswert: "Eine Vereinigung ist sicher nicht das Ziel", sagte die Priesterin in einem Interview.

Ein altkatholischer (l.) und ein katholischer Priester in einem ökumenischen Gottesdienst / © Harald Oppitz (KNA)
Ein altkatholischer (l.) und ein katholischer Priester in einem ökumenischen Gottesdienst / © Harald Oppitz ( KNA )

Goller ist seit September 2020 die erste altkatholische Generalvikarin in Deutschland. "Ein gutes, akzeptiertes Miteinander wäre schon sehr viel wert", betonte sie im Gepräch mit dem Portal katholisch.de (Donnerstag) weiter: "Mit einer gewissen Offenheit, dem anderen gegenüber und der Akzeptanz, dass beim jeweiligen Gegenüber so manches anders ist - und das auch so sein darf."

Im Miteinander der altkatholischen und der römisch-katholischen Kirche beobachtet Goller "tolle Kooperationen" bei der Ökumene an der Basis, in den Kirchengemeinden. Aber zugleich gebe es auch Beziehungen mit katholischen Pfarreien, die eher problematisch seien.

Kein festes Ziel vor Augen

Auf der offiziellen Ebene zwischen den Kirchen seien in den letzten Jahren zwei große Dialogpapiere zum Thema Kirche und Kirchengemeinschaft verabschiedet worden: "Wir sind jetzt aber an einem Punkt angelangt, an dem wir mit den Katholiken im Dialog bleiben, aber kein festes Ziel mehr vor Augen haben."

Problematisch bewertete die Geistliche die Rolle von Frauen in der katholischen Kirche. Sie fände es "frustrierend, wenn aufgrund meines Frau-Seins an irgendeiner Stelle in der kirchlichen Hierarchie Schluss wäre - egal, ob ich etwas leiste oder nicht". Aus ihrer Sicht ist das Diskriminierung.

Ihrer Ansicht nach ändern die Bemühungen der katholischen Kirche, Frauen den Zugang zu Führungspositionen zu ermöglichen, nichts an der Grundproblematik, dass die entscheidenden Weihe-Ämtern dem weiblichen Geschlecht verwehrt werden. "Es ist gut, dass Frauen mehr dürfen und eine Karrieremöglichkeit aufgezeigt bekommen, aber der Grundgedanke, dass es aufgrund des biologischen Geschlechts so etwas wie eine unüberwindbare Mauer gibt, ist für mich mehr als schwierig", so Goller.

Frauen zum Priesteramt zugelassen

Die altkatholischen Kirchen entstanden Ende des 19. Jahrhunderts durch Abspaltungen von der römisch-katholischen Kirche. Dieser Schritt geschah aus Protest gegen wesentliche Beschlüsse des Ersten Vatikanischen Konzils (1869/70). Dort wurde verbindlich die päpstliche Unfehlbarkeit in Fragen von Glauben und Sitte verkündet.

In Deutschland gibt es rund 16.000 Altkatholiken, verteilt auf rund 100 Gemeinden. Seit 1994 sind in der altkatholischen Kirche in Deutschland auch Frauen zum Priesteramt zugelassen.

Quelle:
KNA
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