Aachener Bischof bestürzt über Ausmaß der Missbrauchskrise

Auch der Aachener Bischof Helmut Dieser hat sich angesichts der Erkenntnisse des Münchner Missbrauchsgutachtens bestürzt gezeigt. Im Blick auf die Schuldfrage wünscht sich Bischof Dieser klarere Verhältnisse.

Münchner Missbrauchsgutachten, Westpfahl, Spilker, Wastl, WSW / © Sven Hoppe/dpa-POOL (KNA)
Münchner Missbrauchsgutachten, Westpfahl, Spilker, Wastl, WSW / © Sven Hoppe/dpa-POOL ( KNA )

In seiner Predigt am dritten Sonntag im Jahreskreis im Aachener Dom sagte der Aachener Bischof laut Redeskript, es bestürze ihn und mache ihn traurig, aber auch wütend, "wie unabsehbar das ganze Ausmaß der Einzelschicksale ist, und damit untrennbar verbunden auch das Ausmaß von Versagen der Führung, die bei den Bischöfen und ihren Verwaltungen lag und liegt." Weiter beklagte Bischof Dieser die damit verbundene "Unfähig­keit, die eigene Verantwortung bei sich selbst zu spüren und Schuld einzugestehen und Vergebung zu er­bitten oder wenigstens Bedauern und Schmerz über den eigenen An­teil an der Tragödie auszudrücken."

Helmut Dieser, Bischof von Aachen, 2020 / © Julia Steinbrecht (KNA)
Helmut Dieser, Bischof von Aachen, 2020 / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Dass auch der frühere Papst Benedikt das noch nicht getan habe, dürfe nicht sein letztes Wort dazu sein, so der Aachener Bischof.

Aus der Vergangenheit lernen

"Es kann nicht dabei bleiben, dass Verantwortliche sich flüchten in Hinweise auf ihr Nichtwissen oder auf damalige andere Verhältnisse oder andere Vorgehensweisen. Denn deswegen wurden doch damals Täter nicht gestoppt und Kinder weiter von ihnen missbraucht!", mahnte der Aachener Bischof in seiner Predigt.

Bischof Helmut Dieser

"Es kann nicht dabei bleiben, dass Verantwortliche sich flüchten in Hinweise auf ihr Nichtwissen oder auf damalige andere Verhältnisse oder andere Vorgehensweisen."

"Auch Bischöfe, auch ein ehemaliger Papst, können schuldig werden, und in bestimmten Situationen müssen sie das auch öffentlich beken­nen, nicht nur im Gebet vor Gott oder im Sakrament in der Beichte."

Er sei aber "nicht der Richter und spreche kein Urteil über andere," erklärte Bischof Dieser. "Wer keine Schuld bei sich sieht, der kann auch nicht dazu ge­zwun­gen werden. Aber die anderen können und müssen sich doch da­von distanzieren dürfen!"

Missbrauchsgutachten: Schwere Vorwürfe gegen Benedikt XVI. und Kardinal Marx

Das lange erwartete Missbrauchsgutachten für das Erzbistum München-Freising belastet amtierende und frühere Amtsträger schwer, darunter auch den emeritierten Papst Benedikt XVI.

Joseph Ratzinger habe sich in seiner Amtszeit als Münchner Erzbischof (1977-1982) in vier Fällen fehlerhaft verhalten, heißt es in der am Donnerstag in München vorgestellten Untersuchung der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW). Erzbischof Kardinal Reinhard Marx, werfen die Anwälte unter anderem vor, sich nicht ausreichend um Fälle sexuellen Missbrauchs gekümmert zu haben.

Münchner Missbrauchsgutachten / © Sven Hoppe/DPA-Pool (KNA)
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