Piusbrüder
Piusbrüder beschäftigen Papst Franziskus
KNA-Chefredakteur Ludwig Ring-Eifel
KNA-Chefredakteur Ludwig Ring-Eifel

06.04.2017

Warum Franziskus sich so um die Piusbruderschaft bemüht Schleichende Wiederaufnahme?

Der Vatikan hat aktuell der als traditionalistisch geltenden Piusbruderschaft die kirchenrechtlich legale Trauung ermöglicht. Dies ist wohl ein weiterer Schritt hin auf eine vollständige Integration in die Amtskirche.

Auf den ersten Blick scheinen der nach Reformen strebende Papst und die Priesterbruderschaft St. Pius X. so gar nicht zueinander zu passen: Franziskus trifft sich regelmäßig mit Vertretern anderer Konfessionen und Religionen, strebt eine umfassende Reform der Kurie an und lehnt jede Form von Prunk und übertriebener Feierlichkeit ab. Die Bruderschaft hingegen hält nichts von Religionsfreiheit und feiert die Messe ausschließlich in der klassischen Form nach den Büchern, die bis zur Erneuerung der Liturgie durch Papst Paul VI. gültig waren. Das Zweite Vatikanische Konzil mit seinen Beschlüssen ist für die Gruppierung der Hauptgrund für die derzeitige Kirchenkrise. Und doch: Die jetzt erteilte Erlaubnis für legale Trauungen ist nur einer von vielen Schritten, die Franziskus auf die Piusbrüder zugegangen ist.

Keine Parallelkirche erwünscht

"Der Papst will nicht, dass bei den Piusbrüdern eine Parallelkirche mit eigenen Sakramenten und Kirchenordnung entsteht", erklärt Ludwig Ring-Eifel, Chefredakteur der Katholischen Nachrichtenagentur und Vatikanexperte. Franziskus gehe es um das Seelenheil der Menschen, die sich katholisch fühlten, aber eben auch traditionalistisch orientiert seien. Franziskus sei vor allem an der Seelsorge interessiert, erklärt Ring-Eifel. Die Seelsorge der Piusbrüder in ihrer speziellen Klientel schätze der Papst durchaus und sei gegen die Gruppierung schon als Erzbischof in Argentinien nicht aktiv vorgegangen. Wer bei den Piusbrüdern heiratet, kann dies nun im Einklang mit der Katholischen Kirche tun. 

Vertreten die Piusbrüder das "richtige" Eheverständnis?

Doch wie sieht es eigentlich mit dem Eheverständnis der gern als "ultrakonservativ" titulierten Gruppe aus? Bei der so genannten Ehezwecklehre hat es eine Akzentverschiebung beim Zweiten Vatikanischen Konzil gegeben. Seitdem sind "die Zeugung und Erziehung von Nachkommenschaft" und das "Wohl der Gatten" die beiden gleichrangigen Ehezwecke. Vorher lag der Schwerpunkt mehr auf der Zeugung der Nachkommen. Der Paderborner Moraltheologe Prof. Dr. Peter Schallenberg glaubt auf Nachfrage von domradio.de nicht, dass die Piusbrüder ein Problem mit dem Eheverständnis des Zweiten Vatikanischen Konzils hätten – die leichte Verschiebung der Ehezwecklehre sei damals eher "pastoral" gewesen als substantiell. Der entsprechende Text "Gaudium et spes" des Konzils bezöge sich eindeutig auf die Aussagen des Trienter Konzils – und das findet uneingeschränkte Zustimmung bei den Piusbrüdern.

Sakramente helfen bei der Rückkehr

Papst Franziskus holt die Piusbrüder auf der praktischen Ebene der Sakramente wieder zurück in die Kirche, glaubt KNA-Chefredakteur Ludwig Ring-Eifel. Nach der Anerkennung der Taufe, der Beichte und jetzt der Trauung hält er es auch für möglich, dass auch bald die Priesterweihe anerkannt wird.

Vor allem die verbotenen Weihen hatten den Streit zwischen Rom und der Gruppierung immer wieder angefacht. Doch auch hier zeigt sich eine Annäherung. Der Vatikan habe in der Vergangenheit Priesterseminare der Piusbruderschaft besucht und sich die Ausbildung zeigen und erklären lassen, berichtet Ring-Eifel. Walter Kardinal Brandmüller sei bei dem Priesterseminar Herz Jesu der Piusbruderschaft in Zaitzkofen gewesen und habe einen sehr wohlwollenden Bericht an den Vatikan weitergegeben, so Ring-Eifel.

Franziskus holt sich lautstarke Kritiker in die Kirche zurück

Wenn die derzeitigen Zeichen auf Verständigung hinweisen, weiß Franziskus dennoch sehr gut, wen er sich da in seine Kirche zurückholt: "Da braucht man sich nichts vormachen, die Piusbrüder werden in ihrer fundamentalen, konservativen Kritik nicht nachlassen", ist sich der langjährige Rom-Korrespondent sicher. "Sie sehen sich als Korrektiv gegen bestimmte Fehlentwicklungen in der Kirche – der Papst handelt sich so eine Menge an innerkirchlicher Opposition von rechts ein – doch das scheint ihn nicht groß zu stören." Vielleicht ist das wieder typisch für Franziskus, dass er für eine seelsorgliche Lösung zugunsten der Gläubigen Ärger in der Kirche in Kauf nimmt.

Provokationen prallen an Franziskus ab

Den hatte es in der Vergangenheit bereits genug gegeben. Die Rücknahme der Exkommunikation von vier Piusbrüdern 2009 durch den damaligen Papst Benedikt hatte für Schlagzeilen gesorgt, weil darunter mit Richard Williamson ein Holocaust-Leugner war. Die Versuche von Benedikt XVI., auf der theologischen Ebene eine Einigung mit den Piusbrüdern zu erzielen, liefen überwiegend ins Leere.

Franziskus konzentriert sich lieber auf die Seelsorge und konkrete Fragen wie der nach der Gültigkeit von Eheschließungen – dieses praktische Vorgehen scheint mehr Erfolg zu haben mit Blick auf eine baldige vollständige Wiedereingliederung der Piusbrüder. Dass Franziskus im Ruf steht, ein Reformer oder gar liberal zu sein, das ist für Vatikan-Experte Ring-Eifel dabei nicht entscheidend: "Egal wie ein Papst kirchenpolitisch aufgestellt ist – ob er links oder rechts, fortschrittlich oder konservativ ist – jeder Papst hat die vornehmliche Aufgabe, die Einheit der Kirche zu wahren oder wiederherzustellen." Jetzt mache Franziskus jeden nur möglichen Schritt, um die Piusbrüder wieder komplett in die Kirche zurückzuführen. Denn auch unter dem argentinischen Papst gilt: Eine Kirchenspaltung will im Vatikan niemand!

Mathias Peter
(DR)

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