Peter Neher
Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes

17.10.2021

Caritas fordert Bildungsoffensive für junge Menschen Armut entgegensteuern

Zum internationalen Tag zur Beseitigung der Armut an diesem Sonntag fordern Sozialverbände die kommende Bundesregierung auf, eine Bildungsoffensive für benachteiligte junge Menschen in die Koalitionsverhandlungen aufzunehmen.

"Die neue Bundesregierung muss die Armut junger Menschen stärker bekämpfen, gerade jetzt in und nach der Corona-Pandemie", erklärten der Deutsche Caritasverband, der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) und der Sozialdienst Katholischer Männer (SKM) am Freitag in Berlin.

Corona hat die Situation verschärft

Jedes fünfte Kind und jeder vierte junge Erwachsene seien armutsgefährdet, sagte Caritas-Präsident Peter Neher. Mehr als 45.000 Jugendliche hätten 2020 die Schule ohne Hauptschulabschluss verlassen. Für Jugendliche aus bildungsfernen Elternhäusern sei es nur halb so wahrscheinlich, das Abitur zu erreichen (39 Prozent) wie für Jugendliche aus bildungsnahen Elternhäusern (81 Prozent).

"Der Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungschancen muss endlich aufgebrochen werden", so Neher. Für viele der betroffenen jungen Menschen sei es schwierig bis unmöglich, der Armut zu entkommen. "Oft verfestigt sie sich ein Leben lang.

In der Corona-Pandemie hat sich die Situation zugespitzt", unterstrich Neher. So habe in diesem Jahr jeder zehnte Betrieb angekündigt, sein Lehrstellenangebot zu kürzen. Es gelte, Kettenreaktionen zu vermeiden: "Ein schlechter oder kein Schulabschluss, wenige niedrigschwellige Angebote zur Berufsorientierung, kein Zugang zu passenden Ausbildungsplätzen und fehlende berufliche Perspektiven. Die Folge ist zu häufig ein Leben in Abhängigkeit von staatlichen Leistungen."

Teilhabe am sozialen Leben sichern

Auch das Deutsche Institut für Menschenrechte wies auf eine sich verfestigende Armut in Deutschland hin. Die neue Bundesregierung müsse hier gegensteuern und gewährleisten, dass jedem Menschen das soziokulturelle Existenzminimum zur Verfügung stehe, erklärte das Institut. Neben der angemessenen Berücksichtigung von Preissteigerungen etwa im Bereich der Energieversorgung gehöre dazu insbesondere auch die Sicherung der Teilhabe am sozialen Leben.

Das Institut forderte die neue Bundesregierung auf, sicherzustellen, dass die Bemessung der Sozialleistungen der tatsächlichen Preisentwicklung zügig Rechnung trage. Zudem sollte die Unterstützung von Antragstellenden gestärkt und sichergestellt werden, dass sie als Inhaber von Menschenrechten wahrgenommen und behandelt werden.

(KNA)

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