15.05.2019

Laut Studie 2.200 Beratungsgespräche zur vertraulichen Geburt "Hilfen kommen an"

Das Gesetz zur vertraulichen Geburt soll Frauen in Notlagen eine anonyme Entbindung ermöglichen und zugleich das Recht des Kindes auf das Wissen um seine Herkunft festschreiben. Experten meinen, dass der Spagat gelingt.

Die Anruferin klingt verzweifelt: Sie ist hochschwanger, die Wehen kommen bereits alle sieben Minuten. Niemand weiß von ihrer Schwangerschaft, und es soll auch keiner erfahren. Die Frau am anderen Ende der Leitung versucht, schnell und unkompliziert zu helfen. Ein Rettungswagen wird organisiert, der zu einer verabredeten Stelle fährt, um die schwangere Frau aufzunehmen.

Schließlich kann sie ihr Kind zur Welt bringen - in einem Krankenhaus. Und sie braucht den Ärzten ihren Namen nicht zu nennen. Stattdessen notiert sie ihn, legt das Schreiben in einen verschlossenen Umschlag, der an sicherer Stelle aufbewahrt wird. Einsehbar ist er nur für ihr Kind, wenn es 16 Jahre alt ist.

Seit fünf Jahren ist eine vertrauliche Geburt möglich

Fälle wie dieser sind Alltag für die Mitarbeiterinnen des Hilfetelefons für Schwangere in Notsituationen. Frauen verdrängen ihre Schwangerschaft oder verheimlichen sie - etwa weil sie in keiner intakten Beziehung leben oder Opfer sexueller Gewalt wurden; weil sie nicht wissen, wie sie mit der Situation umgehen sollen.

Seit fünf Jahren ist eine solche - vertrauliche - Geburt möglich. Sie soll verzweifelten Müttern in einer scheinbar ausweglosen Situation helfen, wenn niemand von der Schwangerschaft erfahren soll. Die Mutter kann medizinisch betreut entbinden und bleibt anonym. Zugleich soll das entsprechende Gesetz das Recht des Kindes auf das Wissen um seine Herkunft festschreiben.

Entscheidet sich die schwangere Frau für eine vertrauliche Geburt, werden ihre Daten in einer Herkunftsurkunde festgehalten. Diese werden versiegelt im Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben aufbewahrt, wo sie das Kind ab dem 16. Lebensjahr einsehen kann.

Nur in speziell begründeten Fällen kann die Mutter ihre Anonymität aufrechterhalten. So muss sie dann nachweisen, dass ihr durch die Einsicht des Kindes "eine Gefahr für Leben, Gesundheit, persönliche Freiheit oder ähnliche schutzwürdige Belange erwachsen kann".

Starker Anstieg bei den anonymen Kindsabgaben

Experten meinen, dass dieser Spagat gelingt: Die Zahl der ausschließlich anonymen Geburten - dazu zählt auch die Babyklappe - ohne medizinische Betreuung und dem Hinterlegen des Namens gehe zurück. Das ist nun auch Ergebnis einer Evaluierung, die Familienministerin Franziska Giffey (SPD) am Dienstag in Berlin vorstellte: Danach gab es seit Einführung des Gesetzes rund 570 vertrauliche Geburten und rund 2.200 Beratungsgespräche.

Von den beratenen Frauen entschieden sich demnach knapp ein Viertel zu einem Leben mit dem Kind und etwas mehr als ein Fünftel zu einer vertraulichen Geburt. 13,7 Prozent gaben ihr Kind zu einer regulären Adoption frei. Fast 12 Prozent der Frauen entschieden sich für einen Schwangerschaftsabbruch.

Der starke Anstieg bei den anonymen Kindsabgaben, der nach Ministeriumsangaben in den Jahren zuvor feststellbar war, geht demnach zurück. So wurden vor vier Jahren 157 Kinder anonym abgegeben, im Jahr 2016 waren es 151 Kinder. Zuvor war die Zahl in den Jahren von 2003 bis 2013 von 46 auf 147 gestiegen. Hätte sich dieser Trend fortgesetzt, wären für die Folgejahre deutlich mehr anonyme Kindsabgaben zu erwarten gewesen, sind sich die Experten sicher.

In ein paar Jahren können die Kinder, deren Mütter heute die vertrauliche Geburt in Anspruch nahmen, ihre Herkunftsurkunde einsehen. Wie wichtig das für die Kinder sein kann, erläuterte Carmen Thiele vom Bundesverband der Pflege- und Adoptivfamilien. Die biologische Herkunft sei Teil der Identität, betonte sie. Somit spiele Herkunft eine enorme Rolle.

Von Birgit Wilke

(KNA)

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Jeden Morgen von Montag bis Freitag on Air und Online: Schwester Katharina Hartleib aus Olpe begleitet Sie mit spirituellen Impulsen in den Tag.

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 16.10.
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

  • Bündnis "Halle gegen Rechts" stellt Forderungen an die Politik
  • Mit einem Blindenhund durch die Straße
  • Was machte Neil Armstrong vor 50 Jahren beim Papst?
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Interview mit Saliya Kahawatte
  • Halle gegen Rechts
  • 70 Jahre Bund katholischer Unternehmer
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Interview mit Saliya Kahawatte
  • Halle gegen Rechts
  • 70 Jahre Bund katholischer Unternehmer
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Politische Botschaften im Sport
  • Wiederbelebungstag in Köln
  • Arbeit als Domschweizerin
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Politische Botschaften im Sport
  • Wiederbelebungstag in Köln
  • Arbeit als Domschweizerin
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

  • "Halle gegen Rechts" kritisiert Fehleinschätzung rechter Gruppen
  • Bund Katholischer Unternehmer feiert 70-jähriges Jubiläum
  • "Mein Blind Date mit dem Leben"
22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff