Menschen in Sanaa, Jemen
Menschen erhalten in Sanaa, Jemen, eine Essensration von einer lokalen Wohltätigkeitsorganisation

26.02.2019

Hilfsorganisationen drängen auf Unterstützung für Jemen Zukunft von Millionen Kindern bedroht

Nach Angaben des Hilfswerks Unicef werden im Jemen pro Tag durchschnittlich acht Kinder getötet und schwer verletzt. Bei der Jemen-Hilfskonferenz an diesem Dienstag verlangen Organisationen Unterstützung der gefährdeten Kinder.

Anlässlich der internationalen Jemen-Hilfskonferenz am Dienstag in Genf drängen Hilfsorganisationen auf ein Ende des Kriegs und mehr Unterstützung für die Zivilbevölkerung. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef benötigt eigenen Angaben zufolge für 2019 rund 542 Millionen US-Dollar, um lebensrettende Hilfe für Kinder in dem arabischen Land zu leisten. "Der Krieg gegen die Kinder im Jemen muss aufhören", forderte der Geschäftsführer von Unicef Deutschland, Christian Schneider, am Montag.

80 Prozent der Kinder benötigen humanitäre Hilfe

Nach Angaben von Unicef sind derzeit elf Millionen Kinder im Jemen - etwa 80 Prozent aller Jungen und Mädchen - auf humanitäre Hilfe angewiesen. Im ganzen Land litten zwei Millionen Kinder an akuter Mangelernährung; 360.000 von ihnen seien so schwer unterernährt, dass sie jederzeit sterben könnten.

Seit dem Abschluss des Stockholmer Abkommens zur Reduzierung der Gewalt im Dezember seien im Jemen jeden Tag im Durchschnitt acht Kinder getötet, schwer verwundet oder zum Kämpfen gezwungen worden, teilte das Hilfswerk mit. Die meisten Kinder starben den Angaben zufolge auf dem Weg zur Schule oder draußen beim Spielen mit ihren Freunden. Schätzungen zufolge leben 1,2 Millionen Kinder in unmittelbarer Nähe von Kampfzonen.

Aus der Not heraus werden Kleinkinder verheiratet

Der Länderdirektor von Save the Children, Tamer Kirolos, warnte davor, dass im Laufe des Jahres 1,5 Millionen weitere Kinder im Jemen dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen sein werden. Die Entscheidungsträger in Genf hielten das Leben und die Zukunft von Millionen Kindern in ihren Händen.

Die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam berichtete indes davon, dass im Jemen aus der Not heraus sogar Kleinkinder verheiratet würden. Landesdirektor Muhsin Siddiquey forderte von der internationalen Gemeinschaft genügend Unterstützung, um die Grundbedürfnisse der Menschen zu decken. "Nur ein Ende des Konflikts kann die Abwärtsspirale stoppen, die die Menschen zwingt, verzweifelte Maßnahmen zu ergreifen."

Offener Brief an die Bundesregierung

Das Internationalen Konversionszentrum Bonn (BICC) verlangte ein "umfassendes Waffenembargo". Die Kriegskoalition um Saudi-Arabien dürfe keine deutschen Waffen mehr erhalten, heißt es in einem Offenen Brief an die Bundesregierung. Daher sollten etwa auch bestehende Genehmigungen für Rüstungsexporte widerrufen werden.

Die Vize-Fraktionschefin der Linken im Bundestag, Sevim Dagdelen, forderte die Regierung dazu auf, den Stopp für Waffenexporte an Saudi-Arabien aufrechtzuerhalten und auf alle anderen Länder auszuweiten, die am Jemen-Krieg beteiligt seien. Dies sei der wichtigste Beitrag für eine Beendigung der humanitären Katastrophe.

(KNA)

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