Die ostfriesische Insel Juist
Die ostfriesische Insel Juist
Katholische Kirche Zu den Heiligen Schutzengeln, Juist
Katholische Kirche Zu den Heiligen Schutzengeln, Juist
Schwester Michaela vor dem großen Schutzengel aus Bronze
Schwester Michaela vor dem großen Schutzengel aus Bronze

26.07.2021

Urlaubsseelsorgerin sieht großes Bedürfnis nach Ruhe und Gesprächen "Es ist ein Raus- und Reingehen"

Viele Menschen verbringen ihren Urlaub dieses Jahr in Deutschland. Urlaubsseelsorgerin Schwester Michaela sieht ein großes Bedürfnis, zur Ruhe und ins Gespräch zu kommen. Durch die Pandemie sind ihre Möglichkeiten eingeschränkt.

DOMRADIO.DE: Wie erleben Sie den Sommer gerade auf Juist? Sind viele Urlauber da?

Schwester Michaela Wachendorfer (Pfarrbeauftragte und Leiterin der Gemeinde "Zu den heiligen Schutzengeln"): Ja, es ist hier rasend voll. Alle haben die Insel gestürmt, sozusagen. Das ist uns natürlich sehr recht. Aber man muss damit eben jetzt auch nach diesen Corona-Zeiten klarkommen.

DOMRADIO.DE: Urlauber-Seelsorge ist gerade auf den Inseln auch immer ein großes Thema. Die Gäste wechseln alle paar Tage, alle paar Wochen. Was kann denn die Kirche, was können Sie den Urlaubern bieten in dieser Zeit?

Sr. Michaela: Das, was wir hier wirklich bieten können, ist einfach die Kirche selber. Die Tür ist hier von morgens 7 Uhr bis abends manchmal um 21:30 Uhr auf und das wird genutzt. Es ist ein Raus- und Reingehen. Die Leute gehen in die Kirche rein und sitzen dann ein bisschen still. Sie sind nicht zum Besichtigen da, sondern stellen Kerzen auf, schreiben in das Fürbittbuch. Inzwischen gibt es hier auch zwei Stellen, wo man das machen kann.

Sie suchen die Stille und natürlich auch ein bisschen die Nachdenklichkeit, um zur Ruhe zu kommen. Das wird hier wirklich unglaublich gerne genommen und zwar von Jung und Alt. Es kommen auch Kinder alleine rein und machen das. Oder die Großeltern mit den Kindern oder ganze Familien. Das, finde ich, ist etwas ganz Wunderbares.

Es gibt wirklich schöne Einträge in dieses Fürbittbuch, wo Dankbarkeit rausquillt oder Sorge wegen der Corona-Pandemie oder jetzt wegen der Fluten. Es ist ja hier ein schrecklicher Gegensatz zwischen diesem Strandurlaub und der Hochwasserkatastrophe. Wir haben hier auch sofort spontan die Kollekten umfunktioniert für das Hochwasser. Da waren die Leute hier wirklich ganz offen, auch im Geben.

DOMRADIO.DE: Die Menschen suchen Ruhe und Entspannung auf Juist. Was merken Sie denn in Gesprächen, was die Leute beschäftigt?

Sr. Michaela: Das eine ist, dass Leute wirklich in krisenhafte Zusammenhänge gekommen sind, die sich fragen: "Wie geht mein Leben weiter?" Oder sie sind einfach nur erschöpft und dadurch ist es zu Krisen in der Partnerschaft gekommen oder in den Familien.

Und das andere sind große Gespräche. Immer mal wieder auch zum Thema: Wie geht es mit der Kirche weiter? Das ist etwas, wo sich hier Leute aus vielen Bistümern das Herz ausschütten und froh sind, dass es hier Ansprechpartner gibt und dass es eine Kirche gibt, die offen und gastfreundlich ist.

DOMRADIO.DE: Die Kirche ist so offen, dass auch ganz viele Menschen kamen, auch gerade in den letzten Wochen. Also fast zu viele , oder?

Sr. Michaela: Es gibt hier am Mittwochabend immer ein Taizé-Gebet um 22 Uhr und durch Corona muss man sich anmelden. Das war auch ganz gut gelaufen. Aber ich stand nachher vor einer Menschenmenge und kam mir vor wie bei der wunderbaren Brotvermehrung. Es war nicht genug Platz.

Wir haben versucht, irgendwie alles hinzukriegen. Ich war wirklich überwältigt davon, die Leute selber auch. Und in diesen Taizé-Gebeten gibt es auch große Stille. Und da waren dann ungefähr 65 Leute ganz, ganz still und haben das auch innerlich mitvollzogen. Es war wirklich berührend.

DOMRADIO.DE: Wir sind ja nun mal noch immer in dieser Corona-Zeit. Was würden Sie auf Juist denn gerne alles machen und auch noch organisieren, wenn die Pandemie jetzt nicht dazwischenfunken würde?

Sr. Michaela: Es ginge sicher mehr. Das was uns hier bremst, ist einfach, dass wir wenig Plätze in der Kirche haben. Wir dürfen zwar irgendwie 65 nehmen, das ist verhältnismäßig viel, aber wir könnten deutlich mehr haben, das ist beschränkt.

Um 7:30 Uhr werden viele Leute eine halbe Stunde Schweigemeditation machen. Da ist der Platz zwar noch okay, aber man merkt, wenn 15 bis 20 Leute zur Schweigemeditation vor dem Brötchenholen kommen, wie groß das Bedürfnis ist hier ist.

Das Interview führte Carsten Döpp.

(DR)

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