Digitaler Nachlass
Wie geht Seelsorge im Netz?
Die evangelische Pfarrerin Theresa Brückner
Die evangelische Pfarrerin Theresa Brückner

24.03.2020

Evangelische Pfarrerin über die Seelsorge im Netz "Wir stehen noch am Anfang"

Das öffentliche Leben ist durch Corona auf Eis gelegt, die Kirchen weichen zunehmend auf Internet aus. Welche Chance das für die Seelsorge haben kann, weiß Pfarrerin Theresa Brückner. Sie hat eine offizielle Pfarrstelle für Kirche im digitalen Raum.

DOMRADIO.DE: Wir haben gehört, Sie sind zurzeit in Corona-Quarantäne. Wie gehts Ihnen? 

Theresa Brückner (Evangelische Pfarrerin für Kirche im digitalen Raum im Kirchenkreis Tempelhof-Schöneberg, Youtuberin und Bloggerin): Mir gehts gut. Wir sind in freiwilliger Quarantäne. Ich hatte Kontakt mit jemandem aus einem Risikogebiet, daraufhin wurde ich gebeten, für zehn Tage in Quarantäne zu gehen. Mir gehts gut, ich habe bisher keine Symptome, auch mein Mann und mein Kind nicht. Wir gestalten das den Umständen entsprechend gut. 

DOMRADIO.DE: Sie haben eine offizielle Stelle für Kirche im digitalen Raum. Wie muss man sich das vorstellen? Geht es da einfach nur um eine Webseite-Gestaltung oder wie sieht eine digitale Kirche aus? 

Brückner: Ich arbeite im Kirchenkreis Tempelhof-Schöneberg, der Kirchenkreis hat sich gedacht, dass es an dieser Stelle noch einiges an Nachholbedarf für die Kirche gibt. Sie waren so innovativ, diese Pfarrstelle zu schaffen. Mein Schwerpunkt liegt auf den sozialen Medien. Das heißt, ich bin aktiv auf Instagram, YouTube, auch auf Facebook und Twitter, jeweils unter dem Namen "theresaliebt". Da spreche ich über den Glauben, den Alltag und über meinen Beruf als Pfarrerin. 

DOMRADIO.DE: Wer nutzt diese digitalen Angebote? 

Brückner: Mittlerweile alle. Es gibt eine Altersspanne von 13 bis 80 Jahren.  

DOMRADIO.DE: Unterhalten die Menschen sich mit Ihnen? Haben sie konkrete Fragen?

Brückner: Das ist ganz unterschiedlich. Manche kommen mit ganz konkreten Fragen, andere lesen still mit. Ganz viele konsumieren einfach. Es gibt auch immer wieder Seelsorgegespräche – auch online. 

DOMRADIO.DE: Ihr Angebot gibt es ja schon länger. Auf Instagram haben Sie stolze 13.000 Follower. Merken Sie jetzt in den Zeiten von Corona einen noch größeren Zulauf? 

Brückner: Ja, ich merke, dass gerade das Angebot, Nachrichten zu schreiben, sehr aktiv genutzt wird und dass das nochmal zugenommen hat, weil viele sich alleine fühlen. Ich habe auch die letzten Tage versucht, abends immer regelmäßig Live-Videos zu starten, weil mir viele schreiben, dass sie sich alleine fühlen durch diese Isolation. 

DOMRADIO.DE: Sie können im Internet aus der Bibel vorlesen, sie können beten. Segnen geht sicher auch noch, aber ein gemeinsames Abendmahl ist nicht möglich, oder?

Brückner: Ich habe bei einigen Gemeinden gesehen, dass sie das schon probiert haben. Wir hatten auch unsere erste Gemeindeleitungssitzung über Telefon- oder Videokonferenz. Auch das ist zuerst gewöhnungsbedürftig, aber so ist es bei jedem Medium, was man zum allerersten Mal nutzt. Ich glaube die Umstände bringen uns aktuell dazu, dass wir das einfach mal ausprobieren müssen. Wer weiß, was da noch alles kommt. 

DOMRADIO.DE: Wenn wir mal an die vielen Konfirmandinnen und Konfirmanden denken, deren Konfirmation jetzt verschoben werden muss – das gilt natürlich auch für die Kommunionkinder – wie kann man die jetzt trösten? Gibt es da Möglichkeiten im Internet? 

Brückner: Das schmerzt erstmal total. Das kann man auch schlecht auffangen, weil das ja Augenblicke sind, auf die man sich lange vorbereitet und gefreut hat. Ich versuche da nicht mit billigen Sprüchen zu kommen, sondern einfach mit der Tatsache, dass es wirklich furchtbar traurig ist und wir uns alle in den Gemeinden oder der Kirche größte Mühe geben, diese Termine nachzuholen, sobald es wieder möglich ist. Aber der Kontakt ist, finde ich, gerade der wichtigste Punkt, um irgendwie den Schmerz aufzufangen. 

DOMRADIO.DE: Auf der einen Seite bringt die Corona-Krise Schmerz und Verlust mit sich. Aber auf der anderen Seite hören wir auch immer ganz viele Geschichten von Menschen, die sich einander helfen. Wie erleben Sie das in Ihrer digitalen Kirche? Merken Sie, dass Gemeinschaft doch ein wichtiges Gut bei den Leuten ist? 

Brückner: Ja, total. Und dass sich wirklich viele Mühe geben, Gemeinschaft in irgendeiner Form zu praktizieren, Nachbarn zu helfen und sie zu unterstützen. Es sind auch viele an dem Punkt, wo sie merken, dass die Gemeinschaft ein hohes Gut war, weil sie jetzt plötzlich weg ist. Sie merken, dass man sie vorher vielleicht gar nicht so wertgeschätzt hat, wie man es jetzt tun würde.

DOMRADIO.DE: Meinen Sie, die Kirche kann das Angebot hin zur digitalen Gemeinschaft erweitern? 

Brückner: Ja, wir stehen noch am Anfang. Ich habe schon jahrelang darüber gesprochen und es ist ein bisschen lustig, weil sich jetzt immer mal wieder Leute melden und sagen: "Du hast es ja schon immer gesagt, jetzt sind wir alle darauf angewiesen und verstehen endlich, was du meinst." Das ist ganz schön verrückt.

Und ich sehe, dass es jetzt an ganz vielen Punkten anfängt. Da werden die ersten Schritte gemacht und das wird sich hoffentlich in ganz vielen Punkten noch steigern und logischerweise qualitativ bessern. Wir müssen ja erstmal irgendwie anfangen.

Das Gespräch führte Heike Sicconi. 

(DR)

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