Symbolbild: Postkarten mit dem Abbild von Papst Franziskus
Symbolbild: Postkarten mit dem Abbild von Papst Franziskus
Erzbischof Stanislav Zvolensky
Erzbischof Stanislav Zvolensky

07.09.2021

Erzbischof von Bratislava hat hohe Erwartungen an Papstbesuch "Zeichen der Hoffnung in dieser schwierigen Zeit"

Als zweiter Papst nach Johannes Paul II. besucht Franziskus im September die Slowakei. Die Freude in der mehrheitlich katholischen Bevölkerung darüber ist durchaus groß, sagt der Erzbischof von Bratislava, Stanislav Zvolensky, im Interview.

KNA: Als ersten Staatsbesuch nach seiner Operation im Juli hat Papst Franziskus die Slowakei ausgewählt. Sie sind einer der Gastgeber. Was bedeutet Ihnen dieser Besuch, und wie groß sind die Erwartungen?

Erzbischof Stanislav Zvolensky (Erzbischof von Bratislava): Natürlich freuen wir uns sehr. Sicher ist auch bereits eine gewisse Anspannung da, weil mit viel Aufwand organisiert werden muss. Wir sehen die Ankunft des Heiligen Vaters vor allem als Gabe und Zeichen der Hoffnung in dieser schwierigen Zeit der Pandemie.

KNA: Welchen Einfluss können die Worte des Papstes in der aktuellen Situation haben?

Zvolensky: Durch Corona ist die Gesellschaft an einen Punkt gekommen, an dem sie selbst nicht mehr weiter weiß. Der Papst ist sehr sensibel für dieses Leiden der Menschen. Als Motto für seinen Besuch hat er "Mit Maria und Josef Jesus nachfolgend" gewählt. Er sendet uns damit eine Botschaft: Wir müssen weitergehen und dürfen die Hoffnung nicht verlieren.

KNA: Was die Corona-Maßnahmen für den Besuch selbst anging, soll es im Vorfeld Unstimmigkeiten zwischen der Kirche und der sehr restriktiven Regierung gegeben haben. Sie hätten sich hier mehr Freiheiten gewünscht, hieß es. Wie sind Sie letztendlich verblieben?

Zvolensky: Ich würde es nicht als Unstimmigkeiten bezeichnen, eher als Diskussionen; manchmal sehr intensiv. Wir forderten den Staat auf, möglichst vielen Menschen die Teilnahme zu erlauben. Der Staat hat keine Grenze gesetzt, sondern als Bedingung vollständige Impfung gestellt. Wir hatten gehofft, dass auch Menschen, die noch nicht geimpft sind, die Möglichkeit bekommen, etwa durch einen negativen Covid-Test. Aber das wurde abgelehnt.

KNA: In der Slowakei ist derzeit nicht mal die Hälfte der Bevölkerung vollständig geimpft; Skepsis gegenüber den Impfstoffen ist recht verbreitet. Das wird also Auswirkungen auf die geplanten Veranstaltungen haben.

Zvolensky: Es ist klar, dass diese Bedingung und auch die obligatorische Registrierung aller Teilnehmer, bei der persönliche Daten abgefragt werden, viele abhalten wird. Wir befinden uns aber in einer Pandemie; wir müssen mit dem arbeiten, was möglich ist - und der Staat war in dieser Hinsicht sehr entschlossen. Das erschwert die Vorbereitungen des Besuchs, für die wir nur sehr wenig Zeit haben. Aber wir haben das als Herausforderung angenommen und tun unser Bestes. Wir Bischöfe haben bereits erklärt, dass wir uns impfen lassen - und empfehlen es allen. Wir respektieren aber auch, wenn jemand Probleme damit hat.

KNA: Ein viel beachteter Programmpunkt der Reise ist der Besuch in dem Problemviertel Lunik IX in Kosice. Dort leben mehr als 4.000 Roma in teils menschenunwürdigen Zuständen, ohne Hoffnung auf einen Platz in der Gesellschaft. Woran fehlt es hier?

Zvolensky: Die Integration der Roma - nicht nur in Lunik IX, sondern auch in anderen prekären Siedlungen - ist eine langjährige Herausforderung für die gesamte Gesellschaft, besonders nach der politischen Wende. Die Kirche ist hier mit Projekten sehr aktiv. Für uns ist es eine wichtige pastorale Aufgabe - wobei die Roma-Seelsorge durchaus kompliziert ist.

KNA: Und nun kommt der Papst - getreu seinem Motto "An die Ränder gehen" - und schaut sich dieses komplexe Problemviertel an.

Zvolensky: Es ist fast selbstverständlich, dass der Papst dieses Viertel besuchen will. Besonders für jene, die dort in der pastoralen Arbeit tätig sind, ist das auch ein wichtiges Signal: Er zeigt, dass er die Bemühungen wahrnimmt und unterstützt.

KNA: Papst Franziskus hob zuletzt den Wert der Synodalität in der Kirche hervor, etwa durch den Aufruf zur Weltsynode für Oktober. In Deutschland dreht sich die Frage der Synodalität besonders um die Mitwirkung von Laien in der Kirche. Wie gestaltet sich das in der Slowakei? Halten Sie mehr Partizipation für denkbar?

Zvolensky: Die Teilhabe von Laien am Werk der Kirche ist etwas Selbstverständliches. Ohne die Hilfe der Laien wäre das kirchliche Leben in der Slowakei nicht möglich. Auch der Papstbesuch jetzt ist wesentlich von engagierten Laien vorbereitet worden. Allerdings ist die Situation hier eine andere als in Deutschland. Die Laien sind hier viel weniger formell organisiert. Dabei sind sie sehr großzügig und machen viele Aktivitäten der Kirche überhaupt erst möglich.

Das Interview führte Johannes Senk.

(KNA)

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