Papst Franziskus trifft in Dhaka im Garten des Bischofshauses Flüchtlinge der Rohingya
Papst Franziskus trifft in Dhaka im Garten des Bischofshauses Flüchtlinge der Rohingya

01.12.2017

Die Papstreise im Zeichen der Rohingya Das verbotene Volk

In Myanmar haben Kirchenvertreter Papst Franziskus gebeten, das Wort "Rohingya" nicht in den Mund zu nehmen. Im Nachbarland Bangladesch hat Franziskus dagegen jetzt ein wichtiges Zeichen für die verfolgte Minderheit gesetzt.

DOMRADIO.DE: Sie waren selbst vor kurzem noch vor Ort. Was ist das für ein Land, das der Papst besucht? 

Christine Kögel (Länderreferentin für Bangladesch beim katholischen Hilfswerk Misereor): Bangladesch ist ein Land mit vielen Gesichtern. Es ist ein sehr kleines und auch ein sehr junges Land in Südasien – gerade zwei Mal so groß wie Bayern hat es aber 160 Millionen Einwohner. Es ist also sehr dicht besiedelt. Hier bei uns ist es hauptsächlich durch die Katastrophen in der Textilbranche bekannt, aber auch durch seine Verletzlichkeit aufgrund des Klimawandels.

Bangladesch ist zudem ein Land, das sich sehr stark im Umbruch befindet. Die Regierung versucht, das Land von einem der ärmsten zu einem mit mittlerem Einkommen in den nächsten Jahren zu machen. Das bedeutet, dass ein hohes Wirtschaftswachstum vorherrscht – auf der anderen Seite bringt das Konsequenzen mit sich, und es gibt immer noch sehr viel Armut.

DOMRADIO.DE: Sprechen wir über die Volksgruppe der Rohingya. Sie ist aus Myanmar geflohen, befindet sich im Moment teils in Flüchtlingslagern in Bangladesch – wie lebt es sich in diesen Lagern?

Kögel: Ich bin selbst dort gewesen. Man muss wissen, dass sich dieses Lager mittlerweile zu dem größten Flüchtlingslager der Welt entwickelt hat. Die Bedingungen in so einem Lager sind nie optimal. Da gibt es Probleme mit der Hygiene, woraus große Gesundheitsrisiken entstehen. Die Menschen sind nicht ausreichend ernährt und es steht der Winter an. Außerdem gibt es die große Sorge der Perspektivlosigkeit: Was passiert auf längere Sicht mit den Menschen?

DOMRADIO.DE: In Myanmar haben die Kirchenvertreter Franziskus gebeten, das Wort Rohingya noch nicht mal in den Mund zu nehmen, in Bangladesch trifft er sogar drei Familien, die der Volksgruppe angehören. Das wurde erst kurzfristig bekannt gegeben. Was hat das für eine Bedeutung, dass der Papst diese Rohingya trifft?

Kögel: Das ist ein sehr wichtiges Zeichen. Zum einen aufgrund der Diskussion darüber, dass er das Wort nicht in den Mund nehmen sollte, aber auch weil man mit den Betroffenen gesprochen haben muss, wenn man über das Thema diskutieren will – sonst ist es einfach nicht authentisch und man weiß auch nicht, was die Leute wirklich durchgemacht haben. Gleichzeitig habe ich gehört, dass es auch ein interreligiöses Treffen geben wird. Das heißt, der Papst verfolgt auch seine Mission, Verständnis zwischen den Religionen zu schaffen und sie zusammenzubringen.

DOMRADIO.DE: In Myanmar haben die Rohingya kaum Rechte. Was hat die Volksgruppe denn für einen Stand in Bangladesch?

Kögel: Zunächst war es so, dass sich Bangladesch sehr gut verhalten hat, indem sie gesagt haben: Wir nehmen die Rohingya auf, sie sind in einer Krise, müssen Unterschlupf finden und versorgt werden. Auf lange Frist möchte Bangladesch die Flüchtlinge aber wieder loswerden. Grund dafür ist die ohnehin schon dichte Besiedlung des Landes und dass es jetzt nochmal sechs bis siebenhunderttausend Menschen zu versorgen hat. 

Im Sommer hat in Bangladesch auch eine große Überflutung stattgefunden. Dabei wurde ein Großteil der Ernte zerstört. Das Land hat also selber Probleme, seine Bevölkerung zu ernähren. Auch bezüglich der Integration von diesen Menschen – die wenig Bildung haben, die sehr viele Kinder haben – hört man immer wieder, dass das nicht gewünscht ist in Bangladesch.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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