Als Zeichen des Friedens ließ Papst Franziskus ein Taube fliegen.
Als Zeichen des Friedens ließ Papst Franziskus ein Taube fliegen.
Papst Franziskus und Patriarch Ilia II.
Papst Franziskus und Patriarch Ilia II.
Papst Franziskus und Patriarch Ilia II. am Flughafen
Papst Franziskus und Patriarch Ilia II. am Flughafen

30.09.2016

In Georgien hat Papst Franziskus keinen leichten Start Friedensbote in rauem Land

Zum zweiten Mal binnen drei Monaten besucht Papst Franziskus die Konfliktregion Südkaukasus. Schon die ersten Stunden in Tiflis offenbaren, wie tief die politischen und religiösen Gräben sind.

So einen Empfang ist Franziskus nicht gewohnt: "Papst, Erzhäretiker, du bist nicht willkommen im orthodoxen Georgien", steht auf einem Plakat, das Demonstranten vor dem Flughafen von Tiflis hochhalten. Auf einem anderen wird der Vatikan als "Aggressor" beschimpft.

Einige Dutzend Männer, unter ihnen auch Priester, haben sich am Freitag in der georgischen Hauptstadt am Straßenrand versammelt, um gegen den Besuch des Papstes zu demonstrieren. Sonst nimmt in der Kaukasus-Republik mit gerade mal 110.000 Katholiken kaum jemand Notiz vom Besuch aus Rom. Die Polizei schirmt die Straße ab, lässt die Demonstranten jedoch gewähren.

Appell zu gegenseitigem Respekt

Davon unbeeindruckt beginnt Franziskus seine zweite Reise in den Kaukasus binnen eines Jahres mit einem Appell zu gegenseitigem Respekt. Tiflis scheint dafür ungeachtet der Hardliner am Flughafen eine eindrucksvolle Kulisse. Kaum irgendwo sonst auf der Welt stehen Kirche, Moschee, Synagoge und zoroastrischer Tempel auf so engem Raum zusammen wie in der georgischen Hauptstadt.

Ethnische, sprachliche, politische und religiöse Unterschiede dürften nie zum Vorwand werden, um "Differenzen in Konflikte und Konflikte in endlose Tragödien zu verwandeln", sagte Franziskus in seiner Begrüßungsansprache vor Politikern und Diplomaten. Georgien sei stets eine "natürliche Brücke zwischen Europa und Asien" gewesen.

Konflikt zwischen Russland und Georgien

Die Botschaft des Papstes hatte durchaus eine aktuelle Spitze. Seine Forderung nach einer friedlichen Koexistenz zwischen allen Völkern und Staaten der Region spielte offenbar auch auf den Konflikt zwischen Russland und Georgien an. Der Hinweis, dass die völkerrechtliche Souveränität jedes Staates respektiert werden müsse, ließ sich durchaus als Seitenhieb auf Russland verstehen.

Moskau hat Truppen in den von Georgien abtrünnigen Regionen Südossetien und Abchasien stationiert. Im Zuge des sogenannten Fünftagekrieges war die russische Armee im August 2008 sogar bis in das georgische Kernland vorgedrungen, nachdem georgische Truppen in Südossetien eingerückt waren. Georgiens Präsident nutzte die internationale Bühne, die ihm der Besuch des Papstes bot, um Russland an den Pranger zu stellen.

Dank an den Papst

Politiker könnten in Georgien nicht menschenwürdige Lebensbedingungen schaffen, solange "die Rechte der Zivilbevölkerung mit Füßen getreten werden und das Nachbarland weiter unsere Territorien besetzt", sagte er in seiner Begrüßungsrede. Sein Land sei Opfer der militärischen Aggression eines Staats geworden, der 20 Prozent des georgischen Territoriums besetzt halte. Er dankte dem Papst für die Unterstützung in diesem Konflikt.

Anschließend stattete der Papst dem geistlichen Oberhaupt des Begrüßungskomitees am Flughafen einen Besuch ab: dem georgisch-orthodoxen Patriarchen Ilia II. Auch der werbende Ton seiner Ansprache konnte nicht verhehlen, dass der Dialog zwischen Rom und der georgisch-orthodoxen Kirche seit Jahrzehnten auf der Stelle tritt, wenn er nicht sogar Rückschritte gemacht hat. Ein Abkommen zwischen dem Vatikan und dem georgischen Staat zur rechtlichen Absicherung der katholischen Kirche im Land scheiterte 2003 in letzter Minute am Protest der georgisch-orthodoxen Kirche.

36 Jahre zurück

Um überhaupt einen positiven Anknüpfungspunkt zu finden, musste Franziskus 36 Jahre zurückgehen. Er erinnerte an den Besuch Ilias II. im Vatikan, der 1980 als erster georgisch-orthodoxer Patriarch in die Zentrale der katholischen Kirche kam. Franziskus erinnerte daran, dass man damals einen Friedenskuss ausgetauscht und sich gegenseitig das Gebet füreinander zugesagt habe.

Viel mehr ist auch diesmal nicht drin. Ein gemeinsames Gebet von Papst und Patriarch ist während des bis Samstag währenden Aufenthalts nicht geplant. Der Vatikan verkaufte es schon als großen Fortschritt, dass am Samstag in Tiflis erstmals eine offizielle georgisch-orthodoxe Delegation zum Gottesdienst eines Papstes kommt.

Der Papst hielt sich auf dem Flug von Rom nach Tiflis ungewohnt bedeckt. Zu seinen Intentionen in Georgien und Aserbaidschan äußerte er sich nicht. "Die Reise wird kurz. Gott sei Dank", scherzte er.

Thomas Jansen
(KNA)

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